Tätigkeitsbericht des Literaturbüros NRW im Jahr 2012

Das Literaturbüro NRW schaut auf ein spannendes und erfolgreiches Veranstaltungsprogramm im Jahr 2012 zurück: Rund 4.200 Gäste konnten wir bei den 91 Veranstaltungen und Kursen begrüßen. Auf die wichtigsten Projekte blicken wir hier zurück.

Europa erlesen
In Zusammenarbeit mit dem Europaministerium des Landes NRW haben wir die erfolgreiche Reihe fortgeführt, in der renommierte europäische AutorInnen im Düsseldorfer Stadttor auftreten. Sie lesen aus ihren Werken und diskutieren über zentrale europäische Fragen. Der griechische Autor Petros Markaris las am 13. März aus seinem neuen, hochaktuellen Roman Faule Kredite. Am 22. Mai war die Dänin Janne Teller in der Staatskanzlei zu Gast und stellte einen Essay zu europäischen Fragen vor. Pascale Hugues las am 4. September aus ihrem Roman Marthe und Mathilde und Jury Andruchowytsch sprach am 11. Dezember über die Ukraine und stellte sein Buch Zwölf Ringe vor. Alle Abende wurden musikalisch begleitet.

Literatur im Landtag
2012 wurde auch die im Vorjahr gestartete Veranstaltungsreihe „Literatur im Landtag" im NRW-Parlament weitergeführt. Sie widmet sich gesellschaftspolitischen Fragen im Spiegel der Literatur. Zu Gast in der Bibliothek des Landtags war am 21. November Ilija Trojanow mit seinem Roman Eistau. Nach der Lesung diskutierten Trojanow, die Wetter-expertin Claudia Kleinert und Prof. Dr. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima über den globalen Klimawandel.

Literarischer Sommer
Vom 1. Juli bis zum 28. August fand unter dem Motto „Wege und Umwege / wegen en omwegen“ zum 13. Mal das binationale Literaturfestival „Literarischer Sommer / Literaire Zomer“ mit insgesamt 26 Lesungen deutscher und niederländischer Autoren statt. Düsseldorf war gleich mit sechs Veranstaltungen dabei: Ihren Weg in die Landeshauptstadt fanden ohne Umwege, Jan Zweyer, Persilschein, Simon Urban, Plan D, Lucette ter Borg, Fallkraut, Milena Flasar, Ich nannte ihn Krawatte, Benjamin Lebert, Im Winter dein Herz und Peggy Mädler, Legende vom Glück des Menschen.

Was nennen wir Arbeit?
Das Projekt beleuchtete die Veränderungen in der Arbeitswelt und deren literarischen Niederschlag mit drei Veranstaltungen in den Städten Bonn, Düsseldorf und Wuppertal, aus unterschiedlichen Perspektiven. An dem Thema des jeweiligen Abends angemessenen Orten trafen RomanautorInnen (Nora Bossong, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Jörg Albrecht Beim Anblick des Bildes vom Wolf und Thomas von Steinaecker, Der Tag, an dem ich aufhörte mir Sorgen zu machen und anfing zu leben auf ExpertInnen aus der Arbeitswelt, lasen aus ihren Werken und diskutierten mit ihren GesprächspartnerInnen und dem Publikum.

Gastland Neuseeland
Die beliebte Reihe zum jeweiligen Gastland der Frankfurter Buchmesse wurde ausgeweitet auf weitere Städte in NRW. Unter dem Titel „Aus dem Land der langen weißen Wolke luden Düsseldorf, Wuppertal und Krefeld unter Federführung des Literaturbüros NRW ein, Neuseeland und seine Literatur kennenzulernen: Zu Gast waren Anthony McCarten, Ganz normale Helden, Carl Nixon, Rocking Horse Road, Linda Olsson, Die Fremde am Meer, Emily Perkins, Die Forrests, Alan Duff, Warriors und Anke Richter, Was scheren mich die Schafe.

Düsseldorfer Literaturtage
Nach dem erfolgreichen Auftakt im letzten Jahr fanden im Juni erneut die "Düsseldorfer Literaturtage" statt: Organisiert vom Düsseldorfer Buchhandel, dem Literaturbüro NRW, dem Heinrich-Heine-Institut und dem Kulturzentrum zakk waren vom 14. bis 24. Juni 2012 rund 60 AutorInnen, SchauspielerInnen und KünstlerInnen an verschiedenen Orten der Stadt zu erleben. Kernstück der Literaturtage bildete der 27. Bücherbummel auf der KÖ vom 14. bis 17. Juni, bei dem sich entlang des KÖ-Grabens Buchhandlungen, Verlage und Kulturinstitute präsentierten. Allein im Lesezelt und im Kinderlesezelt fanden an allen fünf Tagen fast nonstop Lesungen statt. Zu Beginn der Literaturtage wurde der Düsseldorfer Literaturpreis der Stadtsparkasse vergeben: Preisträger war Leif Randt, der die Jury mit seinem Buch Schimmernder Dunst über CobyCounty begeisterte.

Das Literaturbüro war verantwortlich für viele zentrale Veranstaltungen: Nacht der Poeten: Am 15. Juni gab es in der KÖ-Galerie einen Streifzug durch das literarische Düsseldorf. Die Schauspielerin Susanne Tremper trug Texte von Adolf Endler, Johann Wolfgang von Goethe, Clara Viebig, Horst Eckert u.a vor. Der Schriftsteller Thomas Meinecke las aus seinen neuen Roman Lookalike, in dem es um Düsseldorf und die Königsallee mit ihren Modehäusern ebenso wie um Salvador da Bahia und seine afrobrasilianische Tempel geht; Literaturschiff: Auch in diesem Jahr lichtete das Literaturschiff seinen Anker und entführte die Mitreisenden mit europäischen AutorInnen vier Stunden lang in literarische Welten, mit Natasza Goerke aus Polen, Marente de Moor aus den Niederlanden und Jaroslav Rudis aus Tschechien. Außerdem stellte der Verleger Axel von Ernst das neu erschienene Buch Kramladen des Glücks des Franzosen Franz Hessel vor. Musikalisch begleitet wurde die literarische Schifffahrt von Ute Völker auf dem Akkordeon; Ortserkundungen Eine neue Sicht auf die Stadt boten die Lesungen dieser Reihe, die Literatur in den passenden Kulissen erlebbar machte: Die bekannte Schweizer Autorin Milena Moser las in einem Yoga-Studio aus ihrem neuen Roman Montagsmenschen, Ulrike Draesner erzählte im Kontaktcafé Gretna Green von sehr ungewöhnlichen Paarbildungen. In der Hinkelschen Backstube spürte Perikles Monioudis auf einer Reise rund ums Mittelmeer gemeinsam mit dem Protagonisten seines Buches Land traditionellen Familienrezepten nach.

Frisch gepresst
Diese literarische Veranstaltungsreihe wird seit 13 Jahren mit großem Erfolg von den Stadtbüchereien Düsseldorf und dem Literaturbüro NRW durchgeführt. Jeweils am dritten Dienstag des Monats stellen AutorInnen aus dem Rheinland oder aus rheinischen Verlagen ihre aktuellen Titel in der Zentralbibliothek vor, moderiert von Michael Serrer. In den gut besuchten Veranstaltungen waren 2012 u. a. zu Gast: Ralf Thenior mit Strange Kebap, Herbert Schmidt mit seiner Anthologie jüdischer Gedichte Ist es Freude, ist es Schmerz, Sylvie Schenk mit Der Gesang der Haut und Christof Hamann, Nur ein Schritt bis zu den Vögeln.

Düsseldorfer Schule
2012 fand die „Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik“ zum zweiten Mal statt. Ziel der gemeinsam mit dem Heinrich-Heine-Institut und der Universität veranstalteten Reihe ist es, dass die BürgerInnen der Stadt Düsseldorf über das Wahrnehmen von Literatur in Lektüren und Lesungen hinausgehend literarische Werke methodisch bewerten und beurteilen lernen und eine reflexive Haltung zur Literatur entwickeln. Zu Gast waren der Schriftsteller Finn-Ole Heinrich und der Literaturwissenschaftler Moritz Baßler. Die "Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik" umfasste zwei Workshops (21. April u. 19. Mai) und eine abschließende Abendveranstaltung (13. Mai), die auch Nicht-Teilnehmern des Workshops offen stand.

Nähe und Ferne
Nähe und Ferne ist Titel der Lesereihe, in der Düsseldorfer Literaturveranstalter gemeinsam Literatur mit einem Heine-Bezug präsentieren. Im Juni 2012 waren drei AutorInnen (Inka Parei, Peggy Mädler und Thomas Melle) eingeladen, die wie Heine der Ortlosigkeit nachgehen.

Reisebilder
Zum vierten Mal fand im Düsseldorfer Hofgarten die Reihe „Reisebilder - Literatur im Hofgarten“ statt, die das Literaturbüro zusammen mit dem Heinrich-Heine-Institut und dem Kulturzentrum zakk in Kooperation mit dem Theatermuseum und dem Schauspielhaus organisiert. In diesem Jahr war Sherko Fatah mit seinem Roman Ein weißes Land der literarische Reisebegleiter in den Irak, eine Woche später ging es mit Veronika Peters an die stürmische Ostsee. Den Abschluss bildete Rayk Wieland mit Kein Feuer, das nicht brennt.

Weiterbildung
Im Rahmen des diesjährigen Weiterbildungsprogrammes für AutorInnen, das von den vier Literaturbüros gemeinsam organisiert wird, hat das Literaturbüro NRW zwei Seminare angeboten: Vom 11. bis 12. Mai 2012 fand das Seminar „Biografisches Schreiben“ unter der Leitung von Tanya Lieske statt. Die TeilnehmerInnen dieses Seminars lernten durch gezielte Schreibübungen und mit der Methode des Figurenstellens ihre Biographie genauer zu hinterfragen und klarer darzustellen. Hellmuth Opitz gab am 3.und 4. November handwerkliche Tipps zum Verfassen von Gedichten. Beide Seminare waren ausgebucht.

Einzelveranstaltungen
Neben den bewährten Reihen bot das Literaturbüro auch 2012 verschiedene Einzelveranstaltungen im Rahmen von Kooperationen an:

-       An dem NRW-weiten, spartenübergreifenden Projekt „Kulturkooperation Subsahara“ beteiligte sich das Literaturbüro mit einer Lesung der kongolesischen Autorin Priya Basil;

-       in der Düsseldorfer „Nacht der Museen“ organisierten wir Lesungen im Landtag, im Heine-Institut und im Literaturbüro;

-       in der neuen Reihe „Eine Stunde mit“ sprach Michael Serrer im Heine-Institut mit Staffan Holm über dessen künstlerischen Vorstellungen;

-       Lesungen von drei europäischen LyrikerInnen, die von der Kunststiftung NRW zu einer Lesereise eingeladen worden waren, fanden in der Staatskanzlei statt;

-       im zakk beteiligten wir uns an der Lesungs-und Diskussionsveranstaltung „Multikultur 2.0– Willkommen im Einwanderungsland Deutschland“ ;

-       Lesung mit Radka Denemarková (Ein herrlicher Flecken Erde) im Gerhart Hauptmann Haus, organisiert gemeinsam mit dem Tschechischen Zentrum;

-       An weiteren Abenden waren Herbert Genzmer und Michael Ebmeyer unsere Gäste.

Hinzu kam ein auswärtiger Auftritt  im Jüdischen Museum Berlin: In Zusammenarbeit mit der Landesvertretung NRW und dem Düsseldorfer Verlag Edition XIM Virgines stellten wir die herausragende Anthologie Ist es Freude, ist es Schmerz? vor, die der Düsseldorfer Historiker Dr. Herbert Schmidt erstellt hat. Er versammelt hier 1.200 Gedichte von AutorInnen mit jüdischen Wurzeln. Eine Auswahl der Gedichte wurden von Iris Berben vorgetragen.

www.literaturstadtduesseldorf.de heißt die Internetseite, die von uns im Auftrag der Stadt Düsseldorf erstellt wurde und seit 2009 besteht. Mit Autorendatenbank, Terminkalender, Informationen zu Preisen und Stipendien, einer Auflistung aller literarischen Institutionen, Bibliotheken, Antiquariate und vielem anderen mehr bildet die Seite ausführlich das literarische Leben in der Stadt ab. Auch im Jahr 2012 wurde die Internetseite, die erfreulich hohe Zugriffszahlen aufweist, fortlaufend aktualisiert.


Öffentliche Bücherschränke
Nach dem erfolgreichen Start des Projekts „Öffentliche Bücherschränke“ im letzten Jahr kamen 2012 drei weitere Bücherschränke in Düsseldorf (in Bilk, Pempelfort und Gerresheim) hinzu. Auch diese Schränke werden von ehrenamtlichen Patinnen und Paten betreut und erfreuen sich großer Beliebtheit. Mehr und mehr finden auch fremdsprachige Titel sowie Kinderbücher ihren Weg in die Bücherschränke.

Ernst- Jandl-Wettbewerb
Das Literaturbüro NRW schrieb zusammen mit dem internationalen Jandl-Festival "tohuwabohu - jazz me, if you can!" den Jandl-Literaturwettbewerb 2012 aus. Bei der Preisverleihung am 24. Juni, die auf Schloss Lüntenbeck in Wuppertal stattfand, hatten die Gewinner Gelegenheit, ihre Werke vorzustellen. Der Wettbewerb stieß auf großes Interesse.

 

Publikationen

Museumsschreiber

2012 wurde das Projekt „Museumsschreiber“ mit Hilfe der Kunststiftung NRW auf das ganze Bundesland ausgeweitet. Über das Kölner Wallraf-Richartz-Museum (als erstes in der neuen Reihe) schrieb der Düsseldorfer Autor Martin Baltscheit.

Reihe Ehrenwort
Der 2012 erschienene Band unserer Reihe „Ehrenwort" ist Niklas Stiller gewidmet und wurde anlässlich seines 65. Geburtstages am 19. September im Heinrich-Heine-Institut vorgestellt.


Junges Literaturbüro NRW

Kopfweide. Junge Literaturtage
Die 7. „Jungen Literaturtage" fanden am 25. September sowie am 8. und 9. Oktober erneut im Schloss Benrath statt. Den Auftakt bildeten drei Schulklassen-Veranstaltungen: Rund 85 SchülerInnen aus zwei Grundschulklassen und einem Deutsch-Leistungskurs trafen auf AutorInnen. Milena Baisch (Anton macht’s klar), Hanna Schott (Fritzi war dabei) und Burkhard Spinnen (Nevena) gestalteten den Vormittag mit Lesungen, Gesprächen und Schreibaufträgen für die SchülerInnen. In den Herbstferien folgten fünf Workshops und Lesungen für das junge literaturinteressierte Publikum. Die 8-14-Jährigen schrieben als „Sammler, Forscher, Spurensucher“, erfanden Heldengeschichten, Fantasygeschichten oder reale Geschichten zum Thema Freundschaft und illustrierten sie, veranstalteten einen Poetry-Slam, banden ihre Texte mit einer Buchbinderin ein und gestalteten ihre Cover. Am Abend des ersten Workshoptages las der Schriftsteller Edward van de Vendel Geschichten und Gedichte; Einblicke in die Workshop-Arbeiten vermittelten die Kinder und Jugendlichen in der voll besetzten Abschlusspräsentation am zweiten Abend.

Bücherbühne. Lesungen für Familien
Die „Bücherbühne“-Lesereihe ging 2012 ins vierte Jahr. Zu Gast waren Salah Naoura (22. März), Tobias Elsässer (20. Juni) und Bart Moeyaert (20. November). Salah Naoura las u.a. aus Matti und Sami; an die Lesung schloss sich thematisch passend am 23. März eine Schreibwerkstatt für Lügengeschichten mit Sascha Pranschke an. Tobias Elsässer erzählte vom jungen Erfinder Linus Lindbergh und animierte das junge Publikum mit seiner Ukulele zum Mitsingen. Auch die Lesung mit Bart Moeyaert war ein Erlebnis: Er trug seine Geschichten in einer lebendigen Mischung aus Erzählen, Darstellen und Lesen einem begeisterten Publikum vor.

Klasse(n)buch. Literaturprojekte in Düsseldorfer Schulen
Mit Unterstützung des Kulturamtes und der BürgerStiftung konnten im Jahr 2012 zehn Literaturprojekte an Düsseldorfer Schulen vermittelt werden. Fünf Projekte fanden in Grundschulen statt, zwei Projekte in Gesamtschulen, zwei Projekte in Gymnasien und ein Projekt in einer Hauptschule. Rund 250 SchülerInnen kamen im Projektverlauf mit AutorInnen/KünstlerInnen zusammen, um literarisches Schreiben, das Spiel mit Buchstaben, Wörtern, Sätzen, den Aufbau verschiedener literarischer Textarten und die handwerkliche Seite von Sprache und Schrift kennen zu lernen und zu erproben. Alle Workshops fanden erfolgreich statt. Jede teilnehmende Klasse erstellte ihr eigenes „Klasse(n)buch" mit Texten und Zeichnungen oder Fotos.

 

Darüber hinaus war das Literaturbüro NRW auch weiterhin in der Beratung und Vernetzung von AutorInnen, LehrerInnen und VeranstalterInnen tätig.

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