Frisch gepresst

Dienstag, 15. Januar 2008, 18.00 Uhr
Christof Hamann / Susanne Catrein (Fotos)
Warschauer Lapidarium

Im Sommer 2004 reisten Susanne Catrein und Christof Hamann im Rahmen eines vom Literaturbüro NRW und der Kunststiftung NRW vergebenen ‚Metropolenstipendiums' nach Warschau. Dort erstellten sie eine Foto-Text-Collage, deren Zentrum der Warschauer Aufstand von 1944 bildet. Gegenwart und Vergangenheit treten in den Prosaminiaturen von Christof Hamann und den Fotos der Künstlerin Susanne Catrein in einen Dialog, der vom Ankommen-Wollen und Nicht-Ankommen-Können handelt.

Christof Hamann veröffentlichte im Steidl Verlag die Romane Seegfrörne (2001), Fester (2003) und Usambara (2007); außerdem unterrichtet er Literatur und Literarisches Schreiben an verschiedenen Universitäten und Institutionen. Zusammen mit der bildenden Künstlerin und Fotografin Susanne Catrein lebt der Autor in Solingen. Das Warschauer Lapidarium erschien in dem Düsseldorfer Verlag XIM Virgines. Moderation: Michael Serrer, Literaturbüro NRW

Dienstag, 19. Februar
Viola Eckelt und Axel von Ernst: Der Lilienfeld Verlag stellt vor:
Oswald Spengler, Ich beneide jeden, der lebt

Düsseldorf hat einen neuen Verlag! Verlagsfusionen sind allerorten zu beobachten und werden heftigst beklagt, andererseits setzen dieser Entwicklung aber mehr und mehr Kleinverlage ihre mutigen und spannenden Programme entgegen. In einer Pempelforter Wohnung, deren Wände tapeziert sind mit Büchern, befindet sich der Lilienfeld-Verlag und vier zarte, zwei noch blühende und zwei schon vergangene Blüten, pflanzten Viola Eckelt und Axel von Ernst in ihr erstes Programm: Paul Kersten, Peter Hein, Knud HjortØ undOswald Spengler sind die vier Autoren, die neu oder wieder gelesen werden können. Viola Eckelt und Axel von Ernst stellen an diesem Abend die Aufzeichnungen aus dem Nachlass Oswald Spenglers vor, die ein ganz anderes Bild des "Raubtierphilosophen" vermitteln.

Dienstag, 18. März
Rolf Bönnen, Der große Tanz

Man schreibt das Jahr 1349 im Rheinland: Markus von Geldern, als Zweitgeborener nur mit den Pfründen eines Abtverwesers im Kloster Köln-Mülheim abgespeist, greift vom Ehrgeiz besessen nach der Macht im Reich und verschwört sich gegen den Thron des Erzbischofs in Köln. Nur einer steht ihm noch im Weg: Gilbert, ein junger Mönch, der ausgerechnet die Jüdin Rebecca liebt, die von Gelderns Macht ins Wanken bringen könnte. Gilbert rettet sie aus dem Feuer eines geheimen Hexenprozesses und bringt sie und sich damit in umso größere Gefahr.
Rolf Brönnen schlug zunächst die Universitätslaufbahn ein, arbeitete dann für den Bayerischen Rundfunk, als Regisseur und Theaterleiter. Heute schreibt er Drehbücher und Romane für Jugendliche und Erwachsene.

Dienstag, 15. April
Larissa Boehning, Lichte Stoffe

Als Nele Niebuhr von einem Degas-Gemälde erfährt, das sich am Ende des Zweiten Weltkrieges im Nachlass ihrer Großmutter befunden haben soll, geht es für sie um mehr als ein Familienerbe: Um das Bild rankt sich eine Familiengeschichte, deren Wahrheit zum großen Teil verborgen ist. Nele macht sich in Amerika auf die Suche nach ihrem verschollenen Großvater - und damit auf die Suche nach ihrer eigenen Herkunft und Identität.
Larissa Boehning
Larissa Boehning wurde 1971 in Wiesbaden geboren. Sie studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg und Berlin. Zurzeit hat sie einen Lehrauftrag für Literarisches Schreiben an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

Dienstag, 20. Mai:
Bille Haag, Der Abfahrer - und wie ihm das Leben entgegenkam

Alfred Zarteck wird fünfzig, und er feiert diesen Geburtstag auf dem Rad, schwitzend durch die Cervennen radelnd, um im Talkessel bei seinen wartenden Freunden anzukommen. Und während er unermüdlich strampelt und schwitzt, während er Kilometer um Kilometer hinter sich lässt, kommt ihm sein eigenes Leben entgegen: Vom Juni 1950, als er am Fronleichnamstag zur Welt kam, bis zum Sommer 2000; vom Düsseldorfer Geburtsort bis zum "Lebensmittenfest" in den südfranzösischen Cevennen; Wir lesen von Alfreds Kindheit und Jugend, und wir lesen die Sprache der Zeit, die Floskeln und Sentenzen, in denen sich Zeitgeist ablagerte.
Bille Haag wuchs in Düsseldorf und Gelsenkirchen auf; heute lebt sie in Freiburg und im Ruhrgebiet. Der Abfahrer ist der Debütroman der 65jährigen.

Dienstag, 17. Juni:
Reglindis Rauca, Vuchelbeerbaamland

Irgendwie stimmt es von Anfang an nicht. Marie hat rote Haare und fühlt sich wie ein Hexenkind. Als ebenso widerspenstiger wie unsicherer Wildfang wächst sie im idyllischen Vogtland auf. Stoisch blendet die Mutter alles aus, was über den engsten Familien- und Kirchenkreis hinausgeht, der Vater erzieht die Kinder warmherzig, aber voll unterschwelliger Wut auf "die Roten".
Man verhält sich unauffällig - Marie jedoch fällt aus dem Rahmen. Und eines Tages wird ihr Weltbild vollkommen erschüttert, als sie erfährt, dass ihre Familiengeschichte Geheimnisse birgt und nichts so ist, wie sie dachte...
Reglindis Rauca, geboren 1967 in Plauen, lebt in Düsseldorf. Ausbildung zur Krankenpflegerin in Dresden, Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Engagements an verschiedenen Theatern. Tätigkeit als Werbetexterin und Grafikerin. "Vuchelbeerbaamland" ist ihr erster Roman.

Dienstag, 19. August, 18.00 Uhr
Theo R. Payk: Das Böse in uns - Über die Ursachen von Mord, Terror und Gewalt

Was lässt Menschen zu Mördern werden? Wie lassen sich Sadismus und Folter nachvollziehen? Das Böse scheint überall präsent. Es dient als Metapher für Unglück und Verderben und beschäftigt die Menschen seit jeher. Naturkatastrophen und Hungersnöte wurden der unberechenbaren Einwirkung böser Mächte, auch der Strafe Gottes zugerechnet. Nach christlicher Auffassung ist seit Adam und Eva jeder Mensch von Geburt an mit der Erbsünde behaftet. Auf metaphysischer und ethischer Ebene existiert der Begriff des Bösen auch in der Philosophie und der Kulturgeschichte.
Mit zahlreichen Beispielen geht Theo R. Payk der Bedeutung des Bösen auf den Grund, von den Mythen vorchristlicher Zivilisation über Hexenverbrennung im Mittelalter, Nationalsozialismus und religiösem Fanatismus bis zur Verherrlichung von Gewalt in unserer Zeit. Psychologisch analysiert er die Ursachen, die Menschen zu Mördern und Vergewaltigern werden lassen und nutzt dabei sein Wissen aus Kriminalstatistiken, Aggressionshypothesen und der Hirnforschung.

Theo R. Payk, 1938 geboren, studierte Medizin, Psychologie und Philosophie. Von 1983 bis 2003 Direktor des Psychiatrischen Zentrums der Ruhr-Universität Bochum, jetzt ärztlicher Leiter der Fliedner-Klinik Düsseldorf. Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge, Fach- und Sachbücher und Belletristik.

Dienstag, 16. September, 18.00 Uhr
Hans-Gerd Koch, Kafka in Berlin

Über Franz Kafkas Beziehung zu seiner Geburtsstadt Prag ist wurde schon viel geschrieben – weniger beachtet wurde, dass auch Berlin ein wichtiger Bezugspunkt für den Autor war. Die erste Begegnung mit Berlin war eher zufällig: Weil eine Furunkolose ihn gezwungen hat, seinen Parisurlaub mit den Brüdern Brod abzubrechen, verbrachte er ein paar Wochen später seinen Resturlaub allein in Berlin. Die Stadt wird für ihn zum Sehnsuchtsort: Schriftsteller in Berlin will er werden, raus aus dem Prager Beamtendasein und rein ins wahre Leben in der Stadt der Tanzpaläste, der Varietés und Theater, der Künstlerzirkel und –cafés. Berlin, die Stadt des modernen Lebens und des Fortschritts, ist auch die Stadt, in der Felice Bauer lebt, die Kafka bei Max Brod kennenlernt. Mehrmals kehrt Kafka zurück, zuletzt 1923, als er schon schwer gezwichnet ist von der Tuberkulose.
Hans-Georg Koch, der auch Herausgeber der Kritischen Kafka-Ausgabe ist, studierte für seine Spurensuche alte Zeitungen, zeitgenössiche Reiseberichte und Fotos. Sein nun pünktlich zum 125. Geburtstag des Autors erschienene Band ist nicht nur ein neuer Mosaikstein in der unendlichen Kafkaforschung, sondern auch ein Buch über die Stadt Berlin und deren Bewohner zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Dienstag, 21. Oktober, 18.00 Uhr
Enno Stahl, Diese Seelen

Enno Stahl hat sich umgesehen in seiner Umgebung und aus dem, was er gesehen hat, Geschichten gemacht. Gescheiterte Existenzen bevölkern seinen neuen Roman: Da ist der realitätsferne Soziologe Robert, der in die Arbeitslosigkeit rutscht, während seine Ex-Freundin Tess, eine Fernsehjournalistin, an ihrer Skrupellosigkeit scheitert. Jürgen, der aus dem Kölner Kleinbürgertum stammt, träumt von einer großen Karriere als Tänzer, versagt in der Show von Tess aber auf ganzer Linie. Und dann ist da noch seine Schwester Mika, die als Arbeitsvermittlerin ein geregeltes Leben sucht, aber das Gegenteil davon findet.

Enno Stahl lebt in Neuss und ist am Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut beschäftigt. Für seine Prosa, Lyrik, Essays, Glossen und Beiträge für Zeitschriften und für den Hörfunk wurde er vielfach ausgezeichnet.

Dienstag, 18. November, 18.00 Uhr
Alexander Konrad, Übersetzer, stellt vor: Donald Windham, Dog Star

Wie klein wären unsere Buchhandlungen, welche Lücken klafften in den Regalen – gäbe es sie nicht, die literarischen Übersetzer, diese Brückenbauer zwischen den Welten. Einer von ihnen ist zu Gast in der Reihe Frisch gepresst: Alexander Konrad stellt seine Übersetzung des gerade im Düsseldorfer Lilienfeld Verlag erschienen Romans Dog Star des amerikanischen Autors Donald Windham vor.
Im Atlanta der dreißiger Jahre verschwindet der fünfzehnjährige Blackie nach dem Selbstmord seines Freundes aus der Erziehungsanstalt und kehrt nachhause zurück. Von seiner Familie wird er gleichgültig empfangen, seine Freunde sind ihm fremd geworden. So treibt er sich in den heißen Straßen herum und versucht, seine Trauer zu überwinden, etwas Liebe und irgendwo eine Aufgabe zu finden. Er baut an seinem Ideal von Unnahbarkeit und Stärke, doch alles erweist sich als zäh und widerspenstig.
Dieses Psychogramm eines Unterschichtsjungen gehört zu den Klassikern der Südstaatenliteratur und wurde jetzt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt.

Alexander Konrad, geboren 1974, lebt als Autor, Lehrer und Übersetzer in Düsseldorf. Seit 1999 hält er Lesungen in Düsseldorf, Köln und Berlin. Er veröffentlichte in Anthologien und Literaturzeitschriften, zuletzt – gemeinsam mit dem Berliner Künstler Ruprecht von Kaufmann – die Text-Bild-Collage The Mermaid Singing in der Literaturzeitschrift sprachgebunden.

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