Europa erlesen

In Zusammenarbeit mit dem Europaministerium des Landes NRW führen wir diese erfolgreiche Reihe durch, in der renommierte europäische AutorInnen in der Staatskanzlei des Landes NRW im Düsseldorfer Stadttor auftreten. Sie lesen aus ihren aktuellen Werken und diskutieren über zentrale europäische Fragen. Seit Mai 2015 präsentieren wir unsere Reihe zusätzlich in Berlin, in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund. Die Autorengespräche und anschließende Diskussionsrunden moderiert Michael Serrer.

Dienstag, 8. März, 19.00 Uhr, Düsseldorf
und Mittwoch, 9. März, 18.00 Uhr, Berlin
Alfred van Cleef liest aus Die verborgene Ordnung

Alfred van Cleef ist fasziniert von der „Psychologie der Geografie“. Der Inbegriff des menschlichen Verlangens nach Ordnung ist für ihn der Nullmeridian, denn anders als der Äquator, der die Mitte zwischen Nord- und Südpol bildet, wurde dieser „nullte“ Längengrad von Menschen willkürlich festgelegt. Auf ihm basieren die geografische Koordinatenbestimmung ebenso wie das Zeitzonensystem. Van Cleef reiste rund 4800 Kilometer und fünf Monate entlang dieser unsichtbaren Linie durch acht Länder – vom verregneten Tunstall in Yorkshire/England bis in die Hafenstadt Tema an der Küste Ghanas. Durch seine Neugier auf das Kuriose, scheinbar Unattraktive und schwer Erreichbare kommt er ins Gespräch mit Gangstern, Regenmachern, Pilzsuchern, Nomaden, Königen und Fetischpriestern. Ganz nebenbei erzählt er die Geschichte der geografischen Weltbilder und verbindet all das zu einem herrlich selbstironischen Reisetagebuch. Alfred van Cleef, 1954 in Amsterdam geboren, war jahrelang reisender Auslandsreporter für niederländische Zeitungen. Wir erleben ihn im März gleich zwei Mal als Gast bei „Europa Erlesen“.

Montag, 30. Mai 2016, 18.00 Uhr, Berlin
Katja Petrowskaja liest aus Vielleicht Esther

Die in Kiew geborene Katja Petrowskaja arbeitet als Journalistin für russische und deutsche Medien.
In „Vielleicht Esther“ spürt sie in kurzen Episoden ihren verschollenen und ermordeten Familienangehörigen nach, die während des 2. Weltkrieges aus Kiew verschleppt wurden und die sie nie kennenlernte: Da ist ihr Großonkel, der als Student ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Moskau verübte. Ihr Urgroßvater,  der in Warschau ein Waisenhaus für taubstumme jüdische Kinder gründete. Und – hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein zurückblieb? Und wer war Zeuge, als die Soldaten die Babuschka erschossen?

Dienstag, 07. Juni 2016, 19.00 Uhr, Düsseldorf

Gila Lustiger liest aus Erschütterung. Über den Terror

Paris, 2015: Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo und der Terror vom 13. November setzten den grausamen Rahmen für ein Jahr, das von einem erschreckenden Zulauf für den Front National und nicht nur in Frankreich von einer Vielzahl weiterer Attentate geprägt war. Gila Lustiger beschrieb bereits in ihrem Roman Die Schuld der anderen gesellschaftliche Ursachen und Hintergründe. Auch die jüngsten Terrorakte hat sie miterlebt, der aus diesen Erlebnissen entstandene Essay spiegelt ihre tiefe Erschütterung, aber auch den Versuch, Terror mit Vernunft zu begegnen. Die 1963 in Frankfurt geborene Autorin studierte in Jerusalem und lebt seit 1987 in ihrer Wahlheimat Paris. 2015 war sie bereits in Berlin bei „Europa Erlesen“ zu Gast und stellt nun in Düsseldorf Erschütterung vor.

Dienstag, 13. September 2016, 19.00 Uhr, Düsseldorf

Michal Hvorecký liest aus Tod auf der Donau

Achtzig Senioren auf einem Kreuzfahrtschiff zu bändigen ist keine leichte Aufgabe. Vor allem, wenn man nebenbei zwei Leichen entsorgen und seine Ex-Freundin verstecken muss. Eigentlich ist Martin Roy Übersetzer, aber dafür findet er keine Zeit als Reiseleiter einer Flusskreuzfahrt, in deren Verlauf so gut wie alles schiefgeht. Der Roman ist ein wilder Ritt über die Donau, von Regensburg bis ans Schwarze Meer und zeichnet das Bild einer Generation, die wie Nomaden durch die Länder zieht – auf der Suche nach dem besten Job, nach Erfüllung und so etwas wie Heimat. Michal Hvorecký, in Bratislava geboren, ist der derzeit populärste slowakische Autor in Deutschland. Er arbeitet als Schriftsteller und Journalist und schreibt unter anderem für die FAZ und DIE ZEIT.

Montag, 28. November, 18.00 Uhr, Berlin

Dienstag, 29. November, 19.00 Uhr, Düsseldorf
Miguel Szymanski liest aus Ende der Fiesta - Südeuropas verlorene Jugend

„Szymanskis Geschichte ist die schonungslose Innenansicht eines sterbenden Portugals“ heißt es auf dem Buchrücken. Der Journalist und Autor liefert noch mehr als das. Es ist auch die Innenansicht seines eigenen zwischen den Schauplätzen hin- und hergerissenen Lebens. Als Kind wanderte er kurz nach der Nelkenrevolution bereits zum ersten Mal aus seiner Heimat aus. Seine „iberischen Wurzeln“ zogen ihn zurück, doch nach über 20 Jahren in Portugal emigriert er, nun mit Frau und 2 Kindern, erneut – und zum zweiten Mal nicht ganz freiwillig. Er liebt die portugiesische Lebensart, die Leidenschaft, aber eine Zukunft in Portugal sieht er für seine Familie nicht mehr. Wie hunderttausende Portugiesen sieht er sich von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht. Die Läden in seiner Straße schließen, die Menschen in seinem Umfeld verschulden sich immer mehr und in den Krankenhäusern geht das Verbandszeug aus. Während Politik und Wirtschaft die Krise verhandeln, bedeutet sie für die Menschen tagtäglich Verarmung, Verzweiflung und Flucht. Bei „Europa Erlesen“ liest Miguel Szymanski aus Das Ende der Fiesta und zeigt die fatale Realität eines Landes, das in Deutschland vor allem für seine reizvollen Urlaubsziele bekannt zu sein scheint. Doch er betont auch dies: Gegenseitige Schuldzuweisungen vom blutsaugenden Deutschland einerseits und einem zügellosen Süden andererseits müssen überwunden werden, wenn Europa nicht zerbrechen soll.


Informationen zu weiteren Terminen der Reihe "Europa Erlesen" folgen in Kürze.

 

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