Reisebilder – Literatur im Hofgarten

heißt eine Reihe, die wir gemeinsam mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Schauspielhaus, dem Theatermuseum und dem zakk organisieren. Namensgeber der Reihe ist Heinrich Heine, der mit seinen Reisebildern ein völlig neues Genre erfand und nach eigener Aussage „auf moosiger Parkbank“ im Hofgarten sein erstes Lektüreerlebnis hatte.
Im Hofgarten des 21. Jahrhunderts lesen vor dem Theatermuseum an drei frühsommerlichen Samstag- oder Sonntagnachmittagen AutorInnen aus Romanen, mit denen sie das Publikum mit auf Reisen nehmen. Ziele in den letzten Jahren waren unter anderen Myanmar (Christine Neudecker, Nirgendwo sonst), Sibiren (Michael Ebmeyer, Der Neuling), in die Schweiz (Nadja Klinger, Über die Alpen) oder nach Madrid (Peter Richter, Gran Via) – und das alles ganz bequem ohne Flugangst, Reiseübelkeit und Kofferschleppen.

Alle Lesungen finden im Hofgarten vor dem Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, (bei schlechtem Wetter im Museum) statt.

Diese Reisen haben wir für den Sommer 2013 für Sie vorbereitet:

Samstag, 15. Juni, 15.00 Uhr

Andreas Stichmann, Das große Leuchten Samstag

22. Juni, 15.00 Uhr

Abbas Khider, Brief in die Auberginenrepublik

Samstag, 29. Juni, 15.00 Uhr
Annett Gröschner, Mit der Linie 4 um die Welt

 

Samstag, 15. Juni, 15.00 Uhr
Andreas Stichmann, Das große Leuchten Samstag


Die Reise führt aus der deutschen Provinz in den Iran und weiter ans Kaspische Meer: die Suche nach Ana – Ana, der Tankstellenräuberin, Ana, deren persischer Vater nie so recht hat Fuß fassen können im deutschen Exil. Es ist ein weiter Weg, kreuz und quer durch die Wüste, voller komischer und rätselhafter Prüfungen, die Rupert zu bestehen hat – und mit ihm sein schizophrener Freund Robert, der am liebsten Vögel beobachtet, der die Welt nicht versteht und stattdessen das Schachspiel neu erfindet.

So war das zumindest, bis Ana kam. Bis Rupert und Ana abgehauen sind, um das große Leben zu beginnen. Und bevor Ana plötzlich verschwand.

«Das große Leuchten» ist der Roman einer ausgedehnten Reise, abgründig, empfindungsstark und voller abenteuerlicher Echos. Einhörner und Jäger, Derwische und Ex-Generäle, russische Kleinkriminelle, opiumrauchende Kunstfilmerinnen und uralte Orangenfarmer finden darin Platz – Figuren, die niemals blinzeln, sondern «brennen, brennen, brennen wie phantastische gelbe Wunderkerzen» (Jack Kerouac).

 

Samstag, 22. Juni, 15.00 Uhr
Abbas Khider, Brief in die Auberginenrepublik

Oktober 1999 – im Irak herrscht Saddam Hussein, in Libyen Gaddafi, in Ägypten Mubarak, in Syrien Hafiz al-Assad und in Jordanien König Abdullah II bin Hussein. Die arabische Facebook und Twitter-Revolution gegen die Despoten ist noch fernste Zukunft. Einen Brief an der Zensur vorbeizuschicken, ist ein langwieriges und gefährliches Abenteuer. Das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo treibt die irakische Bevölkerung ins Elend – einzig Auberginen gibt es im Überfluss, sodass die Iraker ihrem Land den Beinamen »Auberginenrepublik « verpasst haben.

Salim, ein ehemaliger Student, schlägt sich im libyschen Exil als Bauarbeiter durch. Er war wegen des Besitzes verbotener Bücher verhaftet worden. Über seinen Onkel ist ihm die Flucht aus dem Irak gelungen, doch er hat nie wieder von seiner Familie, seinen Freunden und vor allem von seiner Geliebten Samia gehört, deren Namen er auch unter Folter nicht preisgegeben hatte. Nun erfährt er in Bengasi von einem die ganze arabische Welt überspannenden Netzwerk von illegalen Briefboten und wagt es, Samia einen Brief mit einem Lebenszeichen zu senden…

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. 1996 floh er nach einer Verurteilung aufgrund »politischer Gründe« und nach einer zweijährigen Gefängnisstrafe aus dem Irak. Von 1996 bis 1999 hielt er sich als illegaler Flüchtling verschiedenen Ländern auf, seit 2000 lebt er in Deutschland. Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Lyrik in verschiedenen Publikationen. Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin. 2009 erhielt er das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin, vom Deutschen Literaturfonds bekam er außerdem ein Arbeitsstipendium der Autorenförderung (2009-2010). Seit 2010 ist Abbas Khider Mitglied des PEN.

 

Samstag, 29. Juni, 15.00 Uhr
Annett Gröschner, Mit der Linie 4 um die Welt

Wie kann man mit der Linie 4 um die Welt fahren? Annett Gröschner ist in Amsterdam und New York, in Peking und Tel Aviv, in Reykjavik und Alexandria, in Jekaterinburg und Istanbul in eine Straßenbahn oder einen Bus der Linie 4 eingestiegen und hat ihre Fahrroute beschrieben. Auf diese Weise sind 34 großartige Städteporträts entstanden, die uns in Nähe und Ferne entführen: von Bielefeld bis Buenos Aires. Genau beobachtend erzählt sie einfühlsam vom Alltag der Menschen, Gegenwart und Geschichte liest sie der urbanen Architektur ab, politische Verhältnisse offenbaren sich anschaulich und sinnlich in kleinsten Szenen. Annett Gröschners Reisebericht macht Lust, die Welt in ihrer Vielfalt zu erleben:

„Der Zufall, kann ich nach fast zehn Jahren Linie 4 sagen, ist der beste Weg, fremde Orte kennenzulernen.“ (Annett Gröschner)

Annett Gröschner, 1964 in Magdeburg geboren, lebt seit 1983 in Berlin. Für ihr schriftstellerisches Werk, das Prosa, Theaterstücke, Gedichte, Dokumentarliteratur wie Sachbücher umfasst, wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

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