FRISCH GEPRESST

Im Jahr 2011 wird die Reihe "Frisch gepresst. Neue Bücher aus Düsseldorf" 12 Jahre alt. Ins Leben gerufen wurde die Reihe gemeinsam vom Literaturbüro und der Zentralbibliothek, um ein größeres Bewusstsein zu schaffen für die Vielfalt der Düsseldorfer Literaturszene, die oft im Schatten ihrer Schwester, der Kunst, steht. Die Veranstalter waren zunächst selbst gespannt, wie lange es möglich sein würde, in jedem Jahr zehn Termine mit neuen Büchern zu füllen, die nicht nur aus der Feder einer Düsseldorfer Autorin oder eines Autors bzw. aus einem Düsseldorfer Verlag stammen müssen, sondern auch den Qualitätskriterien standhalten können. Das Potential ist noch immer nicht erschöpft und die OrganisatorInnen Annette Krohn und Michael Serrer entdecken immer neue AutorInnen.

Markus Feldenkirchen: „Was zusammengehört“
Dienstag, 18. Januar, 18.00 Uhr

Ein Brief legt in Sekunden frei, was Benjamin jahrelang zu verdrängen versucht hat. Beim bloßen Anblick des Absenders kehrt er ins Jahr 1989 zurück, als die Mauer fiel und er bei einem Schüleraustausch in Irland sein Herz an die geheimnisvolle Victoria verlor. Genau so, mit derselben Adresse und ohne Namen, waren damals ihre heiß ersehnten Liebesbriefe eingetroffen. Inzwischen lebt Benjamin ein anderes Leben. Der Banker verdient hervorragend, hat eine Freundin, eine Geliebte und eine teure Wohnung.
Benjamin steckt den Brief ungeöffnet in die Tasche und bricht zu einer Geschäftsreise nach Irland auf – lange kann er sich seiner Kraft jedoch nicht entziehen. Gekonnt und feinsinnig erzählt Markus Feldenkirchen eine mitreißende Liebesgeschichte und davon, wie Mauern einbrechen.

Markus Feldenkirchen, 1975 in Bergisch Gladbach geboren, studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Literaturwissenschaften in Bonn und New York und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Seither arbeitet er als Redakteur und Reporter in Berlin, zunächst beim Tagesspiegel, seit 2004 beim Spiegel. Er gewann den »Axel-Springer-Preis« für Nachwuchsjournalisten, den Journalistenpreis der Körber-Stiftung sowie den deutsch-amerikanischen »Arthur-F.-Burns-Journalistenpreis«.

 

Roland Koch: „Unter fremden Himmel“
Dienstag, 15. Februar, 18.00 Uhr

Der Held aus Unter fremdem Himmel nennt sich Simon, seitdem er illegal nach Deutschland eingeschleust und in Niedersachsen abgesetzt wurde. Nur mit dem, was er am Leibe trägt, und seinen bruchstückhaften Erinnerungen versucht er, sich im fremden Land zurechtzufinden. In einer verlassenen Mühle trifft er auf Valentina und den jungen verstörten Roddy – auch sie Flüchtlinge aus Osteuropa. Simon möchte für die beiden sorgen, etwas Neues aufbauen. Sie tun sich zusammen, und für die Wahlfamilie beginnt eine lange und beschwerliche Reise. Alle drei sind traumatisiert und ohne Angehörige. Sie leben in ständiger Angst, entdeckt zu werden, schlagen sich durch und hoffen, irgendwann anzukommen.

Durch Simons Blick lässt Roland Koch die Atmosphäre, das soziale und psychische Gefüge dieser kleinen Gruppe in deutscher Gegenwart lebendig werden.

Roland E. Koch schreibt für Rundfunk und Zeitungen, war Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim und unterrichtet seit 2008 Kreatives Schreiben an der Universität Siegen. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Bettina-von-Arnim-Preis.

 

Monika Peetz: „Die Dienstagsfrauen“
Dienstag, 15. März, 18.00 Uhr

Monika Peetz erzählt in ihrem Roman Die Dienstagsfrauen von fünf Freundinnen, die sich seit über 15 Jahren regelmäßig am ersten Dienstag im Monat treffen. Fünf Frauen, nun dies- und jenseits der vierzig, mit sehr unterschiedlichen Temperamenten. Einig sind sie sich nur, wenn es darum geht, ihrer Freundin Judith beizustehen. Die zierliche Kindfrau ist die Dramaqueen der Dienstagsfrauen. Sie bespricht ihre Probleme lieber, als dass sie sie löst. Doch wer will ihr das übel nehmen, jetzt, wo sie gerade Witwe geworden ist?
Nach dem Tod ihres Mannes findet Judith ein Tagebuch, das er über seine Pilgerreise nach Lourdes geführt hat. Arne, an Krebs erkrankt, konnte den Weg nicht zu Ende gehen. Die fünf Freundinnen machen sich auf, Arnes Reise zu vollenden – und ahnen nicht, worauf sie sich einlassen. Schritt für Schritt kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das ihr Leben durcheinanderwirbelt.

Monika Peetz, geboren 1963, studierte Germanistik, Kommunikations-wissenschaften und Philosophie an der Universität München. Nach Ausflügen in die Werbung und das Verlagswesen war sie Dramaturgin und Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk in der Redaktion Fernsehfilm und dort u.a. zuständig für »Tatort«, »Polizeiruf«, Kino-Coproduktionen und Einzelfilme. Seit 1998 lebt sie als Autorin in Deutschland und in den Niederlanden und ist Tutorin im Nürnberger Autorenstipendium.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

 

Markus Orths:  „Die Tarnkappe“
Dienstag, 19. April, 18 Uhr

Jeder hat sich schon einmal gewünscht, unsichtbar zu sein. Sehen können, ohne selber gesehen zu werden. Dinge tun, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Anderen Menschen beim Leben zuschauen und die Wahrheit über sie erfahren.
Simon Bloch, Mitte vierzig, bekommt eine solche Chance. Seinen Lebenstraum – Filmkomponist zu werden – hat er längst beerdigt. Und dann das: Vollkommen unerwartet gelangt er in den Besitz einer Tarnkappe, setzt sie auf und verschwindet vor den eigenen Augen. Blochs Leben gerät aus den Fugen.

In seinem höchst spannenden Buch verleiht Markus Orths einem faszinierenden literarischen Motiv seinen eigenen Sound. Ein Schwindel erregender, wilder Trip ins Nichts: hinein in das  was wir nicht sehen können – oder nicht sehen wollen.

Markus Orths wurde 1969 in Viersen geboren und studierte Romanistik, Englisch und Philosophie. Für seine Erzählungen wurde er mit dem Moerser Literaturpreis ausgezeichnet und gewann den Open Mike, einen der wichtigsten Literaturwettbewerbe für junge Schriftsteller. In 2006 erhielt er das Heinrich-Heine-Stipendium, 2008 den Telekom-Austria-Preis und 2009 den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld. Im Frühjahr 2011 erscheint der neue Roman »Die Tarnkappe«. Die Bücher »Lehrerzimmer«, »Catalina« und »Das Zimmermädchen« wurden in insgesamt zwölf Sprachen übersetzt.

Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW e.V.

 

Andreas Izquierdo:  „Apocalypsia“
Dienstag, 17. Mai, 18 Uhr

Nathanael ist nur ein einfacher Engel, und doch soll er die Prophezeiung erfüllen. Aber was, wenn sie eine Lüge ist? Und welche Rolle spielen Esther und Judith, die als Einzige auf Erden das Unheil kommen sehen?

Die Engel sind in Aufruhr, denn ihr Vater geht seinem Tod entgegen. Die Erkenntnis über seine Sterblichkeit ist ein Schock, das Versprechen von ewiger Liebe - ein Schwindel. Das Heer der Engel spaltet sich. Wer die Freiheit will, folgt Luzifer, dem mächtigsten unter ihnen. Sein Plan ist so schlicht wie verführerisch: Sind erst die missratenen Menschen vernichtet und er auf dem Thron, ist der Urzustand allen Seins wiederhergestellt. Die kleine Schar derer, die entschlossen die alte Ordnung verteidigen, ist ganz auf sich allein gestellt, und Intrigen, Verrat und Mord führen schließlich in die Katastrophe. Ein packender Fantasy-Roman, tempo- und actionreich erzählt!

Andreas Izquierdo, geboren 1968, zog nach dem Abitur zum Studium nach Köln und volontierte in einem Sportverlag. Er arbeitet als freier Schriftsteller und Drehbuchautor und ist Mitglied der Krimiautorenvereinigung Syndikat. Zuletzt erschien bei Rotbuch sein preisgekrönter Roman »König von Albanien« (2007).

Moderation: Annette Krohn, Stadtbüchereien Düsseldorf

 

Hansjürgen Bulkowski:  „Liebe zur Sache“
Dienstag, 21. Juni, 18 Uhr

Inzwischen sieht es so aus, als rückten die Dinge, Gegenstände, Sachen, mit denen wir leben, energischer als bisher in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Sachen geben unserem Dasein Färbung und Eigenart. Sie sagen etwas aus über uns und das kulturelle Umfeld, sind Teil unserer Anthropologie. Indem wir versuchen, den Standort und die Perspektive der Dinge einzunehmen, bringen wir uns in die Lage, die Welt, die wir zu kennen meinen, als eine unbekannte zu entdecken. Dinge sind keineswegs nur Spiegel, in denen wir uns reflektieren.

«Zuwendungen» nennt Bulkowski daher seine 56 lesenswerten Meditationen über die verschiedensten Sachen, die uns im Alltag begegnen: darunter Essbares wie Kirschen, Technisches wie Fahrkartenautomaten oder Natürliches wie tote Insekten.

Hansjürgen Bulkowski wuchs in Berlin auf und trat ab 1966 mit literarischen Texten, Lesungen und Happenings an die Öffentlichkeit. Ab 1969 lebte er als freier Schriftsteller in Düsseldorf. Von 1968 bis 1978 nahm er Lehraufträge zu den Themen „Literatur“ und „Medienkunde“ an der Fachhochschule Düsseldorf wahr. 1973 gehörte er zu den Begründern der Künstlergruppe RE'UN'ANZ und von 1978 bis 1986 leitete er eine Literaturwerkstatt in Düsseldorf. Seit Ende der 70er Jahre lebte Bulkowski viele Jahre in Meerbusch bei Düsseldorf. Seit 2008 wohnt er in Berlin.

 

Tom Schulz (Hrsg.) präsentiert: Nicolas Born „Liebesgedichte“
Dienstag, 19. Juli, 18 Uhr

"Es ist Sonntag/die Mädchen kräuseln sich und Wolken/ziehen durch die Wohnungen".

Nicolas Born (1937-1979) zählt heute zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschen Nachkriegsliteratur. Mit seinen Gedichten erregte er Anfang der siebziger Jahre Aufmerksamkeit. Er hatte sich auf den Weg gemacht über die konkrete Alltäglichkeit hin zu einer Schule der lyrischen Empfindsamkeit, die in seinen Gedichten einen neuen Ausdruck fand. Seine Gedichte wollen berühren, ohne sich aufzudrängen, sie sind eine zärtliche Geste, ein lässiger Wink. Das Thema der Liebe bleibt bei Born nie nur ein Gegenstand des Privaten, sondern es sucht die Idee der Gemeinschaft, die Vision einer solidarischen Gesellschaft. Es sucht nach dem Verhältnis von Mensch, Tier und Natur zueinander und miteinander.

In einem Nachwort zu Gedichten ihres Vaters schrieb Katharina Born: "Alle Gedichte meines Vaters sind Liebesgedichte." Die schönsten und trefflichsten hat der Lyriker Tom Schulz für diesen Band ausgewählt.

Nicolas Born wurde am 31. Dezember 1937 als Klaus Jürgen Born in Duisburg geboren. Er veröffentlichte mehrere Lyrikbände, Romane, Hörspiele, Erzählungen und Essays. Von 1969 bis 1970 hielt er sich auf Einladung des International Writers‘ Workshop der University of Iowa in den USA auf. Als Gastdozent für Gegenwartsliteratur unterrichtete er an der Universität Essen. Er erhielt er den Bremer Literaturpreis, den Rainer-Maria-Rilke-Preis, wurde mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstler ausgezeichnet und posthum mit dem Peter-Huchel-Preis.

Tom Schulz (Hrsg.), 1970 in der Oberlausitz geboren, wuchs in Berlin auf. Von 1991 bis 2001 arbeitete er in verschiedenen Jobs in der Baubranche. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Herausgeber in Berlin und Augsburg.

 

Klas Ewert Ewerwyn: „Immermanns Tafelrunde“
Dienstag, 20. September, 18 Uhr

In seinem neuen Buch widmet sich Klas Evert Ewerwyn dem Schriftsteller und Theatermann Carl Leberecht Immermann und schildert das Leben in der damals beschaulichen Kunst- und Gartenstadt Düsseldorf um 1834: Da Kurfürsten die Kultur nicht mehr fördern, übernimmt das Bürgertum die Verantwortung und sorgt im Nest von damals nur rund 30.000 Einwohnern für eine erstaunliche Blütezeit. Immermann wagt eine fortschrittliche Theatertradition, Mendelssohn-Bartholdy dirigiert große Konzerte, die staatlich-preußische Kunstakademie unter Wilhelm von Schadow lockt Studenten. Zusammen mit Gräfin von Ahlefeldt veranstaltet Immermann auf deren Gut Collenbach in Derendorf regelmäßige Tafelrunden mit den Künstlern. Klas Ewert Everwyn schildert in seiner historischen Erzählung die Beziehungen zwischen den daran beteiligten Künstlern Grabbe, Mendelssohn und Burgmüller vor dem Hintergrund des Verhältnisses des Initiators und Mentors Immermann und seiner Geliebten, der Gastgeberin Gräfin von Ahlefeldt.

 

Florian Meimberg: „Auf die Länge kommt es an“
Dienstag, 18. Oktober, um 18 Uhr

Das Kommunizieren in Kurzform per SMS oder Twitter hinterlässt seine Spuren in der Literatur. Wie, das zeigt das Buch Auf die Länge kommt es an, das der Düsseldorfer Autor Florian Meimberg am Dienstag, 18. Oktober um 18.00 Uhr in der Zentralbibliothek vorstellt. Grimme-Preisträger Florian Meimberg braucht nur 140 Zeichen für die ganz großen Geschichten. TINY TALES ist Literatur im Twitter-Format. Verdichtet auf ihre Essenz. Der Spannungsbogen ist reduziert auf maximal 3 Sätze. Der Twist explodiert im allerletzten Wort. Eine neue Form der Literatur.

Florian Meimbergs berufliche Heimat ist die Welt der Werbung. 14 Jahre lang hat er – hauptsächlich für internationale Agenturnetworks – Kampagnen für große Marken konzipiert und umgesetzt. Als verantwortlicher Creative Director betreute er rund um den Globus zahlreiche Filmproduktionen. Seine Arbeiten wurden mit allen großen Kreativ-Awards ausgezeichnet. Heute dreht er als Regisseur Werbespots, Imagefilme, Virals, Webisodes und Musikvideos.

 

Jo Lendle: „Alles Land“
Dienstag, 15. November, 18 Uhr

Alfred Wegener bricht 1930 auf, um der Menschheit zu zeigen, dass es möglich ist, am einsamsten Punkt der Erde, im grönländischen Inlandeis, zu überwintern. Aber es gibt Schwierigkeiten - er schafft es nicht mehr zurück zur Küste. Von Wegeners eisigem Grab aus blickt Jo Lendle zurück auf das Leben dieses letzten großen Helden der Polarforschung und verharrt überall dort, wo sich Geschichten darin finden: wie Wegener unfreiwillig einen Rekord aufstellt, indem er 52 Stunden mit einem Heißluftballon in der Luft bleibt, oder wie er von der versammelten Wissenschaftsgemeinde für seine verwegene Theorie der Kontinentaldrift ausgelacht wird, für die er erst drei Jahrzehnte nach seinem Tod Anerkennung findet.

Jo Lendle ist Kölner Autor und Verlagslektor.

 

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