Einzelveranstaltungen

Auch in diesem Jahr bieten wir zusätzlich zu unseren bewährten Lesungsreihen wieder zahlreiche literarische Einzelveranstaltungen an. Hier stellen wir Ihnen eine chronologische Auswahl von Terminen für 2016 vor:

Samstag, 30. Januar, 17.00 Uhr, im Literaturbüro NRW / Gerhart-Hauptmann-Haus
Urs Heftrich liest Josef Capek: Gedichte aus dem KZ,  Präsentation der deutsch-tschechischen Ausgabe

Josef Capek (1887-1945) ist vor allem als tschechischer Avantgardekünstler bekannt. Seit den 1930er Jahren machte er sich aber auch als politischer Karikaturist im Dienst der Demokratie einen Namen. Dass ihn dies nach Hitlers Okkupation seiner Heimat ins Gefängnis bringen musste, war ihm bewusst. Während seiner jahrelangen Inhaftierung entstand ein umfangreiches lyrisches Werk, das der Übersetzer Urs Heftrich ins Deutsche übertragen hat. Mitten in der Hölle des KZs Sachsenhausen gelang es Josef Capek, in einen lebendigen Dialog mit Persönlichkeiten wie Dante, Manrique, Hölderlin, Joyce, Rilke und den Klassikern tschechischer Literatur zu treten. Seine Lyrik zeichnet sich durch ein Traditions- und Formbewusstsein aus, wie man es bei einem so modernen Künstler nicht unbedingt erwarten würde.

Musikalische Begleitung am Flügel: Gilead Mishory
Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW
Unter der Schirmherrschaft von Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf


Sonntag, 31. Januar, 17.00 Uhr, im Loch e.V. in Wuppertal
Szenische Lesung: Andreas und Paul Remmel lesen Adressat unbekannt von Kathrine Kressmann Taylor

„Heil Hitler! ... Kann ich es wirklich riskieren, festgenommen zu werden und alles zu verlieren, was ich hier aufgebaut habe, weil ich einer Jüdin Unterschlupf gewähre?“ Adressat unbekannt handelt vom Ende einer Freundschaft zweier deutsch-amerikanischer Geschäftsleute zu Beginn der NS-Herrschaft. Die Zwillingsbrüder Andreas und Paul Remmel, Siegburger Buchhändler und Verleger mit jüdischen Wurzeln, werden dem fiktionalen Briefroman in einer performativen Lesung neues Leben einhauchen. Anschließend möchten wir gemeinsam mit den beiden sowie Dr. Ulrike Schrader, Michael Serrer und dem Publikum über Loyalität und Solidarität in Zeiten politischer Unruhe sprechen. Die von Norma Werbeck organisierte Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal und dem Literaturbüro NRW. Sie bildet den Abschluss der Veranstaltungsreihe „What the fuck are you staring at?! – Der affektive Sinn der dissidenten Künste“.


Dienstag, 15. März, 20.00 Uhr, im Gerhart-Hauptmann-Haus
Es war einmal in Masuren: Filmvorführung und Gespräch mit Peter Goedel zum 20. Todestag von Wolfgang Koeppen

Ortelsburg liegt dort, wo die masurische Seenplatte beginnt – eine einst ostpreußische Stadt, die heute zu Polen gehört und Szczytno heißt. Wolfgang Koeppen, einer der wichtigsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegszeit, verbrachte hier seine Jugend. Seine selbst aufgezeichneten Erinnerungen montierte Regisseur Peter Goedel mit den Erzählungen eines 14-jährigen polnischen Jungen, den er filmisch durch Szczytno begleitete. In einem imaginären Dialog begegnen sich die beiden und der Autor erlebt die Schauplätze der Vergangenheit durch die Gegenwart des Jungen. 1990 wollte Peter Goedel gemeinsam mit Wolfgang Koeppen die Stadt besuchen, doch der Gesundheitszustand des damals 83-Jährigen ließ das nicht zu. Und so fing Goedel die Bilder ein und verband sie mit den poetischen Texten des Autors zu einem künstlerischen Gesamtwerk. Peter Goedel lebt und arbeitet in München als Autor, Regisseur und Filmproduzent.

Moderation: Winfried Halder, Leiter des Gerhard-HauptmannHauses

Freitag, 26. Februar, 18.00 Uhr, Literaturbüro NRW
Einweihungsfeier: Willkommen an unserem neuen Standort!

Wir wollen die neuen Räume im Gerhart-Hauptmann-Haus gebührend einweihen – gemeinsam mit Ihnen!  Deshalb laden wir Sie herzlich zu einem abwechslungsreichen Abend mit Gesprächen und Lesungen ein. Zu  unseren Gästen gehört die rheinische Autorin Ulla Hahn. Sie thematisiert in ihren Werken immer wieder die Bedeutung von Literatur für soziale Teilhabe. In ihrem eigenen Elternhaus bietet sie heute Schreibförderung für Kinder und Jugendliche an und wird im Gespräch davon berichten. Auch ein neues Projekt aus unserem Tätigkeitsgebiet „Literatur im öffentlichen Raum“ stellen wir Ihnen vor – die „SchriftStellen“.

Donnerstag, 7. April, 19.00 Uhr, Jüdische Gemeinde, Leo-Baeck-Saal
Mein Freund Israel. Erinnerungen eines Überlebenden: Lesung mit Herbert Schmidt

„Alle sind stumm, wenn man sie ruft.“ Israel Borenstein hat die Hölle von Ausschwitz überlebt, doch die Erinnerungen  und die ihn verfolgende Angst wurden zum Schatten seines langen Lebens. Er bestimmte Dr. Herbert Schmidt, mit dem er seit 1947 befreundet war, dazu, nach seinem Tod der Öffentlichkeit zu berichten: von seinen schrecklichen Erlebnissen, aber auch von ihrer Freundschaft. Über beides wird Schmidt an diesem Abend mit Georg Aehling (Verleger der Edition Virgines) und Michael Serrer (Leiter des Literaturbüros NRW) sprechen. Herbert Schmidt, geboren 1928 in Leipzig, promovierte in Düsseldorf, seither sind von ihm zahlreiche Veröffentlichungen über NS-Justiz und Rassenpolitik erschienen. Besonders beeindruckt hat seine Anthologie Ist es Freude, ist es Schmerz? Jüdische Wurzeln – Deutsche Gedichte (2011).
Begrüßung: Kulturministerin Christina Kampmann
Piano: Vasilena Krastanova
Lesung: Bernt Hahn

Samstag, 9. April, 20.00 Uhr, Besucherzentrum des Lantages Nordrhein-Westfalen
Waghalsiger Versuch, in der Luft zu kleben. Tilman Spengler liest in der Nacht der Museen

Der Titel ist Programm. Wer so leichtfüßig zwischen biografischen Details, liebevoller Beobachtung und blanker Ironie balanciert wie Tilman Spengler, der muss sich der Frage gar nicht stellen: Wo fängt Fiktion an und wo hörte der reale Immendorf auf in dieser „teilfiktionalen Biografie“? Jörg Immendorf hat die Kunstszene über Jahrzehnte mitgeprägt. Seinem langjährigen engen Freund gelingt mit dieser Hommage eine unterhaltsame Wiedererweckung, die damit beginnt, dass der Kunstpapst seine eigene Beerdigung aus dem Jenseits kommentiert. Tilman Spengler, geboren 1947, promovierter Sinologe und Historiker, ist Autor von Romanen, Erzählungen und Essays und Herausgeber der Zeitschrift „Kursbuch“. Sein Talent für das Spiel mit Biografie und Fiktion stellte er bereits 1991 mit seinem ersten Roman Lenins Hirn unter Beweis.

Moderation: Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW

Donnerstag, 12. Mai, 19.00 Uhr, Literaturbüro NRW
Flucht und Vertreibung bei Goethe: Vortrag von Prof. Dr. Volkmar Hansen

Goethes Distanz zu den Freiheitskriegen und seine Verehrung für Napoleon prägen ein Bild, in dem mitunter die nationale Komponente übersehen wird. Die Flüchtlingsgespräche bei dem Freund Fritz Jacobi in Düsseldorf-Pempelfort, der an die europäische Erzähltradition anschließende Novellen- und Märchen-Zyklus „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ und die gewagte Lebensgründung in dem Hexameter-Epos „Hermann und Dorothea“ sprechen eine andere Sprache. Der Vortrag will die Balance zu Goethes weltbürgerlichem Rechtsverständnis sichtbar machen. Prof. Dr. Volkmar Hansen, geboren 1945 in Burg, studierte Geschichte und Germanistik in Bonn und in Düsseldorf, wo er 1974 promovierte und anschließend seine Lehrtätigkeit aufnahm. Der ehemalige Direktor des Goethe-Museums veröffentlichte bereits zahlreiche Studien mit interkulturell-komparatistischen und mediengeschichtlichen Schwerpunkten.

Moderation: Prof. Dr. Winfrid Halder, Leiter des Gerhart-Hauptmann-Hauses

Donnerstag, 30. Juni, 19.00 Uhr, Buchhandlung BiBaBuZe
"The best minds of my generation" - zum 90. Geburtstag von Allen Ginsberg

„Es sollte keinen Unterschied geben zwischen dem, was wir niederschreiben und dem, was wir wirklich wissen, so wie wir es jeden Tag miteinander erfahren. Dann hat die Heuchelei in der Literatur ein Ende.“ Allen Ginsberg – Promoter und Protagonist der „Beat Generation“, sprachmächtiger Poet und Kämpfer für Ausdrucksfreiheit, schwules Selbstbewusstsein und bewusstseinsverändernde Drogen, Linksanarchist, Literaturprofessor, jüdischer Zen-Buddhist, Fotograf, Hippie und Musiker. Ein Vermarktungsgenie in eigener Sache und Prophet in der Tradition von William Blake und Walt Whitman, der von sich selber sagte: „Ich möchte bekannt sein als der brillanteste Kopf in Amerika.“ Am 3. Juni 2016 wäre Ginsberg 90 Jahre alt geworden. Michael Serrer und Bertram Rutz geben mit Gedichten, Interviewausschnitten und Originaltönen aus Lesungen und Songs einen Einblick in seinen vitalen lyrischen Kosmos.

Freitag, 1. Juli, 19.00 Uhr, Literaturbüro NRW/Gerhart-Hauptmann-Haus
"Anthrazitmuseum oder: Der Gesang vom schwarzen Diamanten"

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind viele Menschen, vorwiegend aus dem Osten, ins Ruhrgebiet gekommen und machten die Region zu einem industriellen Zentrum Deutschlands. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen dann Millionen Flüchtlinge in die zertrümmerten Städte. Das „Schwarze Gold“ wurdezum Antrieb einer gigantischen Lokomotive, die das Land aus den Bombentrümmern ins Wirtschaftswunder zog. Doch heute sind den Fördertürmen die Seilfahrten abhanden gekommen und über die Halden ist Gras gewachsen. Die letzten Steinkohlezechen in Bottrop und Ibbenbüren bereiten sich auf ihre Stilllegung vor. Was bleibt, das sind Industriedenkmäler. An vergangene Tage erinnern der ehemalige Bergmann und vielfach ausgezeichnete Autor Herbert Somplatzki und der Musiker Eckard Koltermann. Sie erzählen von Westfalens Bergbau-Epoche, von schwerer Arbeit und von Kameradschaftlichkeit untertage.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »70 Jahre NRW«
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Samstag, 27. August, 16.00 Uhr, Bibliothek des Landtages
70 Jahre NRW im Spiegel der Literatur

Im August 1946 war es so weit: eine Direktive des britischen Hauptquartiers in Berlin bestimmte Düsseldorf zur Landeshauptstadt des neu gegründeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Dieses Jahr steht also ein 70-jähriges Doppeljubiläum an – wenn das kein Grund zum Feiern ist! Vom 26. bis 28. August findet in Düsseldorf das große NRW-Fest statt und das Programm wird ebenso vielfältig und bunt sein wie das Bundesland selbst. Selbstverständlich feiert auch die Literaturszene mit, denn was das Land in all diesen Jahren bewegt hat, das wurde von zahlreichen Schriftstellerinnen und Schriftstellern verarbeitet und bleibt dank ihnen als literarisches Andenken erhalten. An diesem Samstagnachmittag bieten wir Ihnen eine kleine Auswahl an Texten nordrhein-westfälischer AutorInnen von Böll bis Hüsch, gelesen von Schauspieler Bernt Hahn.

Moderation: Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW

Mittwoch, 14. September, 19.00 Uhr, Literaturbüro NRW/Gerhart-Hauptmann-Haus
Die Ukraine - literarisch. Lesung und Gespräch mit Michael Zeller

Der 1944 in Breslau geborene Schriftsteller Michael Zeller erhielt 1997/1998 ein literarisches Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung, das ihm einen längeren Aufenthalt in Krakau ermöglichte. In der alten historischen Landschaft Galizien lag es nahe, den Blick noch weiter nach Osten zu richten. Inzwischen hat Zeller mehr als zwei Jahrzehnte lang vielfältige Kontakte in die Ukraine aufgebaut, zu Autorenkolleginnen und -kollegen, viele Male auch durch persönliche Besuche. Er hat ein vielfältiges Wissen über die literarische Szene des Landes und beobachtet dessen jüngere Entwicklung mit großer Sachkenntnis und Anteilnahme. Dabei hat er mehrfach feststellen müssen, dass für viele Menschen hier in Deutschland die Ukraine immer noch weitgehend eine „terra incognita“ ist. Es ist ihm ein Anliegen, mehr Kenntnisse und Verständnis für dieses schwer geprüfte Land zu vermitteln.

Moderation: Prof. Dr. Winfried Halder, Leiter des Gerhart-Hauptmann-Hauses
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Donnerstag, 15. September, 19.00 Uhr, Literaturbüro NRW/Gerhart-Hauptmann-Haus
Zum 200. Geburtstag von Gustav Freytag: Gustav Freytag - ein vergessener Auflagenmillionär der deutschen Literaturgeschichte?

Vor 200 Jahren, im Juli 1816, wurde Gustav Freytag geboren. Der Arztsohn aus dem oberschlesischen Kreuzburg studierte Philologie und Geschichte, unter anderem bei August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Die akademische Karriere scheiterte nicht zuletzt an seiner liberalen Haltung, die auch Hoffmann von Fallersleben im autoritär-konservativen Preußen 1842 seine Professur kostete. Freytag engagierte sich daraufhin als Journalist und Publizist. Mit dem Erscheinen seines ersten Romans Soll und Haben 1855 wurde er einer der erfolgreichsten deutschenSchriftsteller seiner Zeit und blieb auch weiterhin politisch aktiv. Doch so populär er zu Lebzeiten und darüber hinaus war, so weitgehend vergessen scheint er heute. Der Literaturwissenschaftler Bernt Ture von zur Mühlen hat die erste umfassende Biographie über Freytag veröffentlicht und stellt diese und die Person Gustav Freytag vor.
Moderation: Prof. Dr. Winfried Halder, Leiter des Gerhart-Hauptmann-Hauses
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Samstag, 24. September, 10.00 Uhr, Kulturbahnhof Gerresheim
Poetische Experimente

Zur Tagung Poetische Experimente laden die Autorinnenvereinigung e. V. und das Literaturbüro NRW in den Kulturbahnhof Gerresheim ein.
„Im Netz“ ist das Thema der diesjährigen Veranstaltung. Das Internet verändert das Veröffentlichen von Texten, ermöglicht neue Wege des Schreibens und der Vernetzung. Blogs sind inzwischen ebenso wichtig wie Feuilletonredaktionen. Gemeinschaftsprojekte lassen neue Textformen entstehen und spielen mit den Grenzen zwischen Autor- und Leserschaft. Der Tag beginnt mit einem Vortrag von Sophie Weigand über das Literaturbloggen. Anschließend finden parallel zwei Workshops statt. Die Düsseldorfer Künstlerin Anne Schülke untersucht mit den Teilnehmenden das Verhältnis von Bild und Text. Im zweiten Workshop beschäftigt sich Kathrin Passig mit Formen des kollaborativen Schreibens. Eine Lesung mit Lydia Daher um 19.00 Uhr beschließt den Tag. Die Poetischen  Experimente sind offen für alle Autorinnen und Autoren.

Sonntag, 25. September, 17.00 Uhr, Ballhaus der Landeshauptstadt Düsseldorf
Poetische Begegnungen mit dem Orient. Lesung mit Christoph Leisten und Reinhard Kiefer

Seit über 30 Jahren reisen die Schriftsteller Reinhard Kiefer und Christoph Leisten auf unterschiedlichen Pfaden nach Marokko. Die Goldene Düne. Marokkanisches Tagebuch von Reinhard Kiefer schafft gleichermaßen einen Zugang zu weltpolitischen Themen wie zu den künstlerischen und literarischen Facetten des Landes. Christoph Leistens Marrakesch, Djemaa el Fna ist eine Schule des Sehens, des Hörens, der Poesie und der Begegnung mit dem Anderen. Seine neue Prosa Argana. Notizen aus Marokko trägt dazu weitere bleibende Eindrücke bei. An diesem Abend erzählen die Autoren gemeinsam von ihren vielfältigen Beobachtungen, die Lesung bildet die Finissage der Kunstausstellung „Meet the Orient“. Vom 9. bis 25. September schaffen hier die Künstler Ovadja Alkara mit Malerei aus Israel, Wilfred H.G. Neuse mit Fotokompositionen aus Marokko und Hubert Schober mit dokumentarischer Fotografie aus Marrakesch ein gemeinsames Gespräch.

Dienstag, 27. September, 19.00 Uhr, Literaturbüro NRW/Gerhart-Hauptmann-Haus
Lesung und Gespräch mit Arno Surminski

Die Geburtsorte von Arno Surminski (geb. 1934) und Siegfried Lenz (1926-2014) liegen nicht allzu weit voneinander entfernt, und nach dem Untergang des alten Ostpreußens durch NS-Gewaltherrschaft, Krieg und Vertreibung hat der  Zufall die beiden Erzähler erneut zueinander geführt. Die befreundeten Autoren leben – beziehungsweise lebten – beide in Hamburg. Seit dem Tod von Lenz im Jahr 2014 ist Arno Surminski der bedeutendste lebende deutschsprachige Erzähler, der das Ostpreußen der Vorkriegs- und Kriegszeit noch aus eigener Erfahrung kennt. Surminski verschweigt das Grauen nicht, dennoch blitzen in seinen Werken immer auch Humor und eine zur Nachsicht bereite Liebe zu den „ganz normalen Menschen“ auf. Surminski ist nicht allein Schriftsteller, sondern auch ein brillanter mündlicher Erzähler und jede Begegnung mit ihm ein Erlebnis.

Moderation: Prof. Dr. Winfried Halder, Leiter des Gerhart-Hauptmann-Hauses
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Sonntag, 2. Oktober, 19.00 Uhr, zakk (Club)
balkaNeu Festival: Kunst & Kultur vom Balkan in Düsseldorf

Bezaubernd, rebellisch, ständig im Wandel – der Balkan liefert Inspiration für Künstler, Schriftsteller und Musiker und bereichert die Kulturlandschaft Europas. Beim „balkaNeu Festival“ dreht sich alles um die Halbinsel im Südosten  Europas. Das Festival wird eröffnet mit einer Lesung der Autorin Jagoda Marinic. Die Tochter kroatischer Einwanderer leitet heute das interkulturelle Zentrum in Heidelberg. 2016 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?, den sie an diesem Abend vorstellt. Die Lesung wird moderiert von Michael Serrer, dem Leiter des Literaturbüros NRW. Im Anschluss an die Lesung findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Balkan als Zukunft Europas?“ statt, an der neben Jagoda Marinic´ die Autorin Alida Bremer, die Direktorin des „Go East“-Filmfestes Gaby Babic und die Journalisten Rüdiger Rossig und Danko Rabrenovic teilnehmen. Ein Konzert der Band Trovaci und die Aftershowparty runden das Festival ab.

In Kooperation mit balkanEU & der zakk gGmbH

Mittwoch, 26. Oktober, 20.00 Uhr, Roter Teppich
Im Kaff der guten Hoffnung. Lesung mit Norbert Molitor

2014 bekam Norbert Molitor den Grimme Online Award für seinen Blog „42553 Neviges“, in dem er mit scharfem Blick, Ironie und viel Liebe den Alltag in der Provinz beschreibt. 2016 hat er nun sein erstes Buch veröffentlicht. Im Kaff der guten Hoffnung ist ein Panoptikum des deutschen Kleinstadtlebens. Da ist der Bürgerverein, der „vermutlich sogar viel macht, doch was genau, weiß kein Mensch“. Da ist der Gemüsehändler Mesut: „Wer etwas probieren will, darf das. Wer handeln will, den schickt er in den Supermarkt.“ Und Neviges ist überall – zum Beispiel in einem unserer Lieblingsveedel Oberbilk. An diesem Abend ist Molitor dort zu Gast in der Quartierskneipe „Roter Teppich“ (Zitat einer Besucherin: „Wenn ihr mal einen richtig strangen Laden sehen wollt, geht da hin”) und erzählt seine humorvollen, gesellschaftskritischen und einfach wahren Geschichten.

Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW
In Zusammenarbeit mit theycallitkleinparis.de

Mittwoch, 9. November, 19.00, Literaturbüro NRW
2084. Das Ende der Welt. Lesung mit Boualem Sansal

Nach einem Sanatoriumsaufenthalt kehrt Ati in seine Heimatstadt zurück und begreift plötzlich, dass er in einem Gefängnis lebt. Abistan heißt dieses „Land der Gläubigen“, das in einer unbestimmten Zukunft aus den Trümmern des „Großen Heiligen Krieges“ hervorging. Dort bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Individuelles Denken ist abgeschafft, eine allgegenwärtige Elite steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln. Die drei Leitsätze der Regierung lauten: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei und Unwissenheit Stärke. Boualem Sansal, geboren 1948 Algerien, war bis zu seiner Entlassung 2003 Direktor des algerischen Industrieministeriums. Sansals faszinierende und beunruhigende Vision 2084 wurde nach ihrem Erscheinen in Frankreich 2015 heftig diskutiert.

Moderation: Stefan Barmann
In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Kreis und dem Institut Français Düsseldorf

Samstag, 19. November, 17.00 Uhr, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
Familiennachmittag - Fikry El Azzouzi: Wir da draußen

Sie sind zuhause rausgeflogen. Jetzt lungern sie im Waschsalon des kleinen flämischen Ortes herum, in Yilmaz‘ Kebabladen oder in der Wohnung eines Freundes. Ayoub und Fouad stammen aus marokkanischen Familien, Maurice ist Halbafrikaner und Kevin gebürtiger Flame. Er nennt sich Karim und ist genauso heimatlos wie seine Freunde. Zur Schule gehen die Vier nicht mehr. Stattdessen treiben sie sich herum, bändeln mit Mädchen an und machen Stress in der Dorfkneipe. Willkommen sind sie nirgends, auch nicht im Lokal des islamischen Ortsvereins. Mit Wir da draußen hat der marokkanisch-stämmige Belgier Fikry El Azzouzi ein faszinierendes Porträt der vier Freunde geschrieben, von ihren Hoffnungen, Träumen – und ihrem Scheitern.

Lesung des deutschen Textes: Christof Seeger-Zurmühlen
Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW
Übersetzung: Ilja Braun, Begrüßung: Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des
Landes NRW.
In Zusammenarbeit mit dem MFKJKS

Donnerstag, 8. Dezember, 19.00 Uhr, Literaturbüro NRW
Ralf Thenior liest aus Omnibus

„Liegt auch das Land / in Bilderstarre, winterfroh / hör ich doch den Keim schon / an die Samenwand pochen.“ In dem Gedicht Dezemberlicht drückt Ralf Thenior auf seine wunderbar nüchterne Art etwas aus, das dieser Zeit des Jahres seit je anhaftet. In das Gefühlschaos zwischen Ende und Aufbruch mischt sich ein gewisser Sarkasmus angesichts der Vorweihnachtszeit mit ihrem ewig gleichen Trubel – oder wie der Dichter es ausdrückt: „Neustart / schon wieder Adventskränze / Folienfetzen, Schneeschorf“.
Was seine Verse transportieren, das wollen wir als Vorsätze fürs neue Jahr mitnehmen: Dinge auf den Punkt bringen, nicht alles zu ernst nehmen, neugierig bleiben und empfänglich sein für die Poesie des Alltäglichen. Sein neuer Band Omnibus enthält Gedichte aus 50 Jahren, ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Michael Serrer (Leiter  des Literaturbüros NRW), der die Lesung und das anschließende Gespräch mit dem in Dortmund lebenden Autor moderieren wird.

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