Die Erfindung der Vergangenheit

Die Anfänge des historischen Romans im frühen 19. Jahrhundert entwickelten sich parallel zu dem Beginn einer kritischen Geschichtsforschung, die sich von der Tradition einer ästhetisch inspirierten Geschichtsschreibung löst. Seither existieren die beiden Ansätze nebeneinander. Im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte haben sich deren Voraussetzungen und Verfahren einander angenähert. Während die kritische Geschichtsforschung sich zunehmend erzählerischer Methoden bediente, beanspruchten viele historische Romane ein quellenkritisches Maß an Genauigkeit. In den letzten Jahren allerdings lässt sich in Büchern wie Daniel Kehlmanns “Die Vermessung der Welt” eine Renaissance des historischen Romans beobachten, der nicht länger behauptet, zu dokumentieren, was tatsächlich geschah, sondern im Gegenteil die Unzuverlässigkeit des Autors betont.
Diese Renaissance des Erzählens soll in einer Veranstaltungsreihe mit sechs Abendterminen im Heinrich-Heine-Institut im Herbst 2008 eingehend untersucht werden, zu der außerdem parallel ein Seminar an der Heinrich-Heine-Universität geplant ist.
Alle Abendveranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr und werden von der Programmleiterin des Heinrich-Heine-Instituts Dr. Karin Füllner, dem Literaturredakteur der Rheinischen Post Dr. Lothar Schröder, sowie dem Leiter des Literaturbüros NRW Michael Serrer moderiert.

Termine

20.11.2008

Reinhard Jirgl liest “Die Unvollendeten”

Der 1953 in Ostberlin geborene Schriftsteller erzählt in seinem Roman von der Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland, als einem der großen deutschen Traumata, und rückt in erster Linie die Unmöglichkeit, seiner eigenen Vergangenheit zu entfliehen, in den Focus. Moderation: Dr. Lothar Schröder

27.11.2008

Larissa Boehning liest “Lichte Stoffe”

Die 1971 in Wiesbaden geborene Schriftstellerin verknüpft in ihrem Familienroman die Geschichten eines Mädchens, das sich 1946 allein in der Trümmerwüste Berlins wiederfindet, und deren Enkelin, die sich auf die Spur des Erbes und der Geschichte ihrer Großmutter begibt. Moderation: Dr. Karin Füllner

4.12.2008

Dieter Kühn liest “Ein Mozart in Galizien”

Der 1935 in Köln geborene Schriftsteller erzählt in seinem Roman die Geschichte eines Sohnes des großen Komponisten, der sich - beruflich im Schatten seines Vaters und unglücklich in eine verheiratete Frau verliebt - nach Galizien zurückzieht. Moderation: Dr. Karin Füllner

22.01.2009

Felicitas Hoppe liest “Verbrecher und Versager”

Die 1960 in Hameln geborene Schriftstellerin portraitiert in ihrem Erzählband fünf historische Personen, die allesamt als “schwarze Schafe” ihrer Familien ihr Glück in der Ferne und im Abenteuer suchen und grandios scheitern.
Moderation: Michael Serrer

 

29.01.2001

Christof Hamann liest “Usambara”

Der 1966 in Überlingen geborene Schriftsteller thematisiert in seinem Roman die Erstbesteigung des Kilimandscharo durch den Entdecker des Usambaraveilchens und besonders die nachträgliche Rezeption dieses Faktums durch dessen Urenkel.
Moderation: Dr. Lothar Schröder

5.02.2009

Ilija Trojanow liest “Der Weltensammler”

Der 1965 in Sofia (Bulgarien) geborene Schriftsteller beschreibt in seinem Roman drei Stationen der Biographie Richard Francis Burtons, eines Beamten der East India Company, in Indien, Arabien und Afrika, und das letztendliche Scheitern dieses selbstbestimmten Lebensentwurfes.
Moderation: Michael Serrer

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