Reisebilder – Literatur im Hofgarten

heißt eine Reihe, die wir gemeinsam mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Schauspielhaus, dem Theatermuseum und dem zakk organisieren. Namensgeber der Reihe ist Heinrich Heine, der mit seinen Reisebildern ein völlig neues Genre erfand und nach eigener Aussage „auf moosiger Parkbank“ im Hofgarten sein erstes Lektüreerlebnis hatte.
Im Hofgarten des 21. Jahrhunderts lesen vor dem Theatermuseum an drei frühsommerlichen Samstag- oder Sonntagnachmittagen AutorInnen aus Romanen, mit denen sie das Publikum mit auf Reisen nehmen. Ziele in den letzten Jahren waren unter anderen Myanmar (Christine Neudecker, Nirgendwo sonst), Sibiren (Michael Ebmeyer, Der Neuling), in die Schweiz (Nadja Klinger, Über die Alpen) oder nach Madrid (Peter Richter, Gran Via) – und das alles ganz bequem ohne Flugangst, Reiseübelkeit und Kofferschleppen.
In diesem Jahr ist Sherko Fatah mit seinem Roman Ein weißes Land der literarische Reisebegleiter in den Irak, eine Woche später, am 23. Juni, geht es mit Veronika Peters an die stürmische Ostsee. Eine kleine Verbeugung vor dem Namensgeber der Reihe erfolgt jeweils zu Beginn, wenn ein Mitglied des Schauspielhauses einen kurzen Text von Heinrich Heine vorträgt, der immer einen inhaltlichen Bezug zu dem im Mittelpunkt des Nachmittags stehenden Buch aufweist.

Sonntag, 17. Juni, 15.00 Uhr
Hofgarten vor dem Theatermuseum Düsseldorf, Jägerhofstraße 1
Eintritt frei
Sherko Fatah: Ein weißes Land
Bagdad in den 1930er Jahren. Der junge Araber Anwar versteht nichts von den politischen Wirren seiner Zeit. Er träumt von schönen Häusern, von fernen Reisen und vielleicht ein bisschen von der Schwester seines jüdischen Freundes. Er träumt davon, ein "Jemand" zu werden. Doch dann gerät er mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unter den Einfluss der "Schwarzhemden", der faschistischen Jugendorganisation im Irak. Ein bitter wahres Märchen nimmt seinen Lauf, ein Abenteuerroman mitten durch die Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. Er wuchs in der DDR auf und siedelte 1975 mit seiner Familie über Wien nach West-Berlin über. Hier studierte er Philosophie und Kunstgeschichte. Für sein erzählerisches Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, "Ein weißes Land" ist sein vierter Roman.

In Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Heine-Institut, dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Theatermuseum Düsseldorf & und dem zakk.

Samstag, 23. Juni, 15.00 Uhr
Hofgarten vor dem Theatermuseum Düsseldorf, Jägerhofstraße 1
Eintritt frei
Veronika Peters, Das Meer in Gold und Grauau
Kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag verliert Katia Werner ihren Job samt Wohnung. Spontan macht sie sich auf den Weg zu ihrer alten Tante Ruth – einer Halbschwester ihres Vaters, die sie bisher noch nicht kennt. Diese betreibt das malerisch abgelegene „Strandhotel Palau“ an der Ostsee, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Seine reichlich betagten Bewohner und vor allem die ebenso ruppige wie auf ihre ganz eigene Weise beeindruckende Tante sorgen dafür, dass aus dem spontanen Wochenendbesuch viele Monate werden. Nach einem chaotischen Leben mit zahllosen Fluchten lässt Katia sich zum ersten Mal auf das Wagnis des Bleibens ein – und nimmt damit die größte Herausforderung ihres Lebens an.

Veronika Peters wurde 1966 in Gießen geboren und verbrachte ihre Kindheit in Deutschland und Afrika. Im Alter von fünfzehn Jahren verließ sie ihr Elternhaus, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch und absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin. Sie arbeitete in einem psychiatrischen Jugendheim, bis sie 1987 in ein Kloster eintrat, wo sie beinahe zwölf Jahre verbrachte. Veronika Peters ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt als freie Autorin in Berlin.

Sonntag, 1.Juli, 15.00 Uhr

Hofgarten vor dem Theatermuseum Düsseldorf, Jägerhofstraße 1
Eintritt frei
Rayk Wieland, Kein Feuer, das nicht brennt

„Nicht fördernd ist es, wohin zu gehen."

(I Ging, Das Buch der Wandlungen)

W., der Held aus Rayk Wielands hoch gelobtem Debüt »Ich schlage vor, dass wir uns küssen«, ist jetzt etwa vierzig Jahre alt und Reisereporter. Ungewöhnlich ist nur, dass er nicht reist. Seit 1989 hat er, der im Osten Berlins lebt, kein einziges Mal die Grenzen der ehemaligen DDR überschritten. Die Reisefreiheit, so lautet W.s Credo, ist immer die Reisefreiheit der anderen. Seine Reportagen, die in der renommierten International Geographic Revue erscheinen, sind allesamt erfunden, aber sie kommen beim Publikum außerordentlich gut an. Als jedoch ein Text über Nordkorea von der diplomatischen Vertretung des Landes beanstandet wird, fliegt er auf und aus der Redaktion.

Der Skandal lässt W.s Leben in Turbulenzen geraten. Er ergraut von einem Tag auf den anderen und beantragt Asyl in der nordkoreanischen Botschaft. Leider hat er nicht die geringste Ahnung, wie es weitergehen soll. Widerwillig tritt er die erste Reise seines Lebens an. Sie führt ihn an die Große Chinesische Mauer und zu Feuern, die nicht brennen ...

 

Rayk Wieland, geb. 1965, studierte Philosophie und ist gelernter Reisereporter. Mehrtägige Reisen nach Jerusalem, Rom und Moskau. Mitherausgeber des dreibändigen Standardwerks »Öde Orte«. Zuletzt erschien von ihm »Ich schlage vor, dass wir uns küssen«. Er lebt in Hamburg.

Den einleitenden Text von Heinrich Heine liest Simin Soraya

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