Europa erlesen

In Zusammenarbeit mit dem Europaministerium des Landes NRW führen wir diese erfolgreiche Reihe durch, in der renommierte europäische AutorInnen in der Staatskanzlei im Düsseldorfer Stadttor auftreten. Sie lesen aus ihren Werken und diskutieren über zentrale europäische Fragen.

 

23. April 2013: Marica Bodrožić liest aus ihrem Roman „Kirschholz und alte Gefühle“

2. Juli 2013: Klaus-Michael Bogdal - "Europa erfindet die Zigeuner"

3. September 2013: Lindita Arapi - "Schlüsselmädchen"

22. Oktober 2013: Robert Menasse - "Der Europäische Landbote" und "Ich kann jeder sagen"

 

Marica Bodrožić liest aus ihrem Roman „Kirschholz und alte Gefühle“
Dienstag, 23. April 2013, 19.00 Uhr, Staatskanzlei, Stadttor 1, Eintritt frei

Die Schriftstellerin kroatischer Abstammung zählt zu den interessantesten Schriftstellerinnen deutscher Sprache. In ihrem Werk vermag sie mit unnachahmlicher poetischer Intensität sowohl ihre Kindheit in den Wirren der Balkankriege als auch ihre heutige Beziehung zu ihrer - wie sie sie nennt - zweiten Muttersprache Deutsch zu vereinen.

Im Stadttor liest sie aus ihrem Roman „Kirschholz und alte Gefühle“, der 2012 nach „Das Gedächtnis der Libellen" als zweiter Teil einer Trilogie erschienen ist.

Der Roman zeigt die durch den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien vertriebene Arjeta Filipo, wie sie in ihrer neuen Wohnung in Berlin anhand von alten Fotos und Erbstücken, über die sie gestolpert ist, ihre sich stetig ausdehnenden Erinnerungslücken zu schließen versucht. Dabei werden ihr v.a. der alte Kirschholztisch ihrer Großmutter, aber auch die Fotos, die sie auf ihm ausgebreitet hat, zu Zeitzeugen der vergangenen Jahre: Sie blickt auf ihre Kindheit während des Krieges in Sarajevo, aber auch auf ihre Studienzeit in Paris, auf Freundschaften wie die zu der Physikerin Nadeshda und auf ihre Liebesbeziehung zu dem Maler Arik zurück. Die sie "heim“-suchenden Erinnerungen dienen der ihrer Heimat Beraubten zugleich als Stütze, als eine Art Selbstvergewisserung, in einer auseinandergerissenen, instabilen Welt.

Marica Bodrožić, geboren 1973 in Svib/ Dalmatien, dem heutigen Kroatien, siedelte 1983 nach Deutschland über. Sie studierte Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik in Frankfurt am Main. Marica Bodrožić schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays, für die sie u.a. mit dem Förderpreis für Literatur von der Akademie der Künste in Berlin und dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet wurde. Marica Bodrožić lebt als freie Schriftstellerin in Berlin.

Musikalische Begleitung: Martin C. Herberg (Gitarre)

Begrüßung: Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren
Moderation: Michael Serrer

 

Klaus-Michael Bogdal - "Europa erfindet die Zigeuner"
Dienstag, 2. Juli 2013, 19.00 Uhr, Staatskanzlei, Stadttor 1, Eintritt frei

Ausgezeichnet mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2013

Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von Asozialen … Dies sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die Romavölker Europas in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Wie es möglich wurde, dass jahrhundertealter Hass in einem Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung sich bis heute halten konnte, zeigt in seinem brillant recherchierten Buch nun Klaus-Michael Bogdal zum ersten Mal im europäischen Vergleich.

Professor Bogdal weist in dieser spannend und anschaulich erzählten Geschichte nach, wie die Europäer zum verachteten Volk am unteren Ende der Gesellschaftsskala stets die größtmögliche Distanz suchten. Keine der unterschiedlichen Gesellschafts- und Machtordnungen, in denen sie lebten, ließ und lässt eine endgültige Ankunft in Europa zu. Ohne einen schützenden Ort sind sie seit ihrer Einwanderung vor 600 Jahren ständigen Verfolgungen und Ausgrenzungen ausgesetzt: in den Imaginationen der Kunst und in der politischen Realität.
Das Buch umfaßt die Geschichte der Darstellung der ›Zigeuner‹ in der europäischen Literatur und Kunst vom Spätmittelalter bis heute – von Norwegen bis Spanien, von England bis Russland. Die Dokumente, die Bogdal heranzieht, reichen von den frühen Chroniken und Rechtsdokumenten über ethnographische Werke und künstlerische Darstellungen bis hin zu den Holocausterinnerungen von Sinti und Roma.

Die Auszüge aus den literarischen Texten liest der Schauspieler Bernt Hahn.

Grußwort: Europa-Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren
Moderation: Michael Serrer

 

Lindita Arapi - "Schlüsselmädchen"
Dienstag, 3. September 2013, 19.00 Uhr, Staatskanzlei, Stadttor 1, Eintritt frei

Über das Buch: In einer kleinen albanischen Stadt, in einer Mustergemeinde im Aufbau in kommunistischer Zeit, betrachtet das Mädchen Lodja Lemani die Welt vom Küchenfenster des kleinen Elternhauses aus. Die Familie Lemani lebt ausgegrenzt, weil sie eine »schwarze Biografie« hat. Lodjas Großvater wird 1952 als Großbauer vor den Augen seiner Tochter von den neuen Machthabern gelyncht. Gesprochen wird darüber in der Familie nicht. Nach der kommunistischen Zeit und nach dem Ende der Selbstisolierung Albaniens verlässt Lodja ihr Land und lebt als junge Frau alleine in einer westeuropäischen Stadt, reist jedoch nach Albanien zurück, um das familiäre Geheimnis aufzudecken. Eine Reise in die Vergangenheit zu den Sippen ihrer Mutter und ihres Vaters beginnt. Die archaischen Strukturen auf dem Land haben sogar den Kommunismus überlebt.

Lindita Arapi, geboren 1972 in Albanien, promovierte in Wien und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Bonn. Sie gilt als eine der herausragenden zeitgenössischen Autorinnen Albaniens. Ihre Gedichtsammlung »Am Meer, nachts« erschien 2007 auf Deutsch. Ihr erster Roman »Vajzat me çelës në qafë« (Schlüsselmädchen) erschien im Frühjahr 2010. Ihre Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Lindita Arapi arbeitet als Übersetzerin und als freie Hörfunkredakteurin bei der Deutschen Welle.

Grußwort: Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren
Moderation: Michael Serrer

 

Robert Menasse - "Der Europäische Landbote" und "Ich kann jeder sagen"
Dienstag, 22. Oktober 2013, 19.00 Uhr, Staatskanzlei, Stadttor 1, Eintritt frei

Robert Menasse reist nach Brüssel und erlebt eine Überraschung nach der anderen: offene Türen und kompetente Informationen, eine schlanke Bürokratie, hochqualifizierte Beamte und funktionale Hierarchien. Kaum eines der verbreiteten Klischees vom verknöcherten Eurokraten trifft zu. Ganz im Gegenteil, es sind die nationalen Regierungen, die die Idee eines gemeinsamen Europa kurzsichtigen populistischen Winkelzügen unterordnen. Damit werden sie zu Auslösern schwerer politischer und wirtschaftlicher Krisen in der EU. Menasses furioser, dem Geist Georg Büchners verpflichteter Essay fordert nichts weniger als "die Erfindung einer neuen, einer nachnationalen Demokratie".

Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren, studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den "Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb". Menasse lehrte anschließend sechs Jahre - zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie - an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab, u.a. über: Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien.

Grußwort: Europa-Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren
Moderation: Michael Serrer

 

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