Das Literaturbüro NRW schaut auf ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Rund 5.700 Gäste konnten wir bei den 121 Veranstaltungen und Kursen begrüßen. Auf die wichtigsten Projekte blicken wir hier zurück:

  1. I. Großveranstaltungen
  2. II. Literarische Reihen
  3. III. Literatur im öffentlichen Raum
  4. IV. Junges Literaturbüro NRW
  5. V. Einzelveranstaltungen
  6. VI. Weiterbildung
  7. VII. Publikationen
  8. VIII. Beratung und Vernetzung

I.  GROßVERANSTALTUNGEN

1. Literarischer Salon NRW
2016 präsentierte der LiteraturRat NRW, Dachverband der literarischen Institutionen des Landes, gemeinsam mit dem Literaturbüro NRW bereits zum vierten Mal in Folge den „Literarischen Salon NRW" auf der Leipziger Buchmesse. Die Messe stellt Literatur aus aller Welt vor – da dürfen die vielfältigen literarischen Aktivitäten des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes nicht fehlen! Zahlreiche literarische Einrichtungen, Autor_Innen, Zeitschriften, Festivals und Projekte stellten sich an allen vier Messetagen im Salon vor und vermittelten im Rahmen moderierter Gespräche, Präsentationen und Lesungen einen Eindruck von der reichen literarischen Landschaft  Nordrhein-Westfalens.

Die NRW-Förderpreisträger, Sina Klein (2015) und Thomas Pletzinger (2010), lasen im Literarischen Salon aus ihrem Werk. Das Internationale Erzählfestival „Zwischen-Zeiten“ und die Literaturshow „Import/Export“ stellten sich vor und neben Book-Dating und Poetry-Slam wurde ebenfalls das Projekt „SchriftStellen“ präsentiert,  eine literarische Stadterkundung mit dem Smartphone.

Zu Gast im Salon waren auch zahlreiche Autoren_Innen wie Ramy Al-Asheq, Alida Bremer, Özlem Özgül Dündar, Frank Goosen, Jürgen Kehrer, Judith Kuckart, Angela Steidele, Dorian Steinhoff und Tilman Strasser. Die „Lyrik-Edition Rheinland“ bot eine neue Zusammenstellung von Gedichten Peggy Neidels unter dem Titel laub und wirklich dar und weitere Publikationen wie postpoetry.NRW – Poesiebotschaften aus fünf Wettbewerbsjahren und Die gebrannte Performance, ein mehrfach ausgezeichnetes Hörbuch, wurden  vorgestellt.


2. Düsseldorfer Literaturtage

Den Auftakt der Düsseldorfer Literaturtage bildete auch 2016 die Verleihung des Düsseldorfer Literaturpreises. Dieser ging an Marcel Beyer, der sich mit der Wirkung moderner Medien auf das literarische Schreiben auseinandersetzt. Bis zum 19. Juni bespielten die Organisatoren – das Heinrich-Heine-Institut, das Literaturbüro NRW und das zakk – dann mit rund 30 Lesungen und Literaturveranstaltungen (zusätzlich zu den weiter unten aufgeführten Veranstaltungen im Rahmen des Bücherbummels) die Stadt. Dabei wurden zahlreiche weitere Partner eingebunden, es wurden beispielsweise Kooperationen mit den Stadtbüchereien Düsseldorf, der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, dem Theatermuseum, dem Institut Français oder auch der Orangerie Benrath und der Rheinbahn („Krimibahn“) realisiert.

Das Literaturfestival war erneut mit einem Heine-Zitat überschrieben, das einmal mehr die Aktualität des großen Schriftstellers zeigt: Mit dem Begriff „Weltenkuddelmuddel“ lassen sich auch aktuelle weltpolitische Situationen treffend beschreiben und die Reaktionen der Literatur darauf spiegelten sich dementsprechend in den Veranstaltungen der Literaturtage wider. Dabei ging es nicht nur um derzeitige Wanderungsbewegungen und Flucht, sondern auch um die Umwälzungen, die Gorbatschow mit seiner Politik des „Glasnost“ angestoßen hat, um Schicksale während des Holocausts oder um Fragen von Macht und Widerstand im Kommunismus. Autorinnen und Autoren wie György Dalos, Navid Kermani, Abbas Khider, Noémi Kiss, Steffen Kopetzky, Gila Lustiger, Katja Petrovskaja, Hans-Ulrich Treichel oder Ilija Trojanow gaben vielfältige Einblicke in diese Themen. Darüber hinaus fand im Rathaus ein Polit-Slam statt und im Palais Wittgenstein ermöglichte eine Lesung aus Astrid Lindgrens Tagebüchern einen besonderen Blick auf den 2. Weltkrieg. Im zakk wurden unter anderem eine Literaturshow und eine Matinee zu Alfred Hitchcock geboten und die Experimentale im Heinrich-Heine-Institut stand erneut ganz im Zeichen des Dialoges zwischen den Künsten.

Bereits zum 30. Mal fand in diesem Jahr vom 9. bis 12. Juni der „Bücherbummel auf der Kö“ statt. Entlang der Königsallee präsentierten sich dabei zahlreiche Buchhandlungen, Verlage und Kulturinstitute mit Ständen und Aktionen. Das Programm des Lesezeltes wurde in diesem Jahr neu ausgerichtet und unter dem Motto words & music offener, zugänglicher und abwechslungsreicher gestaltet. Mit weniger und dafür hochwertigeren und „jüngeren“ Veranstaltungen entwickelte sich das Lesezelt nicht nur während der 15 Programmpunkte zu einem gefragten Treffpunkt und Aufenthaltsort während des Bücherbummels. Auch im Kinderlesezelt gab es wieder ein abwechslungsreiches Programm mit insgesamt 26 Veranstaltungen, die von den ganz jungen Besuchern sehr positiv angenommen wurden.

3. text & talk
Am Samstag, 17. September öffnete die text & talkdie Messe der unabhängigen Verlage in NRW – zum 4. Mal ihre Pforten: Im Düsseldorfer NRW-Forum am Ehrenhof präsentierte sich erneut eine bunte und vielfältige Verlagslandschaft, diesmal mit einem leicht veränderten Konzept: Der Schwerpunkt lag noch immer auf der Präsentation von unabhängigen Verlagen aus NRW;  zusätzlich waren Verlage aus anderen Bundesländern und Literaturzeitschriften eingeladen. Begleitend gab es an beiden Tagen Lesungen, Autorengespräche und Diskussionsrunden.

II. LITERARISCHE REIHEN

1.
Europa erlesen
In der beliebten Reihe Europa erlesen war im März der niederländische Schriftsteller Alfred van Cleef zu Gast. Er stellte Passagen aus seinem selbstironischen Reisetagebuch Die verborgene Ordnung vor, in dem er von seiner Reise entlang des Nullmeridians berichtet. Im Mai las die in Kiew geborene Katja Petrowskaja kurze Episoden aus Vielleicht Esther, in denen sie ihren im 2. Weltkrieg verschollenen Familienangehörigen nachspürt. Erschütterung. Über den Terror heißt das Werk Gila Lustigers, das sie im Juni bei Europa erlesen präsentierte. Der Essay spiegelt ihre Erschütterung wider, aber auch den Versuch, Terror mit Vernunft zu begegnen. Im September nahm Michal Hvorecký uns mit auf eine Reise über die Donau, von Regensburg bis ans Schwarze Meer. Das Buch des derzeit populärsten slowakischen Autors in Deutschland heißt Tod auf der Donau. Zu Gast in Berlin und Düsseldorf war der portugiesische Schriftsteller Miguel Szymanski im November. Ende der Fiesta – Südeuropas verlorene Jugend zeigt die fatale Realität Portugals, das in Deutschland vor allem für seine reizvollen Urlaubsziele bekannt zu sein scheint. Ebenfalls in Berlin vorgestellt wurde die „Türkische Buchmesse Ruhr“ mit ihrem Organisator Fikret Günes.

Die Reihe wird vom Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien gemeinsam mit dem Literaturbüro NRW veranstaltet und findet seit 2015 zusätzlich zu den Veranstaltungen in der Staatskanzlei in Düsseldorf auch in der NRW- Landesvertretung in Berlin statt.

2. Literarischer Sommer
Das deutsch-niederländische Literaturfestival  Literarischer Sommer/Literaire Zomer fand vom 5. Juli bis zum 7. September statt.  An Maas und Rhein konnten die Zuschauer zahlreiche Lesungen deutscher und niederländischer Autor_Innen erleben. In Düsseldorf stellte Michael Kumpfmüller sein Buch Erziehung des Mannes im Literaturbüro NRW vor. Zu Gast in der Zentralbibliothek waren Inge Kutter mit Hippiesommer sowie Edgar Rai mit Etwas bleibt immer. Aus Ein Brautkleid aus Warschau las Lot Vekemans im Polnischen Institut und im Heine Haus veranstaltete WDR5 eine Sondersendung „Bücher“ mit Diane Broekhoven & Tommy Wieringa. Das Literaturbüro organisierte außerdem einen Literarischen Spaziergang durch Amsterdam.

3. Frisch gepresst
Auch in diesem Jahr stellen an jedem dritten Dienstag des Monats insgesamt zehn Autor_Innen aus NRW ihre aktuellen Titel in der Zentralbibliothek vor. 2016 waren u.a. zu Gast: Jan Himmelfarb mit seinem Buch Sterndeutung, Bernd Desinger mit ZZZ – Zeltstadt Zeche Zollverein sowie Wolfgang Schiffer mit Am Meer anderswo. Aus ihrem Werk Das Spiel der Täuschung las Christa Holtei, die in Saudi-Arabien aufgewachsene Rasha Khayat stellte Weil wir längst woanders sind vor. Der Kölner Stan Lafleur las Gedichte aus seiner Rhein-Meditation.

4. DüsselTrio
Die Lesereihe DüsselTrio widmet sich ganz der vielfältigen lokalen Szene. Im März 2016 begann die Reihe mit einer Zusammenstellung von Lyrik und Prosa in Wersten. Thomas Christen stellte seinen Roman Die Abendgesellschafft der Quartiersleute vor, Horst Ewert las aus seinem Roman Ostrin sowie Gedichte aus Entlang der Ufer. Der Lyriker Wolfgang Richter trug Ausschnitte aus Steinaphrodite im Garten vor. Kunst3 war das Motto im September: Singer-Songwriterin Nadine Beneke war zu Gast sowie der Schauspieler Samir Kandil mit einem Solostück zu Shakespeare. Michalis Patentalis führte die Zuschauer in irrationale Traumwelten. Spannend war es im November mit drei Krimiautor_Innen. Rainer Kurlemann las aus seinem Debüt Der Geranienmann, Sabine Klewe stellte Wer nicht das Dunkel kennt vor und Annegret Koerdt war zu Gast mit ihrem dritten Düsseldorf-Krimi Pechschwarz.

5. Eine Stunde mit...
In der Veranstaltungsreihe Eine Stunde mit..., in der sich prominente Repräsentanten des Düsseldorfer Kulturlebens vorstellen, berichteten im Jahr 2016 von ihren Instituten und Tätigkeiten: Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein und der deutsch-französische Journalist Alain Bieber, der seit 2004 in ganz Europa Ausstellungen kuratiert und das NRW-Forum leitet.

6. Wortwelt
Die Reihe Wortwelt möchte literarisch einen Einblick in Länder eröffnen, aus denen oft  wenig berichtet wird. Im Fokus steht das moderierte Gespräch zwischen den Autoren, einem sehr guten Kenner des Landes und dem Publikum. Am 17. September stand Afrika im Fokus der Reihe. Zu Gast war der im Kongo geborene Hermann Schulz im Gespräch mit Fiston Mwanza Mujila, der den Roman Tram 83 schrieb. Er erzählt von einem Nachtclub in der afrikanischen Großstadt, in dem sich Verlierer und Gewinner, Profiteure und Prostituierte, Ex-Kindersoldaten und Studenten treffen. Am 3. Mai richtete sich der Blick von „Wortwelt“ auf den Libanon. Pierre Jarawan stellte seinen Roman Am Ende bleiben die Zedern vor, in dem er spannend, melancholisch und urkomisch von einer Suche nach den eigenen Wurzeln erzählt, verwoben mit der wechselvollen Geschichte des Nahen Ostens. Die Moderation übernahm in der Zentralbibliothek die Journalistin Diana Hodali.

7. POLDERPOST – Literatur aus Flandern und den Niederlanden
Schon viele Autor_Innen aus Flandern und den Niederlanden haben sich in Deutschland eine riesige Fangemeinde erschrieben. Das thematische Spektrum reicht von der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bis zu den aktuellen Themen, die die Gesellschaft prägen und umtreiben. 2016 waren Flandern und die Niederlande Ehrengäste der Frankfurter Buchmesse, und neben den etablierten und geschätzten Autor_Innen gab es viele neue Namen zu entdecken.
Bei uns war Bergje Hofstede, die schon mehrfach für ihre Essays und Kurzerzählungen ausgezeichnet wurde, zu Gast. Sie las aus ihrem Roman Der Himmel über Paris. In der gemeinsamen Reihe des Literaturbüros NRW, der Buchhandlung BiBaBuZe, der Zentralbibliothek und des Heinrich Heine Instituts machten außerdem Frank Westermann, Thomas Heerma van Voss, Wytske Versteeg, Jan Brokken und Stefan Hertmans einen Zwischenstopp.

8. Reisebilder
Auch in diesem Sommer unternahmen wir literarische Ausflüge in die weite Welt! Mit Poetry-Slammer Alex Burkhardt und Die Zeit kriegen wir schon Rom ging es nach Italien, Steffen Kopetzky nahm uns mit auf eine Expedition durch Syrien, Bagdad, Teheran, Isfahan und die persische Wüste. Risiko heißt seine (Zeit)reise zu Pferd und Kamel durch Wüsten und Gebirge und an den Beginn des 20. Jahrhunderts. Verena Luekens Roman Alles zählt spielt in New York, Frankfurt und Burma.Wie in jedem Jahr lasen Mitglieder des Düsseldorfer Schauspielhauses zu Beginn jeweils einen einleitenden Text Heinrich Heines, der mit seinen Reisebildern Namensgeber der Reihe ist. Die beliebte Reihe Reisebilder - Literatur im Hofgarten wird in Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Düsseldorfer Schasupielhaus, dem Theatermuseum und dem zakk realisiert.

9. Romantik & Revolution
Romantik und Revolution sind zwei Pole des Werkes von Heinrich Heine. In der gleichnamigen Lesereihe fragten wir mit Blick auf Heine, was Romantik und Revolution in der heutigen Literatur Deutschlands, Frankreichs und Polens bedeutet. Wie beschreibt Literatur die politischen Umbrüche unserer Zeit? Wie reagieren die Schriftsteller_Innen auf Revolutionsbegehren, Demokratiebestrebungen und Religionskämpfe? Die Reihe „Romantik und Revolution“, die das Literaturbüro gemeinsam mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Institut français und dem Polnischen Institut organisiert, befragt zeitgenössische Autor_Innen zu dem Thema. Der ungarische Schriftsteller und Übersetzer György Spiró war mit Die Messiasse, einer Geschichte mit ihrem Schauplatz im Paris der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts, zu Gast, Yannick Haenel mit Die bleichen Füchse (Les renards pâles) und Nora Bossong mit 36,9°. Im Literaturbüro NRW las Shida Bazyar aus Nachts ist es leise in Teheran.

III. LITERATUR IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Offene Bücherschränke
Seit Juni 2011 wurden inzwischen sechs offene Bücherschränke in Düsseldorf aufgestellt und betreut. Die Schränke, die sich zum Anziehungspunkt für viele Buchliebhaber_Innen entwickelt haben, stehen in der Innenstadt am Mannesmannufer, in Bilk, Derendorf, Gerresheim am Gerricusplatz und am Roten Platz sowie im Zooviertel.

SchriftStellen
Nicht nur Heinrich Heine hat seine Spuren in Düsseldorf hinterlassen, viele andere bedeutende Schriftsteller_Innen waren hier – längere oder kürzere Zeit – zuhause oder zu Besuch. SchriftStellen ermöglicht seit 2016 Literaturinteressierten eine literarische Entdeckungstour durch Düsseldorf. Icons in Gestalt einer stilisierten Schreibfeder ermöglichen es mittels QR-Codes mit einem mobilen Endgerät direkt nachzuforschen, vor welchem Denkmal literarischen Lebens man sich befindet. Direkt vor Ort bekommt man zudem einen akustischen Eindruck vom Schaffen der jeweiligen Autorin oder des Autors. Eingelesen haben die Texte Claudia Hübbecker und Moritz Führmann vom Düsseldorfer Schauspielhaus.

 

IV.  JUNGES LITERATURBÜRO NRW

1. Klasse(n)buch
Zum achten Mal bot das Literaturbüro Düsseldorfer Schulklassen die Teilnahme an Literaturprojekten an, um bei den Schüler_Innen der Stufen 2-13 durch Lesung, Gespräch, Schreibaufträge und Überarbeitung der eigenen Texte Interesse an Literatur zu wecken. Im Jahr 2016 waren unter anderem diese Workshopthemen im Angebot: „Heimat“, „Verfilzt-verflixtes ABC“, „Lyrik“, „Poetry Slam. Deine Sprache – Deine Themen – Dein Slam“ und viele mehr. Eine Besonderheit in diesem Jahr: Zwei Workshops fanden in Klassen mit Seiteneinsteiger_Innen in die deutsche Sprache statt. Die neun Projekte, geleitet von Autor_Innen, die mit Mitteln der Stadt und der BürgerStiftung finanziert wurden, fanden in vier Grundschulen und fünf weiterführenden Schulen statt. Darunter waren eine Gesamtschule, zwei Gymnasien, eine Hauptschule und ein Berufskolleg.

2. Kopfweide. Junge Literaturtage
In diesem Jahr zum elften Mal trafen sich junge Schreibtalente in den Herbstferien zur kopfweide. Veranstaltungsort war wie in den letzten Jahren Schloss Benrath mit seinen besonderen Innenräumen und Gärten. Diesmal waren Gina Mayer und Michael Sieben eingeladen und lasen aus ihren Werken. Die Workshops für die 8-17jährigen leiteten die Autor_Innen Aygen-Sibel Çelik, Gudrun Linde, Sarah Meyer-Dietrich, Sascha Pranschke und Literaturförderpreisträgerin Que Du Luu. Die jungen Schreiber_Innen konnten ihre eigenen Figuren, Geschichten und Gedichte entwickeln und wurden dabei unterstützt. Als Inspiration diente nicht nur die Schlosskulisse, sondern auch Musik. Die Texte und ein Hörbuch wurden in einer Abschlusspräsentation vorgestellt. Dies war vor allem für die Teilnehmenden, die als Seiteneinsteiger_Innen in die deutsche Sprache kamen, eine Herausforderung, die sie wunderbar meisterten.

3. Schreibland NRW
Das Literaturbüro NRW und der Verband der Bibliotheken in NRW haben das Projekt 2014 mit Unterstützung des Kulturministeriums NRW ins Leben gerufen. Um eine Struktur für junges Kreatives Schreiben in Nordrhein-Westfalen zu entwickeln, werden einerseits vorhandene Workshopangebote auf der Plattform www.schreibland-nrw.de gesammelt und gezielt neue Schreibwerkstätten gefördert: Hierbei sollen Expert_Innen, also Autorinnen und Autoren, mit schreibwilligem Nachwuchs an den dafür idealen Orten zusammengebracht werden –  in öffentlichen Bibliotheken! Als erste Ansprechpartner für Lese- und Schreibbegeisterte spielen sie eine zentrale Rolle bei der Förderung des literarischen Nachwuchses. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes  NRW und vom vbnw.

Seit im Herbst 2014 die ersten geförderten Schreibwerkstätten in NRW-Bibliotheken an den Start gingen, ist das Interesse seitens der Bibliotheken kontinuierlich gestiegen. Im zweiten Jahr nach Projektgründung wurden bereits in 17 Städten SchreibLand NRW-Werkstätten realisiert, für 2017 konnten Förderungen für 24 Bibliotheken ermöglicht werden und es gibt bereits eine Warteliste mit weiteren Interessenten. Viele der Bibliotheken, die bereits teilgenommen haben, interessieren sich für eine Verstetigung der Angebote in ihren Räumen. Inzwischen gibt es darüber hinaus auch interessierte oder bereits in das Projekt involvierte Workshopleiterinnen und –leiter, die von sich aus auf Bibliotheken zugehen, sie für eine Bewerbung um die SchreibLand NRW-Förderung anwerben und das SchreibLand NRW so in weiteren Bibliotheken und Städten bekannt machen.

 

V. EINZELVERANSTALTUNGEN

Neben den bewährten Reihen bot das Literaturbüro auch 2016 verschiedene Einzelveranstaltungen, zum Teil im Rahmen von Kooperationen, an:

1. Lesung mit Urs Heftrich
Aus den Gedichten Josef Capeks las zu Beginn des Jahres im Gerhart-Hauptmann-Haus der Übersetzer Urs Heftrich, der das Werk des Poeten Gedichte aus dem KZ ins Deutsche übertragen hat. Die deutsch-tschechische Ausgabe präsentiert Gedichte, die während Capeks Inhaftierung im KZ Sachsenhausen entstanden.

2. Szenische Lesung mit Andreas und Paul Remmel
Am 31. Januar lasen Andreas und Paul Remmel aus dem Werk von Kathrine Kressmann Taylor. Adressat unbekannt handelt vom Ende einer Freundschaft zweier deutsch-amerikanischer Geschäftsleute zu Beginn der NS-Herrschaft. Danach wurde im Gespräch mit Dr. Ulrike Schrader, Michael Serrer und dem Publikum über Loyalität und Solidarität in Zeiten politischer Unruhe diskutiert. Die von Norma Werbeck organisierte Veranstaltung war eine Kooperation mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal und dem Literaturbüro NRW. Sie bildete den Abschluss der Veranstaltungsreihe „What the fuck are you staring at?! – Der affektive Sinn der dissidenten Künste“.

3. Es war einmal in Masuren: Filmvorführung und Gespräch mit Peter Goedel zum 20. Todestag von Wolfgang Koeppen
Ortelsburg liegt dort, wo die masurische Seenplatte beginnt – eine einst ostpreußische Stadt, die heute zu Polen gehört und Szczytno heißt. Wolfgang Koeppen, einer der wichtigsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegszeit, verbrachte hier seine Jugend. Seine selbst aufgezeichneten Erinnerungen montierte Regisseur Peter Goedel mit den Erzählungen eines 14-jährigen polnischen Jungen, den er filmisch durch Szczytno begleitete. Die Filmvorführung fand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus statt.

4. Einweihungsfeier des neuen Standorts des Literaturbüros
An einem abwechslungsreichen Abend mit Gesprächen und Lesungen wurde der neue Standort des Literaturbüros an der Bismarckstraße eingeweiht. Zu Gast war u.a. Ulla Hahn und das neue Projekt „SchriftStellen“ des Literaturbüros wurde präsentiert.

5. Mein Freund Israel. Erinnerung eines Überlebenden: Lesung mit Herbert Schmidt
Zum Start des zweiten Quartals war Herbert Schmidt zu Gast. Im Leo-Baeck-Saal der Jüdischen Gemeinde sprach er mit Georg Aehling (Edition Virgines) und Michael Serrer über seinen Freund Israel Borenstein und dessen Erlebnisse in Auschwitz und danach. Er bestimmte Dr. Herbert Schmidt, mit dem er seit 1947 befreundet war, dazu, nach seinem Tod der Öffentlichkeit zu berichten: von seinen schrecklichen Erlebnissen, aber auch von ihrer Freundschaft. Das Grußwort sprach Kulturministerin Christina Kampmann.

6. Flucht und Vertreibung bei Goethe – mit Prof. Dr. Volkmar Hansen
Zu Gast bei der Stiftung  Gerhart-Hauptmann-Haus  war der ehemalige Direktor des Goethe-Museums Prof. Dr. Volkmar Hansen, der einen Vortrag zu Flucht und Vertreibung bei Goethe hielt. Die Balance zu Goethes weltbürgerlichem Rechtsverständnis sollte darin sichtbar gemacht werden.

7. „The best minds of my generation“ – zum 90. Geburtstag von Allen Ginsberg
Am 3. Juni 2016 wäre Allen Ginsberg 90 Jahre alt geworden. Michael Serrer und Bertram Rutz gaben in der Buchhandlung „BiBaBuZe“ mit Gedichten, Interviewausschnitten und Originaltönen aus Lesungen und Songs einen Einblick in den vitalen lyrischen Kosmos des Protagonisten und Promoters der „Beat Generation“.

8. Lesung mit Herbert Somplatzki und Eckard Koltermann
Der Autor Herbert Somplatzki und der Musiker Eckard Koltermann erzählen mit Anthrazitmuseum oder: Der Gesang vom schwarzen Diamanten von Westfalens Bergbau-Epoche, von schwerer Arbeit und von Kameradschaftlichkeit untertage. Lesung und Gespräch fanden im Rahmen der Veranstaltungsreihe 70 Jahre NRW im Gerhart-Hauptmann-Haus statt.

9. 70 Jahr NRW im Spiegel der Literatur
Vom 26. – 28. August fand das große NRW-Fest statt und auch die Literaturszene feierte mit. Am Samstagnachmittag stellte Bernt Hahn in der Bibliothek des Landtages eine kleine Auswahl von Texten nordrhein-westfälischer Autor_Innen vor.

10. Die Ukraine – literarisch. Lesung und Gespräch mit Michael Zeller
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus war Schriftsteller Michael Zeller zu Gast, der 1997/1998 ein literarisches Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung erhielt, das ihm einen längeren Aufenthalt in Krakau und einen noch weitergehenden Blick in den Osten verschaffte. Er hat ein vielfältiges Wissen über die Ukraine und beobachtet die jüngere Entwicklung mit großer Sachkenntnis und Anteilnahme.

11. Zum 200. Geburtstag von Gustav Freytag
Der Literaturwissenschaftler Bernt Ture von zur Mühlen stellte im Gerhart-Hauptmann-Haus seine umfassende Biografie über Gustav Freytag, einen der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller seiner Zeit, vor.

12. Poetische Experimente
Am 24. September luden die Autorinnenvereinigung e.V. und das Literaturbüro NRW in den Kulturbahnhof Gerresheim zur Tagung Poetische Experimente ein. Das Thema der Veranstaltung hieß 2016 „Im Netz“. Sophie Weigand hielt dafür zum Thema Literaturbloggen einen Vortrag, Workshops von Anne Schülke und Kathrin Passig wurden von Autorinnen und Autoren besucht. Die Lesung mit Lydia Daher rundete das Programm des Tages ab.

13. Poetische Begegnung mit dem Orient
Seit über 30 Jahren reisen die Schriftsteller Reinhard Kiefer und Christoph Leisten auf unterschiedlichen Pfaden nach Marokko. Dabei sind Die Goldene Düne. Marokkanisches Tagebuch (Reinhard Kiefer) und Marrakesch, Djemaa el Fna (Christoph Leisten) entstanden, aus denen die Autoren am 25. September im Ballhaus der Landeshauptstadt Düsseldorf lasen und von ihren Beobachtungen berichteten. Die Veranstaltung bildete die Finissage der Kunstausstellung „Meet the Orient“.

14. Lesung und Gespräch mit Arno Surminski
Ebenfalls im September zu Gast im Gerhart-Hauptmann-Haus war Arno Surminski. Der nun in Hamburg lebende Autor erzählte von seiner Geburtsstadt in Ostpreußen, von der Vorkriegs- und Kriegszeit und humorvoll von der Liebe zu den „ganz normalen Menschen“.

15. balkaNeu Festival: Kunst & Kultur vom Balkan in Düsseldorf
Beim „balkaNeu Festival“ dreht sich alles um die Halbinsel im Südosten Europas. Das Festival wurde mit einer Lesung der Autorin Jagoda Marinić aus ihrem Roman Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland? eröffnet. Anschließend fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Balkan als Zukunft Europas?“ statt, an der neben Jagoda Marinić ebenfalls die Autorin Alida Bremer, die Direktorin des „Go East“-Filmfestes Gaby Babic und die Journalisten Rüdiger Rossig und Danko Rabrenovic teilnahmen. Ein Konzert der Band Trovaci und die Aftershowparty rundeten das Festival im zakk ab.

16. Lesung mit Norbert Molitor
Im Kaff der guten Hoffnung heißt das Buch Norbert Molitors, das Texte seines erfolgreichen Blogs „42553 Neviges“ aufgreift. In der Oberbilker Quartierskneipe „Roter Teppich“ war der Autor zu Gast und erzählte seine humorvollen und gesellschaftskritischen Geschichten.

17. Lesung mit Boualem Sansal
Am 9. November war der in Algerien geborene Autor Boualem Sansal mit seinem Buch 2084. Das Ende der Welt im Literaturbüro NRW. Als beunruhigende Vision wurde 2084 nach seinem Erscheinen 2015 in Frankreich bereits heftig diskutiert.

18. Familiennachmittag mit Fikry El Azzouzi
Der marokkanischstämmige Belgier Fikry El Azzouzi hat mit Wir da draußen ein faszinierendes Porträt von vier Freunden geschrieben, von ihren Hoffnungen, Träumen – und ihrem Scheitern. Am 19. November war er im Ministerium für Familie, Kinder, Jungend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen zu Gast.

19. Lesung mit Ralf Thenior
Ralf Theniors neuer Band Omnibus enthält Gedichte aus 50 Jahren, ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Michael Serrer. Am 8. Dezember war der in Dortmund lebende Autor bei uns im Literaturbüro NRW zu Gast und trug seine Werke vor.

VI. WEITERBILDUNG

Im Rahmen des diesjährigen Weiterbildungsprogramms für Autor_Innen, das von den vier nordrhein-westfälischen Literaturbüros gemeinsam organisiert wird, hat das Literaturbüro NRW zwei Seminare realisiert:
Im Seminar Buch & Bühne – professionelles Stimmtraining für Lesungen, das am 16. April durchgeführt wurde, gab Workshopleiterin Latifa Lalee Anregungen und Hilfestellungen für eine gute Performance und Textpräsentation.
Der am 10. Oktober stattfindende Workshop wurde von Schauspielerin Mareile Blendl auf Grundlage der weltweit praktizierten Improvisationsarbeit von Johnstone entwickelt. Mit Techniken und Tricks aus der schauspielerischen Arbeit verschafften die Teilnehmenden sich spielerisch leicht Zugang zu den eigenen schöpferischen Quellen.

VII. PUBLIKATIONEN

1. Lyrik-Edition Rheinland
Man hat sie mit guten Gründen die Königsklasse der Literatur genannt: die Lyrik. Nun sind allerdings die Zeiten der Königinnen und Könige vorbei, wir leben auch literarisch in einer Republik mit vielen verschiedenen Stimmen. Besonders deutlich wird das im Westen des deutschen Sprachraums, am Rhein. Hier leben und schreiben zahlreiche interessante Lyrikerinnen und Lyriker. Eine Auswahl von ihnen möchte die neue Lyrik-Edition Rheinland präsentieren. Ab 2016 werden zweimal im Jahr zeitgenössische rheinische Dichter_Innen mit eigenen Bänden publiziert. Herausgegeben werden sie vom Literaturbüro NRW und der Nylandstiftung. 
Als erstes veröffentlicht wurde laub und wirklich mit Gedichten von Peggy Neidel. Sie arbeitet als freie Journalistin und Kritikerin für „Freitag“ und die „taz“, ist Mitbegründerin des Literaturclubs Düsseldorf und natürlich Lyrikerin. Ihr Debütband „weiß. Gedichte“, der 2013 erschien, wurde unter anderem für den Ulla-Hahn-Autorenpreis nominiert. Neidel verbindet darin scheinbare Gegensätze zu Szenerien, die neugierig auf mehr machen – umso schöner, dass die „Lyrik-Edition Rheinland“ von diesem „mehr“ etwas zeigen konnte.
Im Herbst erschien Dahinter das Meer von Willi Achten. Der Lyriker lebt und lehrt in Aachen, doch ausgedehnte Reisen führten ihn in Länder wie Marokko oder Sri Lanka. Dort hat er Bilder aufgesaugt und formt sie – mal exakt, mal flüchtig andeutend – in seinen Worten neu.

2. Ehrenwort
„Ehrenwort" ist eine Buchreihe des Verlags Edition Virgines von Georg Aehling. Die Bände der Reihe beinhalten jeweils eine Werkauswahl von Autorinnen und Autoren aus Düsseldorf. Das Literaturbüro ehrt damit deren Lebenswerk zu einem runden Geburtstag.
Zum 80. Geburtstag von Herbert Asbeck, der seit 1992 als freier Schriftsteller tätig ist,  erschien in 2016 der elfte Band der Reihe. Der „Ehrenwort“-Band Durch die Welt wurde am 24. August im Heinrich-Heine Institut vorgestellt.

 

VIII. Beratung und Vernetzung
Neu bietet das Literaturbüro NRW den

Writers‘ Room an:
In Düsseldorf trifft sich die Welt – das erfahren wir ganz besonders am neuen Standort des Literaturbüros in der Bismarckstraße, wo ein Gemisch aus Griechisch, Türkisch, Arabisch, Japanisch, Koreanisch, Senegalisch oder Deutsch den Sound der Großstadt zum Klingen bringt. Diesen Kultur- und Sprachenschatz möchten wir ausloten, nutzen und polieren, und laden regelmäßig ein zum Writers‘ Room, einem interkulturellen Autor_Innentreff: Gemeinsam schaffen wir ein Forum für Begegnungen und Gespräche über Literatur, über das Schreiben und Übersetzen, über das Leben an sich. Willkommen sind alle, die sich mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort beschäftigen – ganz besonders laden wir die Kolleg_Innen aus den Flüchtlingsgebieten ein, hier und mit uns ihre Arbeit fortzusetzen.

Darüber hinaus war das Literaturbüro NRW auch weiterhin in der BERATUNG und VERNETZUNG von Autor_Innen, Lehrer_Innen und Veranstalter_Innen tätig.

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