Bücher sind der Treibstoff für eine Reise im Kopf, und auch in diesem Jahr haben das Literaturbüro, das Heinrich-Heine-Institut, das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Theatermuseum und das zakk den Tank gut gefüllt, um Sie mitzunehmen auf Reisen durch Europa und die Welt. Machen Sie sich also bereit zum Aufbruch und treffen Sie an drei Juninachmittagen im Hofgarten Ihre literarischen Reiseleiter.

Leinen los! heißt es am 14. Juni, wenn Hans Christoph Buch reichlich Seemannsgarn spinnt und beweist, dass es in der deutschen Literatur von Sindbad und Wilhelm Hauff über Heinrich Heine und Richard Wagner bis zu Franz Kafka und Thomas Mann nur so wimmelt von Geister- und Totenschiffen.
Am 21. Juni begegnen Sie mit Andreas Schäfer auf der Fähre von Griechenland nach Italien einem blinden Passagier und geraten in einen aufreibenden Nervenkrieg, der Sie ins deutsche Freiburg und wieder zurück nach Griechenland führt!
Die Normandie ist unser Ziel am 28. Juni, wo sich Mirko Bonné mit seinen Helden – einem Zeichner mit seinem Neffen - in einem verlassenen Strandhotel einmietet. Erleben Sie die melancholische Atmosphäre des Hotel L'Angleterre und passen Sie auf, dass es Ihnen nicht so geht wie dem Protagonisten Markus Lee: Aus dem geplanten Kurzurlaub wird eine monatelange Auszeit, während derer sich der Maler selbst abhandenkommt.

Wie in jedem Jahr lesen Mitglieder des Düsseldorfer Schauspielhauses zu Beginn jeweils einen einleitenden Text Heinrich Heines, der mit seinen „Reisebildern" Namensgeber der Reihe ist.

Start ist jeweils um 15.00 Uhr vor dem Theatermuseum im Hofgarten/ bei Regen in diesem. Die Tickets sind kostenlos.
Hier die Reisetermine im Einzelnen.

Samstag, 14. Juni, 15.00 Uhr:
Hans Christoph Buch: Boat People. Literatur als Geisterschiff
Der Berliner Schriftsteller Hans Christoph Buch hat sich einen Essay zum 70. Geburtstag am 13. April 2014 geschenkt: Eine virtuelle Poetikvorlesung und zugleich ein wenig bekanntes Kapitel der Literaturgeschichte. Von Sindbad und Wilhelm Hauff über Heinrich Heine und Richard Wagner bis zu Franz Kafka und Thomas Mann reicht das Seemannsgarn, das der Autor spinnt. Und weiter von B. Traven über H. M. Enzensberger und Peter Weiss zu Günter Grass: Der Beweis dafür, dass Boat People nicht nur im englischen Sprachraum vorkommen – wie bei Poe, Melville und Joseph Conrad –, sondern dass es auch in der deutschen Literatur eine Flotte steuerlos herumirrender Geister- und Totenschiffe gibt: Eine Tradition, die H.C. Buch, selbst ein großer Reisender vor dem Herrn, aus nachvollziehbaren Gründen fasziniert.

Samstag, 21.Juni, 15.00 Uhr
Andreas Schäfer, Gesichter
Familienurlaub auf einer griechischen Insel. Auf der Rückreise wird der Neurologe Gabor Lorenz am Hafen von Patras Zeuge, wie ein junger Mann auf einen Lastwagen springt, um unbemerkt auf die Fähre zu gelangen, mit der auch Lorenz und seine Familie nach Italien übersetzen. Das Bild lässt Lorenz nicht mehr los. Während der Überfahrt sucht er den Mann und wirft eine Tüte mit Lebensmitteln in den Laster, in dem der Fremde sich versteckt. Zu spät fällt ihm ein, dass sich darin auch Postkarten mit seiner Berliner Anschrift befinden.
Es dauert eine Woche, bis die erste dieser Karten bei Familie Lorenz ankommt, abgestempelt in Modena. Kurze Zeit später die zweite – mit Münchner Poststempel. Da weiß Lorenz, dass der Flüchtling näher kommt, dass er auf dem Weg ist zu ihm. Ein diffuses Gefühl von Bedrohung schleicht sich in Lorenz’ Alltag, das sich als Misstrauen in alle Lebensbereiche frisst.
›Gesichter‹ ist ein großer Roman, ein spannendes Seelendrama, das davon erzählt, wie jemand alles aufs Spiel setzt, weil er nicht in der Lage ist, sich selbst zu erkennen.

Andreas Schäfer, 1969 in Hamburg geboren, ist deutsch-griechischer Herkunft. Er wuchs in Frankfurt/Main auf und lebt heute als Schriftsteller und Journalist mit seiner Familie in Berlin. Bisher veröffentlichte er den Roman ›Auf dem Weg nach Messara‹, für den er u. a. den Bremer Literaturförderpreis

Samstag, 28.Juni, 15.00 Uhr
Mirko Bonné, Nie mehr Nacht
Markus Lee reist in den Herbstferien in die Normandie, um für ein Hamburger Kunstmagazin Brücken zu zeichnen, die bei der Landung der Alliierten im Sommer 1944 eine entscheidende Rolle spielten. Lee nimmt seinen fünfzehnjährigen Neffen Jesse mit, dessen bester Freund mit seiner Familie in Nordfrankreich ein verlassenes Strandhotel hütet. Dem Zeichner fällt es zunehmend schwer, die Verheerungen des Krieges künstlerisch darzustellen. Doch beinahe noch schwerer fällt es ihm, den Tod der geliebten Schwester zu vergessen. Denn während ein dramatisches Kapitel europäischer Geschichte auf unheimliche Weise in ihm auflebt, stellt sich Markus Lee einem Trauma der eigenen Jugend und Abgründen seiner Familie. Der sich immer länger hinziehende Aufenthalt wird für Markus Lee mehr und mehr zu einem Wendepunkt n seinem Leben.

Der in Hamburg lebende Mirko Bonné veröffentlichte bisher fünf Romane und fünf Gedichtbände sowie Aufsätze, Reisejournale und Übersetzungen von u. a. E. E. Cummings, Emily Dickinson, John Keats und William Butler Yeats. Für sein Werk wurde Mirko Bonné vielfach ausgezeichnet; Nie mehr Nacht stand 1913 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

 

 

Seite empfehlen

Sie möchten diese Seite empfehlen? Vielen Dank! Tragen Sie einfach Ihren Namen und die Emailadresse der Person, die Sie über diese Seite informieren möchten und klicken Sie auf absenden.