Was nennen wir Arbeit?

Nur wenige Faktoren bestimmen das Leben eines jeden so massiv wie das Thema Arbeit, wirkt es sich doch auf alle Bereiche des Daseins aus – und sei es in ihrer Abwesenheit, in Form von Arbeitslosigkeit.
Da ist es nur selbstverständlich, dass Arbeit als Thema auch Eingang in die Literatur fand, ganz massiv in der Zeit des Naturalismus, in der die Arbeitswelt im Zuge der industriellen Revolution einen massiven Umbruch erlebte. Autoren wie Emile Zola in Frankreich, Gerhart Hauptmann in Deutschland oder Charles Dickens in England rückten das Thema ins Zentrum ihrer Romane.

Ähnlich gravierend, wenn auch ganz anders gelagert, ist der Umbruch in der Gegenwart: Vor allem die Folgen der Digitalisierung und der technischen Medialisierung der Kommunikation haben in den letzten beiden Jahrzehnten die Arbeitswelten massiv verändert: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, öffentlich und privat, Abhängigkeit und Freiheit scheinen sich aufzulösen. Konstanten wie Ortsgebundenheit, hohe Firmenloyalität oder Daueranstellung und Lebensplanungssicherheit lösen sich auf. Das hat umfassende Konsequenzen für die gesamte Verfassung der Gesellschaft, die sich auch in der Literatur widerspiegeln:

Das Projekt „Was nennen wir Arbeit?“ beleuchtet diese Entwicklung mit drei Veranstaltungen in den Städten Bonn, Düsseldorf und Wuppertal aus unterschiedlichen Perspektiven.

An dem Thema des Abends angemessenen Orten treffen RomanautorInnen auf „Experten aus der Arbeitswelt“, lesen aus ihren Werken und diskutieren mit ihren Gesprächspartnern und dem Publikum.

Montag, 29. Oktober, 19.30 Uhr
Historisches Zentrum Wuppertal
Engelsstraße 10
42283 Wuppertal
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich:
Literaturbüro NRW, mail@literaturbuero-nrw.de oder Tel.: 0211-8284590

Nora Bossong, Gesellschaft mit Beschränkter Haftung
&
Peter vom Baur, Geschäftsführer J.H. vom Baur Sohn GmbH & Co.KG

„Diese Firma war wie eine alte, schwerkranke Verwandte, die sich ans Leben klammerte, und niemand verstand so recht, weshalb."
Die 27jährige Luise Tietjen erbt das, was sie nie gewollt hat: Tietjen und Söhne, Jahresumsatz 38 Millionen, Tendenz stark rückläufig. Einst stattete die Firma mit ihren Handtüchern das kaiserliche Heer aus, heute interessieren die alten Werte der Firma, die seit vier Generationen von derselben Familie geführt wird, niemanden mehr. Gleichzeitig muss sie ihren in New York untergetauchten Vater ausfindig machen und nachhause holen..
Nora Bossong erzählt vom Aufstieg und Untergang eines Familienunternehmens, aber auch von den persönlichen Schicksalen der damit  verbundenen Menschen.

Besser gelaufen ist es für das Wuppertaler Unternehmen vom Baur, das sich seit mehr als 200 Jahren und nun schon in der 7. Generation behauptet. Im Jahr 1805 begann der 21jährige  Johann Heinrich vom Baur mit der Produktion von Hutbändern, die anfangs von lokalen Webern gefertigt wurden. Seit zwanzig Jahren steht Peter vom Baur an der Spitze der Firma, in der frühzeitig auf alle Änderungen der Zeitläufte reagiert wurde. Doch Tradition verpflichtet:  Hutbänder sind immer noch ein – wenn auch schmales Segment – des auf technische Textilien spezialisierten Unternehmenens.
Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW
Begrüßung: Jochen Reeh-Schall, Friedrich-Ebert-Stiftung

Dienstag, 6. November, 19.30 Uhr
Coworking Space GarageBilk
Bilker Allee 217
40215 Düsseldorf
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich:
Literaturbüro NRW, mail@literaturbuero-nrw.de oder Tel.: 0211-8284590

Jörg Albrecht, Beim Anblick des Bildes vom Wolf
&
Yvonne Firdaus, Inhaberin und Betreiberin des ersten Coworking Spaces GarageBilk;
Oliver Vaupel, Kommunikationsdesigner und Mitgründer der GarageBilk
Carolin Paulus, CREATIVE NRW
„Jeder von uns hat mal wieder zu viele Aufträge angenommen, um lässig sagen zu können: Joa, ich mach so mein Ding.“
Thies, Wanda, Jasper, Jonte und Pelle – die Protagonisten aus Jörg Albrechts Buch „Beim Anblick des Bildes vom Wolf“ sind, wie viele andere auch, in die große Stadt gekommen, um im vermeintlichen Mekka der Kreativen, wie (zu) viele andere auch, ihr Ding zu machen. Und sie warten. Warten auf den nächsten Job, den nächsten Beginn, den Durchbruch. Sie hangeln sich von Projekt zu Projekt, von Projekt zum Arbeitsamt und wieder zurück zu den unterbezahlten Projekten. Die soziale Lage ist prekär, der Lebensstil nicht unbedingt: Selbstbestimmung, Lebensqualität, Kritik an Profitmaximierung als Lebensziel. Aussteigen aus dem Hamsterrad der Lebenszeitanstellung . Und plötzlich fehlt Antwort auf die einfache Frage: Wann nennen wir was Arbeit?

Vor der eigenen Haustür dröhnt die Baustelle, selbst im Starbucks kann man sich nicht ewig an einem überteuerten Becher Kaffee festhalten und 500 Facebookfreunde täuschen irgendwann nicht mehr hinweg über die schleichende Vereinsamung vor dem Laptop. Abhilfe bietet der Coworking Space: Ein Arbeitsplatz kann angemietet werden, inklusive Internetzugang, Drucker, Kopierer und Scanner. Außerdem besteht die Möglichkeit, Kunden im Konferenzraum zu empfangen oder die Bilker Garage als Firmenadresse anzugeben. In der Küche trifft man sich zum Kaffee, tauscht Ideen aus und fügt dem Netzwerk neue Maschen hinzu. Und so wird der Coworking Space vielleicht auch zum mentalen Sicherheitsnetz so manchen free lancers.
Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW
Begrüßung: Jochen Reeh-Schall, Friedrich-Ebert-Stiftung

Mittwoch, 21. November, 19.30 Uhr
Stadtwerke Bonn
Theaterstraße 24
53111 Bonn
Eintritt frei, Anmeldung erbeten:
Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung GPI, Iris Nelles, 53170 Bonn
iris.nelles@fes.de, Tel.: 0228 883-7206, Fax: 0228 883-9208

Thomas von Steinaecker, Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen und anfing zu träumen
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Hilmar Schneider, Direktor Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit

„Ein paar Sekunden später schloss sich hinter mir die Tür meines neuen Büros. Es war nahezu 100%ig still. Die Pressspanplatten an der Decke, die Stärke der Wände und die isolierten Fensterscheiben garantierten eine Dezibelzahl, die meinem Wunschwert entsprach. (...) Nur so kann ich optimale Leistungen erbringen.“
Oktober 2008: Renate Meißner, die von Frankfurt nach München versetzt wurde, tritt ihre neue Stelle als stellvertretende Abteilungsleiterin im Büro der Versicherungsgesellschaft CAVERE an. Die Angestellte identifiziert sich so rückhaltlos mit dem Unternehmen, dass sie das Optimierungs- und Evaluationssystem und die damit verbundene Formelsprache der neuen Bürowelt vollkommen verinnerlicht hat. Jedes Geschehen wird automatisch in die Kosten-Nutzen-Rechnungen und Statistiken  eingespeist, die in ihrem Kopf permanent mitlaufen. Was passiert mit einer solch mutierten Persönlichkeit, wenn die Abteilung geschlossen wird und das Unternehmen abgewickelt wird?

Das Institut zur Zukunft der Arbeit GmbH (IZA) betreibt als privates Wirtschaftsforschungsinstitut nationale und internationale Arbeitsmarktforschung. Das IZA versteht sich als Ort der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Außerdem berät das IZA bei politischen Entscheidungen zu aktuellen Fragen und Problemen der Arbeitsmärkte.
Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW
Begrüßung: Jochen Reeh-Schall, Friedrich-Ebert-Stiftung

 

 

 

Nora Bossong liest aus ihrem Roman "Gesellschaft mit beschränkter Haftung":

http://www.youtube.com/watch?v=qAhrtvCQcJU

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