Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik: Literaturkritik im internationalen Vergleich. Länder- und kulturspezifische Rezeption von Literatur

Die Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik folgt in ihrer Intention der Feststellung des Wissenschaftlers und Heine-Preisträgers Jürgen Habermas, wonach die Befähigung zur Herausbildung und Artikulation einer Haltung zu literarischen Werken ein normatives Wesensmerkmal der bürgerlichen Öffentlichkeit sei (vgl. Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit). Vor dem Hintergrund einer sich internationalisierenden Gegenwart erscheint es sinnvoll und an der Zeit, ein Format anzubieten, das den Bürgerinnen und Bürgern Erkenntnisse darüber vermittelt, auf welche unterschiedliche Art und Weise Literatur und literarische Themen in verschiedenen Ländern rezipiert und diskutiert werden. Im Sinne einer weiteren Anlehnung an Jürgen Habermas könnte damit auch ein kultureller Beitrag geleistet werden, um zu einer notwendigen und derzeit noch unterausgeprägten europäischen Öffentlichkeit beizutragen; also in Düsseldorf eine europäische und transnationale Perspektive auf Literatur zu unterstützen und an diese heranzuführen.

13. Juni 2015, 10.00–17.00 Uhr, Haus der Universität
In einem ersten öffentlichen Workshop mit einem Literaturwissenschaftler/Literaturkritiker werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in gewohnter Weise mit den Techniken und Fertigkeiten von professioneller Literaturkritik vertraut gemacht. Konkretes Ziel ist dabei, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dem Besuch des Workshops in der Lage sind, sowohl mündlich als auch insbesondere schriftlich eine professionelle und reflexive Haltung zu einem literarischen Text einnehmen und artikulieren zu können.

27. Juni 2015, 10.00–17.00 Uhr, Haus der Universität
In einem zweiten ebenfalls öffentlichen Workshop wird dann die europäische und internationale Perspektive auf Literatur konkret in den Blick genommen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen im Vorfeld dieses Workshops recherchierte und dokumentierte aktuelle Rezensionen aus verschiedenen Ländern zu je einem von ihnen gelesenen literarischen Werk der jüngeren Zeit vor. Gemeinsam mit dem beteiligten Literaturwissenschaftler sollen so unterschiedliche länder- und kulturspezifische Diskurse, Haltungen und Beurteilungen zu jeweils demselben Buch verstanden und diskutiert werden. Es soll auch gemeinsam erörtert werden, ob es im internationalen Kontext auf Grund von Besonderheiten der Rezeptionskultur oder auf Grund von länderspezifischen Diskurstraditionen zu strukturell unterschiedlichen Bewertungen von literarischen Fragen und Themenstellungen kommt. Demzufolge kommen für diesen Workshop nur solche Bücher in Frage, die bereits in mehreren Sprachen erschienen sind und auch auf eine internationale Leserschaft gestoßen sind. Der Workshop möchte ein Verständnis dafür befördern, wie verschiedene Gesellschaften und unterschiedliche nationale Öffentlichkeiten über ein und dasselbe Werk sprechen. Ein interessantes Beispiel der jüngeren Vergangenheit für ein insbesondere international ganz unterschiedlich rezipiertes Werk ist das Buch "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell. Im Rahmen des Workshops werden mehrere aktuelle Romane auf ihre unterschiedliche internationale Rezeption hin vorgestellt und besprochen.

14. Juli 2015, 19.00–21.00 Uhr, Haus der Universität
Im Rahmen einer öffentlichen Abendveranstaltung soll mit einem Autor über eben diese Form der unterschiedlichen internationalen Rezeptionsformen seiner Literatur und deren Bedeutung für das literarische Schaffen gesprochen werden. An das Gespräch mit dem Autor schließt sich eine Lesung aus seinem Werk sowie eine Diskussion mit dem Publikum an. Zu Gast ist der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Saša Stanišić (* 1978 in Višegrad/Bosnien). Stanišić studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und veröffentlichte 2006 sein Romandebüt "Wie der Soldat das Grammofon repariert", das bis heute in 30 Sprachen übersetzt wurde. Unter anderem war Saša Stanišić 2006 Finalist für den Deutschen Buchpreis und erhielt 2008 den Adelbert-von-Chamisso-Preis. 2014 wurde Stanišić der Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik für seinen zweiten Roman "Vor dem Fest" zuerkannt.

Referentin:
Dr. Traudl Bünger
Traudl Bünger ist Programmredakteurin der lit.COLOGNE, Literaturkritikerin und Autorin.

Kooperationspartner:
Die Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik ist eine Kooperation zwischen dem Zentrum Studium Universale der Heinrich-Heine-Universität, dem Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Literaturbüro NRW.

Ort:
Alle Veranstaltungen sind öffentlich und finden im Haus der Universität auf dem Schadowplatz statt (Innenstadt).


Anmeldung erwünscht unter der Mailadresse:

Dr. Christoph auf der Horst   undefinedstudium-universale(at)hhu.de

Eine Anmeldung zu den Workshops und zu der Abendveranstaltung ist nicht obligatorisch, aus technischen Gründen aber unter der angegebenen E-Mail-Adresse gewünscht.

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