Frisch gepresst

20. Januar:
Andreas Kläne, Totgeliebt, conbooks Verlag
Der Fall der Karin Krogmann machte bundesweit Schlagzeilen: Wodurch eine Frau, die jahrelang ein unauffälliges und anscheinend ereignisloses Leben geführt hat, zu einer Mörderin?
Andreas Kläne recherchierte anderthalb Jahre in Umfeld und Vergangenheit der Täterin. Er verfolgte den Gerichtsprozess und führte lange Interviews mit Karin Krogmann. In seinem Buch Totgeliebt zeichnet er den Verlauf ihres Lebens und ihrer Beziehung zu ihrem Ehemann nach - einer Verbindung, die für die Außenstehenden perfekt zu sein scheint. Er schildert eindringlich den langsamen, aber stetigen Weg aus der Alltagsbanalität in die Katastrophe und stellt implizit auch die Frage, wie weit eine gerechte Urteilsfällung überhaupt möglich ist.
Andreas Kläne war lange für verschiedene Verlage tätig und arbeitet heute als freier Journalist. Er verfasste zahlreiche Berichte und Reportagen.

17. Februar:
Miriam Yung Min Stein, Berlin Seoul Berlin, Fischer Verlag
Miriam Yung Min Stein wurde kurz nach ihrer Geburt im südkoreanischen Daegu zur Adoption freigegeben und wuchs bei ihren neuen Eltern im westfälischen Osnabrück auf. Auf der Suche nach ihren Wurzeln reist sie als junge Frau nach Seoul. Ohne ein Wort Koranisch zu sprechen, fällt sie mit ihrem asiatischen Gesicht auf der Straße zwar nicht auf; ihre Sprachlosigkeit isoliert sie dort aber ebenso wie ihr asiatisches Gesicht in Deutschland.
Miriam Yung Min Stein studierte in den USA Dramatic Writing und Drehbuch, sie arbeitete als Regisseurin und Texterin. Heute lebt sie in Berlin und unterrichtet neben vielen anderen Tätigkeiten an der Hochschule für Musik und Medien an der Musikhochschule Düsseldorf

17. März:
Jürgen Preuss: Alles in Buddha (mit Rolf Blaha, Bernhard Schulz und Georg Aehling) Edition Virgines
Räucherstäbchen und steinerne Buddhaköpfe findet man überall: Buddhismus hat Konjunktur in Deutschland, das ist unübersehbar – und verständlich. Wer sehnt sich nicht nach ein bisschen Ruhe und Gelassenheit im unüberschaubaren Alltag? Doch was hat es eigentlich wirklich auf sich mit dieser Philosophie und dem Überschreiten der eigenen Grenzen? Jürgen Preuss weiß vielleicht nicht alle Antworten, aber er kennt die Fragen. Und so hat er drei wichtigen Elementen der buddhistischen Lehre eine eigene Stimme gegeben und lässt Giery, Hassy und Ichy miteinander debattieren über Tugend und Kama, über die Vier Edlen Wahrheiten und über den achtfachen Pfad. Der in Düsseldorf geborene Jürgen Preuss erholt sich von seinem Berufsleben als Unternehmer, indem er satirische Lyrik und Prosa schreibt.

21. April
Tanya Lieske, Spion wider Willen, Droste Verlag
Paris 1935: Margarete ist mit ihrem Mann nach Frankreich emigriert, doch kurz darauf geraten sie in die Fänge der Gestapo. Als Spion „Albert“ arbeitet Margaretes Mann der geheimen Staatspolizei zu. Am Ende ihres Lebens stellt seine Frau sich den drängenden Fragen: Hat „Albert“ eine bekannte Kommunistin an die Deutschen ausgeliefert? Was ist geschehen im Sommer 1940? Mehr als 60 Jahre später geht die Journalistin Tanya Lieske dem Fall nach und fährt mit Margarete noch ein letztes Mal nach Paris, an den Ort des Geschehens.
Tanya Lieske arbeitet für verschiedene Zeitungen und moderiert im Deutschlandfunk eine Literatursendung.

19. Mai
Martin Huyn, Lautlos ja, sprachlos nein, EB-Verlag
Italiener, Türken, Russen – unter den Immigranten sind die Koreaner deutlich eine Minderheit, von der in Deutschland kaum etwas bekannt ist. Zumal sowieso meistens vermutet wird, es handele sich um Chinesen oder Japaner... Martin Huyn, in Krefeld geboren als Sohn koreanischer Gastarbeiter, hat hat sich in seinem ersten Buch mit dem Schicksal seiner Landsleute auseinandergesetzt. Er analysiert, warum gerade die Deutsch-Koreaner als Musterbeispiel vorbildlicher Integration gelten und erzählt – witzig, ironisch und scharfsichtig von seinen Erfahrungen in zwei Gesellschaften, in denen er zuhause und manchmal auch ganz schön fremd ist.

16. Juni:
Udo Achten, Düsseldorf zu Fuß, Klartext Verlag
Warum liegt die Berger Kirche so versteckt in einem Hinterhof? In welchem Düsseldorfer Restaurant soll Napoléon einmal gegessen haben? Wer weiß noch, dass Düsseldorf einst Zentrum linkspolitischer Agitation war und Ferdinand Lassalle sich mit seinen Gesinnungsbrüdern in der Bockhalle an der Poststraße 5 traf, wo jetzt gutsituierte Düsseldorfer und umsatzstarke Galerien residieren? Der Düsseldorfer Udo Achten kennt sich aus. Mit seinem neuen Buch begleitet er Sie durch die Stadt und erzählt Ihnen Geschichten, die Vergangenheit lebendig machen und ein ganz neues Verständnis wecken für die Stadt.
Udo Achten ist gelernter Papiermacher und arbeitete in den verschiedensten Berufen. Seit 1974 schreibt er Aufsätze und Bücher und verantwortet auch Ausstellungen und Filme zu gewerkschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Themen.

Dienstag, 18. August, 18.00 Uhr
Alfred Bekker, Tuch und Tod

Weil ein Trauma ihn verfolgt, ist Berringer aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Als Privatermittler wohnt er jetzt auf einem Hausboot im Düsseldorfer Hafen.
Zwei Anschläge auf den Krefelder Textilbaron Peter Gerath stören die Seidenstadt auf: Erst vergeht sich jemand an dessen Pferden, dann wird er selbst bedroht.
Gerath ruft Berringer zu Hilfe, und dieser taucht ein in einen Sumpf des Verbrechens. Die Krefelder Textil-Mafia packt niemanden mit Samthandschuhen an, und auch die schrägen Familienmitglieder des Textilbarons haben etliche Gründe, sich des Firmenpatriarchen zu entledigen.
Berringer ermittelt in höchst gefährlicher Angelegenheit - immer verfolgt von den Dämonen in seinem eigenen Kopf.

Alfred Bekker veröffentlichte zahlreiche Romane und Kurzgeschichten, die immer wieder neu aufgelegt und übersetzt werden: Science Fiction, Krimis, Fantasy und Gruselromane für Jugendliche. Später setzte er sich erfolgreich als Autor von epischen Fantasy-Büchern durch. Im Kinder- und Jugendbuchbereich schreibt er vor allem historische und phantastische Bücher.

Dienstag, 15. September, 18.00 Uhr
Georg Munk, d.i. Paula Judith Buber: Muckensturm
Herausgegeben von Prof. Dr. Henriette Herwig

Muckensturm. Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt ist ein Roman über die Anfänge des Nationalsozialismus in einer deutschen Kleinstadt, den Paula Buber unter dem Pseudonym Georg Munk veröffentlicht hat. Er entstand 1938-40 wurde aber erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gedruckt (1953). Nun wurde der Roman, diesmal unter dem Namen Paula Buber, von Henriette Herwig (Universität Düsseldorf), neu herausgegeben. Der Roman entstand im Jerusalemer Exil auf der Basis von Tagebuchnotizen. Hintergrund sind Erlebnisse Paula Bubers in Heppenheim, dem Wohnort der Familie.

Die Handlung beginnt mit dem Reichstagsbrand. Der Ort verändert sich zusehends: Braune Fahnen, ein Hakenkreuz aus Hülsenfrüchten als Schaufensterschmuck, Schulkinder in uniformen: Entwicklungen, die sich bald als Vorboten einer Katastrophe erweisen. Eine mysteriöse Sprengstoffexplosion aufgrund nächtlicher Waffenverschiebungen, erste, noch ergebnislose Hausdurchsuchungen bei Kommunisten und Juden, der Boykott der jüdischen Geschäfte, Schwierigkeiten mit dem „Arier“-Nachweis auch bei Christen, der plötzliche Tod einer Prostituierten im „Sternen“, Verhaftungen und Verhöre, Unfälle und Gewaltverbrechen zeugen vom Ende der Demokratie.

Paula Buber, geboren 1877 in München, war die Frau des Religionsphilosophen Martin Buber. Unter dem Pseudonym Georg Munk verfasste die Germanistin und Schriftstellerin einige Bücher. 1938 emigrierte die Familie nach Palästina.

Die Professorin Henriette Herwig lehrt an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Dienstag, 20. Oktober, 18.00 Uhr
Alexander Nitzberg (Übersetzer): Viktor Hofmann, Lüge
Als sich der Schriftsteller Viktor Hofmann, der als Sohn eines österreichischen Vaters und einer halbdeutschen Mutter in Russland geboren wurde, mit 27 Jahren erschoss, hinterließ er ein kleines, aber, wie jetzt festzustellen ist, sehr feines Werk: Im Lilienfeld Verlag, der sich seit 2006 um zu Unrecht vergessene Texte verdient macht, erschienen nun 28 Erzählungen, die der Düsseldorfer Autor und Übersetzer Alexander Nitzberg ins Deutsche übertragen hat.

Der in einem kulturbeflissenen Elternhaus aufgewachsene Hofmann schrieb bereits als Gymnasiast Gedichte und knüpfte früh Kontakte zu bedeutenden Vertretern der Moskauer Moderne. Sein Geld verdiente er dann als Essayist und Journalist. Er schrieb kürzere Prosatexte und versuchte sich auch an einem Roman, den er selbst vernichtet haben soll. Seine Geschichten führen mitten in das Lebensgefühl der russischen Décadence; Erotik, Liebe, Enttäuschung, Entfremdung sind Themen seiner Erzählungen, die die Faszination des Autors für die Untiefen der menschlichen Psyche widerspiegeln. Alexander Nitzberg hat sich daran gewagt, für den eigenwilligen und kunstwilligen Stil Hofmanns eine deutsche Entsprechung zu finden.
Alexander Nitzberg wird Leben und Werk des Autors, der sich selbst vor seinem Suizid als verrückt und vollkommener Idiot bezeichnete, vorstellen und auch über seine verdienstvolle Arbeit als literarischer Übersetzer sprechen.

Anne Mommertz (Projektleiterin), AutorInnen und KünstlerInnen
stellen vor: „Viele Seiten Oberbilk II“

Teil II des Projektes „Viele Seiten Oberbilk“ liegt die Idee zugrunde, Literaten und andere Künstler mit Wohnung oder Arbeitsplatz in Oberbilk vorzustellen, die sich darin in knapper From konkret mit ihrem Viertel beschäftigt haben. Der erste Teil enthielt eine Sammlung von Beiträgen, die die Künstlergruppe „Wo sind Sie zu Hause?“ mit Aufruf über die Presse und andere originelle Aktionen in der Bevölkerung zusammen getragen hatte. Die Projektleiterin Anne Mommertz sowie beteiligte KünstlerInnen und AutorInnen, u.a. Angela Litschev, Hans-Jürgen Söffker, Barbara Wolf, Life P., Jonas Jahn, Pamela Granderath und Kinder und Jugendliche der Jugendfreizeiteinrichtung V24 stellen ihre Texte und künstlerischen Oberbilk-Werke vor.
Anne Mommertz, 1965 in Aachen geboren, studierte an der Stadsacademie voor toegepaste kunsten, Maastricht und an der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie Meisterschülerin von Prof. Jan Dibbets war. Seit Mitte der 90er Jahre lebt sie als freischaffende Künstlerin in Düsseldorf. Zur Zeit überträgt Anne Mommertz das erfolgreiche Konzept „Viele Seiten Oberbilk“ in einen anderen Stadtteil und leitet das ortsspezifische Kulturprojekt „Viele Seiten Holthausen“ in Kooperation mit dem Zentrum plus des ASB in Düsseldorf – Holthausen.

Seit 2005 ist sie Mitglied der Künstlergruppe „Wo sind Sie zu Hause?“, die die Lust an der kulturellen Arbeit im öffentlichen Raum als Gemeinsamkeit zugrunde legen, wobei Art und Intensität der Arbeit sehr verschieden sind. Unter anderem führten sie die Projekte „Oberbilker Straßenmuseum“, „Kultur vor der Tür“, „Lesesaal international“ und „Worringer Platz Führung“ durch.

Moderation: Maren Jungclaus, Literaturbüro NRW e.V.

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