Literarischer Sommer 2012

vom 1. Juli bis zum 28. August findet unter dem Motto Wege und Umwege / wegen en omwegen zum 13. Mal das binationale Literaturfestival Literarischer Sommer / Literaire Zomer mit insgesamt 26 Lesungen deutscher und niederländischer Autoren statt.

In diesem Jahr ist mit Schloss Moyland in Bedburg-Hau ein neuer, besonderer Veranstaltungsort zu den Städten Aachen, Düsseldorf, Krefeld, Mönchengladbach, Neuss, Vaals und der Region Maas en Peel hinzugekommen. Ein Weg mehr, auf den sich die treuen Besucher des Literaturfestivals begeben können.

Auch die Hauptpersonen der vorgestellten Bücher sind auf dem Weg, manche allerdings nicht auf dem direkten: auf einem Wanderweg in Wales, in einem Park in Japan oder quer durch ganz Afrika sind sie unterwegs. Andere nehmen Wege und Umwege durch die Zeit, zum Beispiel in die untergegangene DDR.
Düsseldorf ist gleich mit sechs Veranstaltungen dabei: Ihren Weg in die Landeshauptstdt finden hoffentlich ohne Umwege (Jan Zweyer 18. Juli), Simon Urban (19. Juli), Lucette ter Borg (24. Juli), Milena Flasar (1. August), Benjamin Lebert (1. August) und Peggy Mädler (8. August).

Mittwoch, 18. Juli 19.00 Uhr
Jan Zweyer, "Persilschein"
Stadtteilbücherei Bilk, Friedrichstraße 127, Düsseldorf
Eintritt frei

Der dritte und letzte Teil der Goldstein-Trilogie spielt im Herbst 1950 in der jungen Bundesrepublik.
Viele alte Nazis haben erstaunlich schnell wieder Karriere gemacht und ihre Pfründe nahtlos in die neue, häufig trotzdem ungeliebte Demokratie gerettet.
Einige werden von der Justiz wegen ihrer Verbrechen gesucht und manche von ihnen finden einen sicheren Zufluchtsort unter den Fittichen amerikanischer Geheimdienste. Der Koreakrieg tobt. Und in Europa zieht am Horizont der Kalte Krieg herauf. Da ist es gut, wenn man sich rechtzeitig die Dienste der „Fachleute“ von früher sichert.
Auch Hauptkommissar Peter Goldstein hat den Wechsel von einer Diktatur zu einer Demokratie bruchlos überstanden. Sein Vorgesetzter ist immer noch derselbe, die meisten seiner Kollegen haben den Krieg ebenfalls überlebt. Goldstein dient nach seiner Auffassung immer noch dem abstrakten Recht, nicht einem politischen System. Und meint, dass es an der Zeit wäre, die Nazizeit endlich zu vergessen und nach vorne zu schauen. Wie so viele damals. Und erst recht heute.

Donnerstag, 19.Juli, 20.00 Uhr
Simon Urban, Plan D
Kulturzentrum  zakk, Fichtenstraße 40, Düsseldorf
Eintritt: 7,-/5,- € oder Festivalkarte Literarischer Sommer

Ostberlin 2011: Die Wiedervereinigung hat es nie gegeben, Egon Krenz ist seit 22 Jahren an der Macht und die DDR nahezu pleite. Die Hauptstadt: ein maroder Moloch, verpestet und verdreckt von Millionen Ölmotoren des Trabant-Nachfolgers Phobos. Die letzte Chance für den Sozialismus: Wirtschaftsverhandlungen mit der BRD und ihrem Bundeskanzler Oskar Lafontaine. Doch dann wird ein ehemaliger Berater von Krenz ermordet aufgefunden - und alles weist darauf hin, dass die Täter aus den Reihen der Stasi kommen...

Schon allein die Idee, die untergegangene DDR in einer überraschend realistischen Szenerie wieder auferstehen zu lassen, ringt der Kritikerin Anerkennung ab. Die Handlung: Zu viele Menschen gehen nach dem Mauerfall in den Westen und so wird die Mauer gleich wieder geschlossen, BRD und DDR sind jedoch wirtschaftlich voneinander abhängig. Darüber hinaus hat Urban seinen Roman um eine spannende und unterhaltsame Krimihandlung angereichert, so Eckert. Die Rezensentin folgt einem gutaussehenden Westkommissar und seinem desillusionierten Kollegen aus dem Osten bei ihren Ermittlungen gegen den Widerstand der Stasi und trifft dabei etwa auf eine senile, im Seniorenheim lebende und Wolf Biermann hörende Margot Honecker. Bei so vielen Ideen verzeiht Eckert dem Autor, der hier auch seinem Talent als Texter einer Werbeagentur alle Ehre macht - etwa mit dem Slogan "Jetzt haben Sie Redefreiheit" für das Ost-Handy "Minsk" -  gern die ein oder andere überflüssige Länge, in der sich der angestaute Frust über die DDR entlädt.

Dienstag, 24. Juli, 19.30 Uhr
Lucette ter Borg, "Fallkraut"
Literaturbüro NRW, Bilker Straße 5, Düsseldorf
Eintritt: 7,- €/5,- € oder Festivalkarte Literarischer Sommer

Die beiden Schwestern Sigrid und Valentine sind ein ungleiches Paar: Schlank und unternehmungslustig die Eine, ständig am Buffet die Andere, und dann auch noch herumnörgelnd.
Sigrid hat schon immer die Erste Geige gespielt, noch in in k.u.k.-Zeiten, als das Familienorchester von Böhmen aus durch halb Europa tourte, und später dann im Orchester Overijssel. Dort arbeitet sie noch immer, aber es gibt im Kollegenkreis schon vernehmbaren Unmut, weil sie immer häufiger nicht so ganz den richtigen Ton trifft. Sigrid findet das natürlich vollkommen ungerecht und erkennt darin nur Neid und Bosheit.
Auch Valentine hat die Musik zum Beruf gemacht: sie ist Klavierlehrerin geworden, vor allem jedoch Hausfrau und Mutter. Und nun fahren sie zum ersten Mal wieder zusammen weg. Es sollte eigentlich eine romantische Reise durch Deutschland werden - aber Neid, Groll und Eifersucht lassen sich nur schwer verbergen. Kleine und große Gehässigkeiten machen den Urlaub so abwechslungsreich wie zuweilen beschwerlich. Und welches Geheimnis verbirgt sich in Sigrids Geigenkasten?
Fallkraut erzählt vom spießigen Rheintal in den 70er-Jahren, von den Sticheleien unter Schwestern und von den Vorzügen des Selbstbetrugs. Mit diesem Roman zeichnet Lucette ter Borg ein urkomisches und zugleich liebevoll-boshaftes Portrait zweier Frauen.

Mittwoch1. August, 20.00 Uhr
Milena Michiko Flasar, Ich nannte ihn Krawatte
Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1, Düsseldorf
Eintritt frei
Hikikomori. So werden in Japan Menschen bezeichnet, die sich weigern, das Haus ihrer Eltern zu verlassen. Sie verweigern sich den Anforderungen des modernen  (Arbeits)leben, schließen sich in ihre Zimmer ein und werden von der Familie versorgt, oft sogar nach außen verschwiegen, weil die Angst vor Stigmatisierung groß ist. Ein solcher Hikikomori verlässt nach zwei Jahren zum ersten Mal sein Zimmer.
Die Bank im Park, auf der er sich niederlässt, wird in den nächsten Tagen und Wochen sein Stammplatz. Hier trifft er den Krawattenträger Taguchi - auch für ihn hält das Japanische eigens ein Wort bereit: Er ist ein „Salaryman“, ein typischer Firmenangestellter in Anzug und Krawatte. Seine Arbeit aber hat er verloren. Seitdem vertreibt er sich die Zeit im Park, um punktgenau wie all die Jahre davor zum Arbeitsschluss nach Hause aufzubrechen. Seine Frau nämlich weiß nichts. Er wagt es nicht, ihr die Wahrheit zu sagen.
Langsam nähern sich beide aneinander an. Ihre Gespräche enthüllen dunkle vergangene Geschehnisse und nach und nach wird deutlich, warum beide so sind, wie sie sind.

Donnerstag, 2. August, 20.00 Uh
Benjamin Lebert, "Im Winter dein Herz"
Kulturzentrum  Zakk, Fichtenstraße 40, Düsseldorf
Eintritt: 7,-/5,- € oder Festivalkarte Literarischer Sommer
Wenn der erste Schnee fällt, ziehen sich die Menschen zurück in ihre Häuser und halten Winterschlaf wie die Tiere. Robert, Annina und Kudowski, drei in dem kleinen Ort Waldesruh Gestrandete, bleiben wach und machen sich auf den Weg.
In einem schwarzen Suzuki Samurai fahren sie durch ein weißes, vom Winter erfasstes Land. Es ist das Land, das man kennt, und doch ist es anders. Das Schweigen der Häuser, die verschlossenen Fensterläden erzählen von tiefen Träumen, und kaum ein Mensch zeigt sich auf den Straßen. Die drei Reisenden kennen sich nicht gut. Der Zufall hat sie zusammengeführt – jeder mit seiner Geschichte und seinen Geheimnissen –, und ihre Fahrt durch den Schnee in Richtung Süden wird zu einer Reise dorthin, wo nicht nur der Winter zu Ende geht.
Benjamin Lebert hat einen poetischen Roman über Freundschaft und die Wege, der Kälte zu trotzen, geschrieben.

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