Nacht der Poeten

20 Jahre nach dem Mauerfall - Literatur aus Ost und West

Die deutsche Literatur ist in Bewegung. Das alte Ost-West-Koordinatensystem verblasst. Marcel Beyer („Kaltenburg“) ging von Köln nach Dresden. Julia Schoch („Mit der Geschwindigkeit des Sommers“) brach vom Scharmützelsee bei Berlin nach Paris auf. Und doch bleiben die Tiefenschichten des Erinnerns. An das Westberlin der 80er Jahre, in das Katja Lange-Müller („Böse Schafe“) übersiedelte. Oder an die große Aufbruchstimmung 1989, von der Thomas Brussig („Wie es leuchtet“) so eindringlich erzählt.

Marcel Beyer, Jahrgang 1965, schreibt in einem Essay für die Anthologie „Die Nacht, in der die Mauer fiel“ über seine damalige Reaktion auf die Bilder im Fernsehen: „In diesem Moment wusste ich nicht, welche Konsequenzen das für mich haben würde. Aber ich war mir sicher, es würde mein Leben beeinflussen.“ So war es auch: 1996 zog der Autor von Köln nach Dresden. Die Stadt an der Elbe wurde für ihn zum Ausgangspunkt einer historischen Spurensuche, die in dem viel beachteten Roman „Kaltenburg“ (2008) Gestalt annahm.
Thomas Brussig, 1965 in Berlin/Ost geboren, lieferte mit „Helden wie wir“ (1995) und „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ (1999) zwei burleske Abgesänge auf das Leben in der DDR, die beide verfilmt wurden. In „Wie es leuchtet“ (2004) erzählt er von der Aufbruchstimmung der Zeit zwischen den Sommers 1989 und 1990, als alles möglich schien und mehr passierte, als man je zu träumen wagte. Katja Lange-Müller, geboren 1951 in Berlin / Ost, siedelte bereits fünf Jahre vor dem Fall der Mauer nach Westberlin über. Am 9. November 1989 war ihr folglich zumute,„als säße ich in einem Zug, und sämtliche Bäume, an denen ich schon vorbeigefahren bin, kommen mir plötzlich wieder entgegen.“ So geht es auch ihrer Romanheldin in „Böse Schafe“ (2007), der Geschichte einer Liebe im geteilten Berlin der 80er Jahre. Julia Schoch, geboren 1974 in Bad Saarow / DDR, lebt nach Aufenthalten u. a. in Bukarest und Paris heute in Potsdam. Ihr neuer Roman „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“ (2009) handelt von zwei Schwestern: Während die eine nach der Wende in die Welt hinaus zieht, verharrt die andere selbstgenügsam in ihren engen überkommenen Verhältnissen. „Ich halte es für möglich“, heißt es einmal, „dass der wortlose Gleichmut jener Zeit in uns geblieben ist, dass wir ihn mitschleppen bis zum Tod.“

Musik: Donja Djember, Cello
Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW

Freitag, 12. Juni 2009, 21.00-0.00 Uhr, Kö Galerie, Königsallee 60, Düsseldorf.
Eintritt: 12,- Euro

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