Das Literaturbüro NRW schaut auf ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2017 zurück. Rund 3.200 Gäste konnten wir bei den 100 Veranstaltungen und Kursen begrüßen. Auf die wichtigsten Projekte blicken wir hier zurück:

  1. I. Großveranstaltungen
  2. II. Literarische Reihen
  3. III. Literatur im öffentlichen Raum
  4. IV. Junges Literaturbüro NRW
  5. V. Einzelveranstaltungen
  6. VI. Weiterbildung
  7. VII. Publikationen
  8. VIII. Beratung und Vernetzung

I. GROßVERANSTALTUNGEN

1. Literarischer Salon NRW In jedem Frühjahr wird auf der Leipziger Buchmesse Literatur aus aller Welt vorgestellt – da dürfen die vielfältigen literarischen Institutionen und Aktivitäten des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes nicht fehlen! 2017 feierten wir ein kleines Jubiläum: Zum fünften Mal in Folge präsentierte der LiteraturRat NRW, Dachverband der literarischen Einrichtungen des Landes, gemeinsam mit dem Literaturbüro NRW den Literarischen Salon NRW.
In diesem Jahr freuten wir uns unter anderem Torben Kuhlmann (Kinderbuchpreisträger NRW 2016), die Präsentation der Hörspiel-Publikation „BILANZ“, die FörderpreisträgerInnen Sonja vom Brocke und Georg Leß, den Stipendiaten der Kunststiftung NRW, Joachim Geil, und die NRW-Festivals „hier“, „Literatürk“ und „Käpt‘n Book“. Sie und alle weiteren Autorinnen und Autoren ebenso wie die vielen Kolleginnen und Kollegen, die bei uns ihre Institute, Projekte, Festivals und Auszeichnungen vorstellten, ließen bei insgesamt 21 Terminen mit Interviews, Präsentationen und Lesungen die nordrhein-westfälische Literaturszene in Leipzig lebendig werden.

2. Düsseldorfer Literaturtage                                                                                                         
„Liberté!“ – das war das Motto der Düsseldorfer Literaturtage, die in diesem Jahr in die siebte Runde gingen. Die Literaturveranstalter stellten die Forderung nach Freiheit in den Mittelpunkt des diesjährigen Programms. Augenfällig wurde dies z.B. mit der Lesung von Georg Stefan Troller, der als Wiener Jude vor den Deutschen fliehen musste und als amerikanischer Soldat bei der Befreiung des Lagers Dachau mithalf. Seit rund 70 Jahren lebt er in Paris, wo auch ein anderer Emigrant, der Düsseldorfer Jude Heinrich Heine, einen großen Teil seines Lebens zubrachte. Bei Troller und bei den vielen anderen AutorInnen, die bei den Literaturtagen auftraten, stand die Freiheit im Mittelpunkt, je nach Blickwinkel auf jeweils sehr unterschiedliche Weise. Geladen waren unter anderem die Friedenspreisträgerin Carolin Emcke, Friedrich Ani, Wolf Biermann, Wiglaf Droste, Ryszard Krynicki, Oskar Negt, Hanns-Josef Ortheil, Marion Poschmann, Peter Stamm, Marlene Streeruwitz, um nur einige zu nennen. Bücher waren schon immer ein zentrales Medium der Forderung nach Freiheit. LeserInnen haben in offenen Gesellschaften die Möglichkeit, unendlich viele Leben und endlich viele Weltsichten kennenzulernen, indem sie Bücher lesen. Ein einzigartiges Angebot dazu stellte wieder der Bücherbummel auf der Kö dar, der in diesem Jahr bereits zum 31. Mal stattfand. Rund eine halbe Millionen Menschen haben sich auch 2017 an den längsten Tagen des Jahres auf die Kö versammelt, um zu blättern, zu lesen, zu kaufen. Deutschlands größte Buchhandlung unter freiem Himmel bot wieder ein vielseitiges Angebot. Rund hundert Stände von Buchhandlungen, Antiquariaten, Verlagen und kulturellen Einrichtungen, das Lese- und Kinderlesezelt sowie die Bühne zwischen Grün- und Bahnstraße boten für jeden etwas.

II. LITERARISCHE REIHEN

1. Lesen wie Gott in Frankreich                                                                                              
Frankreich war im Oktober Ehrengast der Frankfurter Buchmesse; wie in jedem Jahr organisierte das Literaturbüro gemeinsam mit anderen Veranstaltern Lesungen zu diesem Schwerpunkt. In Düsseldorf waren: Marie NDiaye, die ihren Roman Die Chefin im Heinrich-Heine-Institut vorstellte, Shumona Sinha, die aus Staatenlos las, Tristan Garcia mit seinem Generationenportrait Faber, der Zerstörer; den Abschluss bildeten der Poetry Slam Poésie, bei dem Autoren aus Frankreich, Ghana und Deutschland gemeinsam antraten und die Veranstaltung Il n’y a pas que Astérix et les mangas... Begegnung mit Marc-Antoine Mathieu.

2. Europa erlesen                                                                                                                              
Im März drehte sich in unserer Reihe „Europa erlesen“ alles um unser Nachbarland Polen und wir freuten uns, einen idealen Gesprächspartner als Gast präsentieren zu können: Steffen Möller, Experte für die deutsch-polnische Verständigung. In Lesung und Gespräch schilderte er die Gepflogenheiten beider Völker – und öffnete so den Blick für die vielen Besonderheiten zweier eng verwobener Kulturen. Weiter ging es mit der in Duisburg aufgewachsenen Deutsch-Türkin Hatice Akyün. Bekannt ist die Autorin für ihre im ‚Berliner Tagesspiegel‘ erscheinende Kult-Kolumne »Meine Heimat«, worin sie die alltäglichen Hürden deutsch-türkischer Identität beschreibt. Bei „Europa erlesen“ gewährte sie Einblicke in ihre Erlebnisse, gleichzeitig erzählte sie von einem besonderen Projekt ihrer Heimatstadt: von dem „Bus, mit dem ich die Welt entdeckte“. Die Einleitung in den Monat April übernahm die Autorin Dagny Gioulami, die aus ihrem Romandebüt Alle Geschichten, die ich kenne las. Der Text eine Familiengeschichte, die schrulliger nicht sein könnte und wie so häufig versteckt sich hinter aller Komik die Schwere des Ernstes: So bot der Roman Anlass für eine Debatte über Fragen der aktuellen Europapolitik. Nach der Sommerpause meldete sich „Europa erlesen“ im September mit dem estnischen Autor Peeter Helme zurück. Helme führte in kurzen Abschnitten in die Welt seines neuen Romans Am Ende der gestohlenen Zeit. Neben der Zeitlosigkeit der Liebe stand auch die Zeitlichkeit des aktuellen Geschehens in Europa im Fokus der Veranstaltung. Ein Highlight des Jahres 2017 war der Auftritt des Regisseurs und Literaten Claude Lanzmann in der Landesvertretung in Berlin. Der Franzose, der 1925 in Paris geboren wurde, blickte in seiner Autobiographie Der patagonische Hase auf sein bewegtes und oftmals krisengeschütteltes Leben zurück, das sich wie die Chronik des 20. Jahrhunderts liest. Die Reihe wird vom Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien gemeinsam mit dem Literaturbüro NRW veranstaltet und findet seit 2015 zusätzlich zu den Terminen in der Staatskanzlei in Düsseldorf in der NRW- Landesvertretung in Berlin statt.

3. Literarischer Sommer                                                                                                                  
Auch in 2017 war Düsseldorf Schauplatz des deutsch-niederländischen Literaturfestivals "Literarischer Sommer", das von Juli bis September in deutschen und niederländischen Städten an Rhein und Maas stattfand.
Eva Menasse las aus ihrem Erzählband Tiere für Fortgeschrittene; Alissa Walser stellte ihren Prosaband Eindeutiger Versuch einer Verführung vor, Feridun Zaimoglu präsentierte seinen Luther-Roman Evangelio und der Niederländer Ilja Leonard Pfeijffer las aus seinem Roman Das schönste Mädchen von Genau.

4. Frisch gepresst                                                                                                                      
Auch in 2017 stellten insgesamt zwölf AutorInnen aus NRW ihre aktuellen Titel in der Düsseldorfer Zentralbibliothek vor. Es waren so unterschiedliche Autoren zu Gast wie: Brigitte Glaser mit ihrem Buch Bühlerhöhe, Joachim Geil mit Ruhe auf der Flucht, Bille Haag mit Königen der Nacht sowie Karl-Heinz Keldung mit Große Strafprozesse vor Düsseldorfer Gerichten. Aus seinem Werk Spätkirmes las Enno Stahl, Hannah Dübgen stellte Über Land vor. Geladen war außerdem der Düsseldorfer Autor Stefan Keller mit seinem Kriminalroman Das Ende aller Geheimnisse, Husch Josten mit Hier sind Drachen und Sabine Bode, die aus Das Mädchen im Strom las. Weitere Gästen bei Frisch gepresst waren Vera Forester mit Im Jahr der Brandzeichen und Jochen Schimmang mit Altes Zollhaus, Staatsgrenze West. Damit die Poesie nicht zu kurz komme, wurde ein Abend unter dem Motto Mein durstiges Wort gegen die flüchtige Liebe abgehalten. Die gleichnamige Lyrik-Anthologie, die u.a. Gedichte von Willi Achten, Safiye Can und Gerrit Wustmann versammelt, stellten postpoetry-Preisträger Christoph Danne und Anke Glasmacher vor.

5. DüsselTrio                                                                                                                                
Die Lesereihe DüsselTrio widmete sich in drei Veranstaltungen der vielfältigen lokalen Szene. Den Auftakt machten die Literaturvermittlerin, Moderatorin und Autorin Pamela Granderath, der Oberbilker Jan Michaelis und der Düsseldorf-Experte Michael Wenzel. Gelesen wurde aus unterschiedlichen Texten im Rahmen des übergreifenden Themas Düsseldorf (be)schreiben in der Stadtteilbücherei Eller. Im Sommer übernahmen Jo Strammer, der aus seinem Roman Die Allesfresserin las, Reinhard Strüven, der den Leser in Haus der Kunst auf die Insel Norderney mitnahm und Regina Ray, deren Roman Das Mottenprinzip in Indien spielt. Zum Abschluss lasen unter dem Motto „Kunsthafen Düsseldorf“ die Schauspielerin und Autorin Mareile Blendl, der Schriftsteller und Maler Peter K. Kirchhof sowie Joachim Stallecker mit seinem Roman Sackgasse der Moderne.

6. Eine Stunde mit...                                                                                                                         
In der Veranstaltungsreihe Eine Stunde mit..., in der sich prominente Repräsentanten des Düsseldorfer Kulturlebens vorstellen, berichtete im Jahr 2017 von seinem Institut und seinen umfassenden Tätigkeiten: Dr. Bastian Fleermann, Historiker und Volkskundler sowie Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft.

7. Wortwelt                                                                                             
Die Reihe Wortwelt möchte literarisch einen Einblick in Länder eröffnen, aus denen oft wenig berichtet wird. Im Fokus steht das moderierte Gespräch zwischen den Autoren, einem sehr guten Kenner des Landes und dem Publikum. Am 25. Januar hieß das Thema des Abends Israel. Mit Dmitrij Kapitelman und seinem Buch Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters. Anschließend kam es zu interessanten Gesprächen zwischen Publikum, Autor und dem Geschäftsführer des Landesverbands der jüdischen Gemeinden Nordrhein, Michael Rubinstein. Am 24. Oktober stand Korea im Fokus der Reihe. Zu Gast war die in Südkorea geborene Anna Kim, deren Roman Die große Heimkehr auf die Mechanismen von Angst, Willkür und Desillusionierung eingeht. Moderiert wurde der Abend von dem Korea-Experten der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Marion Eggert und Dr. Dennis Wörthner.

8. Reisebilder Auch in 2017 fand die Reihe Reisebilder-Literatur im Hofgarten statt, die das Literaturbüro in Kooperation mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Theatermuseum und dem zakk gemeinsam organisiert. Am 11. Juni nahm der Kölner Autor Christoph Schulte-Richtering (32 Tage Juli) das Publikum mit ins Portugal der achtziger Jahre. Am 18. Juni erzählte Dagmar Leupold (Die Witwen) die Geschichte von vier Freundinnen, deren Reise nicht nur durch die Vogesen führt, sondern auch quer durch die eigene Lebensgeschichte. Ihren Abschluss fand die Reihe am 25. Juni: Martin Roos (Jan Willem im Salon) tauchte in die Welt der Düsseldorfer-Schickeria ein und nahm das Publikum gleich mit. Die einführenden Texte von Heinrich Heine las in diesem Jahr der Schauspieler Philipp Heitmann.

9. Romantik & Revolution                                                                                                         
In dieser Reihe fragten wir mit Blick auf Heine, was Romantik und Revolution in der heutigen Literatur Deutschlands, Frankreichs und Polens bedeutet. Das Literaturbüro war mit dem Berliner Schriftsteller Stefan Etgeton zu Gast in einer studentischen WG, wo Etgeton aus seinem Roman Rucksackkometen, eine Geschichte zweier moderner Taugenichtse auf ihrem Weg quer durch Europa, las. Die Reihe Romantik und Revolution organisiert das Literaturbüro gemeinsam mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Institut français und dem Polnischen Institut.

10. Die Welt ist nebenan

Mit seinem Sitz an der Bismarckstraße 90 im Gerhart-Hauptmann-Haus liegt das Literaturbüro im Herzen eines multikulturellen Viertels. Da lag es nahe, die hiesige Multiethnizität einmal literarisch auszuloten: Pamela Granderath, Horst Eckert, Mithu Sanyal und Frank Schablewski schrieben Geschichten über die einzelnen Viertel und stellten sie im Rahmen einer Literarischen Nachtwanderung am 4. August an entsprechenden Orten im Viertel vor. Die geschriebenen Texte erschienen Ende des Jahres in Buchform und wurden am 7. Dezember im Literaturbüro vorgestellt.

 

11. „Ehrenwort“

Für Lutz Werner zum 70. Geburtstag: „Ehrenwort“ und ein Festabend im Literaturbüro

Seit über 40 Jahren ist Lutz Werner ein fester Bestandteil der Düsseldorfer Literaturlandschaft. Er und sein schwarzes Notizbuch, dessen Inhalt wohl für immer geheim bleiben wird, sind zum Merkmal für lohnende Veranstaltungen geworden. Anlässlich seines 70. Geburtstages widmete das Literaturbüro ihm einen eigenen Band im Rahmen der Reihe Ehrenwort, den lokale Autoren aus Düsseldorf im Gerhart-Hauptmann-Haus vorstellten.

Wortfalle – "Ehrenwort" von und für Horst Landau

Ein weiteres Jubiläum stand im Monat Dezember an: Im Rahmen der Buchreihe Ehrenwort (Edition Virgines) ehrte das Literaturbüro das Werk von Horst Landau. Neben seiner medizinischen Tätigkeit, die er bis ins Jahr 2001 ausübte, schrieb Landau zahlreiche Prosastücke und Gedichte für die Reihe Lyrik heute; zudem verfasste er Hörspiele für den Saarländischen Rundfunk. Die Veranstaltung fand im Gerhart-Hauptmann-Haus statt.

III. LITERATUR IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Offene Bücherschränke                                                                                                             
Seit Juni 2011 wurden inzwischen sieben offene Bücherschränke in Düsseldorf aufgestellt und betreut. Die Schränke, die sich zum Anziehungspunkt für viele BuchliebhaberInnen entwickelt haben, stehen in der Innenstadt am Mannesmannufer, in Bilk und Derendorf; zwei findet man in Gerresheim am Gerricusplatz und am Roten Platz sowie im Zooviertel.

IV. JUNGES LITERATURBÜRO NRW

1 .Klasse(n)buch                                                                                                                        
Zum neunten Mal bot das Literaturbüro Düsseldorfer Schulklassen die Teilnahme an Literaturprojekten an, um bei SchülerInnen der Stufen 2-13 durch Lesung, Gespräch, Schreibaufträge und Überarbeitung der eigenen Texte Interesse an Literatur zu wecken. Im Jahr 2017 waren unter anderem diese Workshopthemen im Angebot: „Kreative Entdeckungstour“, „Verfilzt-verflixtes ABC“, „Per Anhalter durch die Literaturgeschichte“, „Heimat – Herkunft – Heute“. Die insgesamt acht Projekte, geleitet von AutorInnen und finanziert mit Mitteln der Stadt, fanden in vier Grundschulen und vier weiterführenden Schulen statt, darunter zwei Gesamtschulen, eine Real- sowie eine Förderschule.

2. kopfweide. junge literaturtage
Im Jahr 2017 trafen sich zum zwölften Mal junge Schreibtalente zur kopfweide. Veranstaltungsort war erneut das Schloss Benrath mit seinen besonderen Innenräumen und Gärten, diesmal das „alte Schloss“, die heutige Orangerie. Eingeladen waren Luna Al-Mousli und Finn-Ole Heinrich. Die Workshops für die 8-17 jährigen leiteten die AutorInnen Aygen-Sibel Çelik, der Comiczeichner Ulf Keyenburg, Gudrun Linde, Sascha Pranschke und Dorian Steinhoff. Die jungen SchreiberInnen konnten ihre eigenen Figuren, Geschichten und Gedichte entwickeln und wurden dabei unterstützt. Es entstanden u.a. Gespenstergeschichten, Comics, Kurzkrimis, Erinnerungs- und Slam-Texte, die in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt wurden.

3. Schreibland NRW                                                                                                                                    
Das Literaturbüro NRW und der Verband der Bibliotheken in NRW (vbnw) riefen das Projekt 2014 mit Unterstützung des Kulturministeriums NRW ins Leben. Um eine Struktur für junges kreatives Schreiben in Nordrhein-Westfalen zu entwickeln, werden einerseits vorhandene Workshopangebote auf der Plattform www.schreibland-nrw.de gesammelt und gezielt neue Schreibwerkstätten gefördert: Hierbei sollen ExpertInnen, also AutorInnen, mit schreibwilligem Nachwuchs zusammengebracht werden – in öffentlichen Bibliotheken! Finanziert wird das Projekt vom Ministerium Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und vom vbnw.
Seit im Herbst 2014 die ersten geförderten Schreibwerkstätten an den Start gingen, ist das Interesse seitens der Bibliotheken kontinuierlich gestiegen. Im zweiten Jahr nach Projektgründung wurden bereits in 17 Städten SchreibLand NRW-Werkstätten realisiert, für 2017 konnten Förderungen für 24 Bibliotheken ermöglicht werden und es gibt bereits eine Warteliste mit weiteren Interessenten.

4. SCHREIB-BAR. Kreativwerkstatt für Seiteneinsteiger in die deutsche Sprache

Von Februar bis Juni fanden sich rund 20 Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Iran, Venezuela, Kroatien und Mazedonien einmal pro Woche im Literaturbüro NRW im ein. Unter der Anleitung von Heike Funcke und Ursula Nowak schrieben alle TeilnehmerInnen eine eigene Geschichte und banden sie zu einem Buch. Bei einer Lesung lernten sie die Jugendbuchautorin Julya Rabinowich und ihr Buch Dazwischen ich kennen und befragten sie zu ihrer Arbeit. Eine Büchereiführung durch die Zentralbibliothek, gehörte ebenso zum Programm wie eine Führung durch die Buchbinderei Mergemeier. Am 27. Juli fand eine Abschlusspräsentation des ersten Halbjahres statt: Die Jungen und Mädchen lasen vor Eltern, Freunden, LehrerInnen und UnterstützerInnen. Im zweiten Halbjahr wurde die SCHREIB-BAR mit vier Einzelterminen fortgeführt. Themenstellung in diesmal war „Freiheit“; zudem fand ein Museumsbesuch statt.

Die SCHREIB-BAR ist eine Kooperation des Literaturbüros NRW mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und den Stadtbüchereien Düsseldorf; unterstützt wird sie von der Bürger-Stiftung Düsseldorf und der Kinder-Stiftung „Lesen bildet“.

 

V. EINZELVERANSTALTUNGEN

Neben den bewährten Reihen bot das Literaturbüro auch 2017 verschiedene Einzelveranstaltungen, zum Teil im Rahmen von Kooperationen, an:

1. Unterwegs auf vielen Straßen. Lesung mit Georg Stefan Troller                                       
Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, an diesem Tag wurden 1945 die Vernichtungslager in Auschwitz befreit. Georg Stefan Troller kann als einer der letzten Zeitzeugen auf diesem Tag zurückblicken, auf die Zeit des Krieges ebenso wie auf die Jahrzehnte, die seither vergangen sind. In seinem autobiografischen Text „Unterwegs auf vielen Straßen. Erlebtes und Erinnertes“ gewährt der 95-jährige Einblick in seine Erlebnissen. In der Landesvertretung Berlin erzählte er vom Krieg, Trampfahrten, seiner Liebe zur französischen Hauptstadt und von seinen Erfahrungen als Reporter und Regisseur.

2. BILANZ – Hörspielkunst aus den Studios des WDRs

Als zweitgrößte Rundfunkanstalt Europas blickt der Westdeutsche Rundfunk auf eine üppige Programmgeschichte zurück. Dazu gehört auch das Format Hörspiel, das bereits im Jahr 1946 an den Start ging. Um diese Erfolgsgeschichte entsprechend zu würdigen, erschien im Jubiläumsjahr 2016 die Kompilation BILANZ. BILANZ spiegelt auf insgesamt 10 CDs diese Vielfalt wider und vereint 13 NRW-Hörspiele aus den letzten 70 Jahren zu einem Gesamtkunstwerk. Die Herausgeber – der Autor und ehemalige WDR-Hörspielredakteur Wolfgang Schiffer und der Leiter des Literaturbüros NRW, Michael Serrer – stellten das Projekt im Literaturhaus Köln vor.

3. Und die Sehnsucht singt mich zur Ruh’. Lesung mit Gedichten von Selma Meerbaum-Eisinger
Als Selma Meerbaum-Eisinger 1942 mit nur 18 Jahren im Zwangsarbeiterlager Michailowka starb, hinterließ sie 58 Gedichte. Diese Gedichte machten die Dichterin weltweit bekannt und unvergesslich. Die Autorin und Literaturvermittlerin Pamela Granderath und der Düsseldorfer Lyriker Frank Schablewski lasen im Gerhart-Hauptmann-Haus aus ihrem Werk.

4. Tod im Land der Zukunft. Zum 75. Todestag von Stefan Zweig

Am 23. Februar 1942 nahmen sich Stefan Zweig und seine zweite Ehefrau Lotte Altmann-Zweig das Leben. Zweig, der gebürtige Wiener jüdischer Herkunft, war im Exil. Aber im Unterschied zu vielen anderen befand er sich in relativer Sicherheit: Umso rätselhafter scheint sein Suizid im Jahr 1942. Dass vieles auf den Verlust seiner Welt von Gestern hindeutet, zeigten die beiden Zweig-Kenner Dr. Katja Schlenker und Prof. Dr. Winfrid Halder, die aus Zweigs Briefverkehr und anderen Texten des Romanciers im Gerhart-Hauptmann-Haus lasen.

5. Zum 100. Geburtstag von Johannes Bobrowski: Dichter der sarmatischen Landschaft, Vortrag von Dr. Jörg B. Bilke

Am 9. April wäre der große Dichter Johannes Bobrowski 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums erinnerte der Journalist und Publizist Dr. Jörg B. Bilke, an den viel zu früh verstorbenen Autor. Veranstaltungsort war das Gerhart-Hauptmann-Haus.

6. Ein lyrischer Abend mit Martina Lisa und Daniela Pusch

Am Abend des 21. Januars begaben sich Martina Lisa und Daniela Pusch, die beiden Übersetzerinnen des Netzwerkes »TransStar Europa« und Herausgeberinnen der zweisprachigen Lyrikanthologie "Summus – Summen", auf die Suche nach dem Klang der tschechischen Poesie im Deutschen. Grundlage waren die Texte der tschechischen AutorInnen Alzbeta Stancáková, Olga Pek & Lena Dorn, Ondrej Buddeus, Jan Tesnohlídek, David Brabec und Jirí Danícek.

7. SAID, auf der suche nach dem licht

Am 13. September las der gebürtig aus Teheran stammende Lyriker SAID in der Zentralbibliothek aus seiner neuesten Anthologie auf der suche nach dem licht sowie aus seinem vielfach prämierten Gesamtwerk. Sein Schreiben umfasst zahlreiche Anspielungen auf den kulturellen Hintergrund seiner Heimat, allerdings sieht sich SAID keiner Konvention verpflichtet, sondern erfindet das Gewohnte neu.

8. Sabine Bode liest Das Mädchen im Strom

Bekanntheit gewann Sabine Bode mit zahlreichen Büchern über die seelischen Folgen von Krieg, Gewalt und Verfolgung. Mit Das Mädchen im Strom widmet sie sich dem Thema nun auch auf dem Boden der Fiktion. Ihr Roman behandelt das krisengeschüttelte Schicksal von Gudrun Samuel, einer Jüdin während der Zeit des Hitler-Regimes. Wohin sie ihre Flucht führte, verriet Bode am 24. Oktober in der Buchhandlung v. Mackensen in Wuppertal.

VI. WEITERBILDUNG

Im Rahmen des diesjährigen Weiterbildungsprogramms für AutorInnen, das von den vier nordrhein-westfälischen Literaturbüros gemeinsam organisiert wird, hat das Literaturbüro NRW zwei Seminare realisiert: Was eine gute Geschichte im Kern ausmacht, verriet Edgar Rai in Catching the big fish – von der ersten Idee bis zur fertigen Story. Das Seminar fand am 1. und 2. April in den Räumen des Literaturbüros statt. Am 28. und 29. Oktober behandelte Ulla Lenze im Seminar Gezielte Zerstreuung, entspannte Steuerung. Die richtige Haltung zum Schreiben finden die vielfältigen Einstiegsmöglichkeiten ins literarische Schreiben. Eine weiteres Thema: die geheimen Kniffe, um im Literaturbetrieb Fuß fassen zu können.

VII. PUBLIKATIONEN

1. Lyrik-Edition Rheinland                                                                                                       
Man hat sie mit guten Gründen die Königsklasse der Literatur genannt: die Lyrik. Deutlich wird das im Westen des deutschen Sprachraums, am Rhein. Hier leben und schreiben zahlreiche interessante Lyrikerinnen und Lyriker. Eine Auswahl von ihnen möchte die neue Lyrik-Edition Rheinland präsentieren. Ab 2016 werden zweimal im Jahr zeitgenössische rheinische DichterInnen mit eigenen Bänden publiziert. Herausgegeben werden sie vom Literaturbüro NRW und der Nylandstiftung. 2017 wurde MINI WELT vom Kölner Autor Stan Lafleur veröffentlicht. Er publiziert Lyrik- und Prosabände, Hörspiele und zahlreiche Beiträge in deutschen und internationalen Zeitschriften, in Zeitungen, in TV, Radio und Internet, aktuell erweitert er sein Hybridprojekt rheinsein im Internet. Nach seinem Band Rhein-Meditation, mit dem er ebenfalls bei uns zu Gast war, präsentiert MINI WELT eine weitere Auswahl an Gedichten in deren Fülle an rhythmisch komponierten Bildern nicht nur Möwen zum Leben erweckt werden.

2. Ehrenwort
„Ehrenwort" ist eine Buchreihe im Verlag Edition Virgines. Zu „Ehren eines Düsseldorfer Phänomens“ erschien der zwölfte Band der Reihe. Die Rede ist von Lutz Werner, der seit rund fünfzig Jahren das Düsseldorfer-Kulturleben beobachtet. Der Band Herr Werner ist immer dabei versammelt Beiträge lokaler AutorInnen, die anlässlich seines 70. Geburtstages geschrieben wurde. Er wurde im Februar im Gerhart-Hauptmann-Haus vorgestellt. Zum 80. Geburtstag von Horst Landau, der mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit bereits 1969 begann, erschien in 2017 der 13. Band der Reihe. Dieser „Ehrenwort“-Band wurde am 11. Dezember im Gerhart-Hauptmann-Haus vorgestellt.

VIII. Beratung und Vernetzung

Seit 2016 bietet das Literaturbüro NRW den Writers‘ Room an: Der interkulturelle AutorInnentreff schafft ein Forum für Begegnungen und Gespräche über Literatur, über das Schreiben und Übersetzen.

Darüber hinaus war das Literaturbüro NRW auch weiterhin intensiv in der BERATUNG und VERNETZUNG von AutorInnen, LehrerInnen und VeranstalterInnen tätig.

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