Reisebilder – Literatur im Hofgarten

Die Reihe „Reisebilder – Literatur im Hofgarten“ die das Literaturbüros NRW, das Heinrich-Heine-Institut, das Kulturzentrum zakk, das Schauspielhaus und das Theatermuseum gemeinsam organisieren, wird in diesem Sommer fortgesetzt: Namensgeber für die Reihe ist Heinrich Heine, der mit seinen „Reisebildern“ ein völlig neues Genre geschaffen hat. Im Hofgarten auf „mosiger Steinbank“ situiert Heine zudem sein erstes großes Lektüreerlebnis.

An drei Sonntagnachmittagen lesen bekannte AutorInnen aus ihren Reiseromanen; an jedem Termin wird einleitend ein passender Text von Heinrich Heine von einer Schauspielerin bzw. einem Schauspieler des Schauspielhauses vorgetragen. Die Lesungen finden vor dem Theatermuseum statt; bei Regen wird der Veranstaltungsraum im Theatermuseum genutzt. Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 6. Juni, 15.00 Uhr ist Christine Neudecker mit ihrem Roman Nirgendwo sonst zu Gast:

Birma, Burma, Myanmar - einen deutschen Rucksacktouristen hat es mehr zufällig in dieses Land verschlagen, wo er auf die Dänin Stine trifft, die ihren Job aufgegeben und sich „auf die Reise nach etwas“ gemacht hat. Als Stine auf Ungereimtheiten in der Vergangenheit ihres neuen Freundes stößt, lässt sie ihn an einer Kreuzung stehen und fährt mit dem Bus davon.
Es beginnt eine verzweifelte und hektische Suche des Verlassenen, die ihn kreuz und quer durch das Land führt. Abseits von den touristischen Routen erfährt er viel über die politische Wirklichkeit des Landes.
Nach und nach enthüllt sich die auch Vergangenheit des Protagonisten, dessen Geschichte genauso undurchsichtig scheint wie der Staat selbst hinter dessen schöner Fassade sich die Willkürherrschaft der Militärdiktatur den Reisenden (fast) verbirgt.

Christiane Neudecker studierte Theaterregie und arbeitet als Regisseurin in Berlin. 2005 erschien ihr begeistert aufgenommenes Erzähldebüt In der Stille ein Klang, 2008 ihr erster Roman Nirgendwo sonst und 2009 der Erzählungsband Das siamesische Klavier. Neudecker hat für ihr Schreiben zahlreiche weitere Auszeichnungen erhalten.

Katrin Röver vom Düsseldorfer Schauspielhaus, die zurzeit in der Kabale und Liebe Inszenierung von Andreas Kriegenburg zu sehen ist, liest zum Auftakt einen Text von Heinrich Heine.

Sonntag, 4. Juli, 15.00 Uhr
Michael Ebmeyer, Der Neuling

Das Leben Matthias Bleuels ist in eine Sackgasse geraten. Sein Job als Logistiker bei einem schwäbischen Modeversand birgt keine großen Überraschungen mehr, zudem ist seine Ehe gescheitert.
Da kommt ihm sogar eine Dienstreise gerade recht – auch, wenn sie nach Sibirien führt und damit in einen Teil der Welt, den man gemeinhin mit Permafrostböden, Taiga und Öde assoziiert. Das Schild Welcome to Kemerovo – Capitale of Coal Miners am Flughafen klingt nicht gerade nach Weltmetropole, doch für Bleuel wird die Reise zu einem Wendepunkt in seinem Leben: Bei einem Konzert ist er vollkommen fasziniert von der Kehlkopfsängerin Ak Torgu, die einem kleinen indigenen Volksstamm angehört. Die Begegnung mit der Sängerin führt ihn tief in die fremde Welt der Schoren mit naturmagischen Praktiken und wodkaschweren Essensgelagen. Ganz neue Seiten entdeckt er aber auch an sich selbst, und die zufällig angetretene Dienstreise wird zum Beginn eines ganz neuen Lebens.

Michael Ebmeyer, geboren 1973, wuchs in Bielefeld auf. Er studierte in Tübingen und Barcelona, heute lebt er als Schriftsteller, Journalist und Übersetzer in Berlin. Mit der Gruppe Fön bringt er »Texte an Musik« auf die Bühne. Michael Ebmeyer veröffentlichte bisher: Henry Silber geht zu Ende (Erzählungen), Plüsch (Roman), K. L. McCoy, Mein Leben als Fön (Abenteuerroman, im Autorenkollektiv), Achter Achter (Roman) und Gebrauchsanweisung für Katalonien (Reisebuch).

Wolfgang Rupperti vom Düsseldorfer Schauspielhaus, der u.a. in den Produktionen Endstation Sehnsucht, Good Morning, Boys and Girls oder Die Beteiligten mitwirkt, liest zum Auftakt einen Text aus Heinrich Heines Reisebildern.

Sonntag, 18. Juli, 15.00 Uhr
Ralf Sotscheck, Nichts gegen Iren. Psychogramm eines komischen Volkes.

Die Insel in Europas Nordwesten: vielleicht der Flecken Erde mit den meisten Klischees pro Quadratmeter. Was aber erwartet den Irlandreisenden wirklich? Eine der jüngsten Bevölkerungen, die nach zwanzig Jahren Wirtschaftsboom wieder auf den Boden der Tatsachen geholt wurde. Doppelt so viele Schafe wie Menschen. Viel Regen, schwarzes Bier, Bingohallen und eine eigentümliche Sprache. Größen der Weltliteratur von Joyce bis McCourt. Hier sind Sagen und Legenden lebendig, schwebt die Feenfrau Banshee noch immer durch verwitterte Ruinen; hier erfand ein Dubliner den Grafen Dracula. Ralf Sotscheck erzählt mit irisch inspirierter Fabulierlust und lässt das bunte Mosaik einer Nation zwischen keltischer Tradition und Zukunftsfragen entstehen.

Ralf Sotscheck lebt seit 1985 in Dublin und ist irischer Staatsbürger. Er arbeitet als Korrespondent für die Berliner »tageszeitung« und veröffentlichte zahlreiche Reisebücher, u. a. »Nichts gegen Iren«. Seine Spezialgebiete sind der Rinderwahnsinn BSE sowie das schwarze Gold der Iren, das Guinness. Beide Themen erforscht er seit Jahren.

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