Weiterbildung

Die Literaturbüros in NRW
Weiterbildung für Autorinnen, Autoren und Literaturvermittler 2006

Die vier Literaturbüros in NRW laden Sie auch im Jahr 2006 herzlich ein, unser Seminarangebot zu nutzen. Über die Jahre konnten Schriftstellerinnen und Schriftsteller in "Meisterklassen auf Zeit" und mit Hilfe von Weiterbildungsbausteinen ihr persönliches Berufswissen erweitern. Kenner des Marktes aus Verlagen, Fachleute aus den Medien, Wissenschaftler von Universitäten und erfahrene Autorinnen und Autoren tragen als Referenten zum hohen Niveau der Seminare bei. Da die Profession des Autors weder Lehre noch Fachschule noch Hochschule kennt, versuchen die Literaturbüros mit ihren Seminaren literarische Begabungen zu entdecken und Talente zu fördern. Das Gesamtprogramm der vier Literaturbüros in NRW finden Sie hier:
www.literaturbuero-ruhr.de

Text-Doktor: Schreibwerkstatt und Verlagskunde

Art des Seminars: Seminar an zwei aufeinander folgenden Tagen
Termin: 01./02. Juli 2006, jeweils von 10.00 - ca. 17.00 Uhr und öffentlicher Veranstaltung am Samstagabend
Ort: Literaturbüro NRW e.V.
Bilker Straße 5
40213 Düsseldorf

Gebühren: 90 €
Teilnehmer: 10
Anmeldeschluss: 10. Juni 2006
Bedingungen: Anmeldung mit Biobibliographie und Text (ca. 5 Seiten)
Referent: Dr. Martin Hielscher, Programmleiter Literatur im C.H. Beck Verlag


Wie wird der Gedanke zum Buch?
Diesen Weg aufzuzeigen, ist das Ziel des Seminars mit Dr. Martin Hielscher, dem Autor, Kritiker, Übersetzer und Programmleiter der Sparte Literatur beim Münchner C.H. Beck Verlag.

Ist die Angst vor dem weißen Blatt ist überwunden, dann hält der Text der eigenen kritischen Überprüfung noch lange nicht stand: Da hängt ein Bild schief, da klemmt ein Adjektiv und irgendwo lässt auch die Logik zu wünschen übrig... Und dann - wie gelangt das fertige Manuskript zwischen zwei Buchdeckel und schließlich auf den Ladentisch? An zwei Tagen sollen die Texte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv auf ihre Lesertauglichkeit abgeklopft werden und Fragen rund um die Verlagstätigkeit behandelt werden: Welche Möglichkeiten gibt es, einen Verlag zu finden? Wie trete ich als Autor/Autorin an einen Verlag heran? Welche Rolle übernehmen Literaturagenturen? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars treffen sich an zwei aufeinander folgenden Tagen. Am Samstagabend findet ein öffentlicher Vortrag von Dr. Martin Hielscher mit anschließender Diskussion statt, in dem das Funktionieren eines Publikumsverlages dargestellt wird.

Dr. Martin Hielscher ist Autor, Kritiker, Hochschuldozent und Übersetzer. Er hatte Lehraufträge und Gastprofessuren im In- und Ausland und war zunächst als Lektor beim Luchterhand Literaturverlag und dann bei Kiepenheuer & Witsch in Köln tätig. Seit 2001 ist er Programmleiter für Literatur im C.H. Beck Verlag, München.


Schreiben fürs Hören

Art des Seminars: Seminar an zwei aufeinander folgenden Tagen
Termin: 09./10. September 2006, jeweils von 10.00 - ca. 17.00 Uhr
Ort: Literaturbüro NRW e.V.
Bilker Straße 5
40213 Düsseldorf

Gebühren: 80 €
Teilnehmer: 10
Anmeldeschluss: 01. August 2006
Bedingungen: Anmeldung mit Bibliographie und Text (ca. 5 Seiten)
Referent: Dr. Jürgen Keimer


Der Hörer kann nicht zurückblättern. Ein einziger unverständlicher Ausdruck kann ihn aus der Bahn werfen, und während er noch darüber nachdenkt, was der Sprecher mit "rezeptionshistorischer Annäherung" oder "Biozid" gemeint hat, hat der Sprecher schon weitergesprochen - und seinen Hörer verloren. An solche Schwierigkeiten muss man insbesondere beim Verfassen von Radiotexten denken, aber immer, wenn es um das Verfassen von Sprechtexten geht, soll der Schreibende an den Hörenden, nicht an den Leser denken. Der Leser kann komplexen Satzkonstruktionen nachsinnen, kann entlegene Wörter notfalls nachschlagen - der Hörer kann das nicht. Ihn muss die Botschaft unmittelbar erreichen. Wer für Hörer schreibt, muss versuchen, sein Publikum unmittelbar, mit dem ersten Wort, bei den Ohren zu packen. In der zweitägigen Fortbildung "Schreiben fürs Hören" werden kleine Texte verfasst, vorgetragen, diskutiert und korrigiert. Am Beispiel anerkannter "guter" Literatur wird gezeigt, dass nicht alles, was wunderbar zum Lesen ist, sich auch zum Hören eignet. Immer geht es darum, das Sprechen des eigenen Textes schon beim Schreiben mitzubedenken, den eigenen Atem mit den Wörtern und den Sätzen zu koordinieren. Und natürlich soll erfahren werden, dass das Sprechen eigener Texte Spaß machen kann. Dr. Jürgen Keimer studierte Katholische Theologie u.a. am Pariser Institut Catholique. Nach der Arbeit im kirchlichen Dienst des Bistums Essens begann Keimer mit dem Studium der Geschichte und Kunstgeschichte. Er arbeitet als freier Journalist und war Leiter der Redaktionsgruppe Aktuelle Kultur beim WDR 5-Hörfunk.

Die Kunst des Geschichtenerzählens

Vom Erlebten zum Erfundenen, vom Erfundenen zum Erzählten
Seminar mit der Schriftstellerin Liane Dirks

12. November bis 23. November 2006
Hotel Televrin, Insel Losinj/Kroatien

Einladung

"Das ist ja eine tolle Geschichte!" Haben Sie das auch schon mal gedacht? Und den Wunsch gehabt sie aufzuschreiben?
Oder: "Ein Leben wie ein Roman!" Aber womit fange ich an?
"Mir ist da etwas ganz verrücktes passiert!" Aber wie erzähle ich das?

Geschichten erleben und erfahren wir alle täglich, kleine und große, fremde und bereits vertraute, lustige und traurige, solche, die uns kalt lassen und andere, die uns nicht mehr loslassen und die eine, die wir selber sind. Denn die für uns größte aller Geschichten ist unser Leben, vom Anfang bis zum Ende. Und so wie jedes Leben einen eigenen Ausdruck hat, so hat auch jede Geschichte ihre eigene Sprache.
Von all dem zu erzählen und zu schreiben ist eine Kunst.
Und wie bei jeder Kunst gehört dazu das Handwerk.

In diesem Seminar soll das Handwerk des Geschichtenerzählens erlernt werden. Das Wechselspiel von Finden und Erfinden wird erprobt, wie aus Fakten Fiktion wird. Damit sind nicht zwingend die großen Ereignisse gemeint, sondern auch und gerade die kleinen Beobachtungen des Alltags, die eine Geschichte erst zum Leben erwecken.
Genauigkeit, Beobachtungsgabe, gute Recherche, das Nachdenken über die Personenführung, die Suche nach dem eigentlichen Thema, dies alles dient letztlich dem Finden der Sprache und der Form für unseren "Stoff".
Je genauer wir sind, desto besser verstehen wir unsere Geschichte. Je besser wir die Geschichte verstehen, desto klarer wird unsere Sprache und - der Nebeneffekt - desto besser verstehen wir uns selbst.

Jenseits vom sommerlichen Badetourismus bieten die Inseln Cres und Losinj im Herbst genau jene Mischung aus Fremdheit und Vertrautheit, in der sich Kreativität so gut entfalten kann. Das Land gibt sich eigenwillig, es fordert zur Begegnung, nicht zur Vereinnahmung auf. Hier, wo einst Jason, der Räuber des goldenen Vlies und Entführer der Königstochter Medea, gemordet haben soll, haben die Geschichtsbücher bis heute viel Stoff zu bieten. Völker und Sprachen begegneten sich, das Meer, die Landschaft und die Bewohner behaupteten sich.
Grund genug, sich inspirieren zu lassen und Neues zu entdecken.

Die Teilnehmer sollten Lust am Schreiben im Gepäck haben, Mut sich auszuprobieren und Freude an anderen interessanten Menschen. Sie kommen reich bepackt zurück!

Grundlage des Seminars ist die von Liane Dirks entwickelte Erzähltheorie des "erzählten Raums". Sie wird in ihren Grundzügen vorgestellt und erprobt. Der Ablauf des Seminars ist allerdings flexibel, hängt er doch auch sehr von den Wünschen der Teilnehmer ab, der Entwicklung der Texte, den Fragen und selbstverständlich den Begegnungen.
Alle Teilnehmer schreiben in dem Seminar einen neuen Text, dessen Entstehung, Entwicklung und "Zukunft" begleitet und diskutiert wird. Bereits entstandene Texte oder Fragen zu Schreibprojekten können im Einzelgespräch mit Liane Dirks erörtert werden. (s. auch Anmeldung)

Sonntag, 12. November 2006

Begrüßung, Vorstellung, Ablauf
"Jeder Anfang kommt überraschend"
Wir tauschen Vorstellungen und Erwartungen an das Seminar aus, lernen uns kennen und erproben uns in einer ersten, kleinen Lockerungsübung

Montag, 13. November 2006

"Der erzählte Raum"
Wir erfahren, was eine Geschichte wirklich ist, setzen uns anhand von drei Beispielen mit Romananfängen auseinander, dann erhält jede und jeder den Schreibauftrag.
Nach dem Mittagessen ist ausreichend Zeit, für eine erste kleine Ortsbegehung.
Nachmittags:
"Was wäre, wenn" Es ist wie im Leben: Wir entdecken die Geschichte als unentwegten Ablauf von Entscheidungen. Nach so viel Neuem setzen wir uns abends entspannt bei Kaminfeuer und Wein zusammen.

Dienstag, 14. November 2006

"Aber dann"
Der Vormittag steht zunächst dem Schreiben zur Verfügung, später beschäftigen wir uns mit dem Unterschied von Entscheidungen und Wendepunkten, es kommt bereits Bewegung in unsere Geschichte. Bei einer Führung durch den Ort entdecken wir am Nachmittag dessen wechselhafte Geschichte, außerdem steht eine Werftbesichtigung auf dem Programm.

Mittwoch, 15. November 2006

"Das Mobiliar" - was macht die Geschichte aus?
Den Vormittag widmen wir zunächst den Fragen, die sich inzwischen ergeben haben. Am Nachmittag beschäftigen wir uns mit Personal, Ort, Zeit und somit der Sprache unserer Geschichte.
Nachmittags unternehmen wir einen kurzen Ausflug zur Kapelle Maria Annunziata auf der Landspitze vor der Cicatbucht, sie birgt einen Votivbilderschatz, Unwetter, Katastrophen, Schiffsbrüche, jedes Bild erzählte eine Geschichte! Am Abend ist Zeit zum Schreiben und Erzählen.

Donnerstag, 16. November

"Wer, wie, was und wo"
Heute widmen wir uns der Recherche, sie ist das A und O des Schreibens, auch und gerade, wenn ein Text sehr persönlich ist. Am Nachmittag wandern wir nach Osor, dem einst dicht bevölkertem Zentrum der Inseln mit Schiffspassage, Purpurschneckenzucht und Stadtmauer. Im frühen Mittelalter war Osor Bischofssitz.
Abends lockeres Beisammensein, wir besprechen alle Fragen rund um den entstehenden Text.

Freitag, 17. November

Der ganze Vormittag ist dem Schreiben gewidmet.
Am Nachmittag Lesung und Diskussion der Texte aller Teilnehmer. Jeder Text wird in seiner Qualität und Ernsthaftigkeit gewürdigt und auf das Erlernte hin überprüft.
Am Abend liest Liane Dirks aus ihrem Roman "Krystyna", der die Liebesgeschichte einer polnischen Jüdin zu einem jungen Deutschen in den frühen 60er Jahren erzählt und der zum Teil in Kroatien spielt. Sie zeigt auf, wie Zeitdokumente, Tonbandprotokolle und ähnliches in den Roman

einmündeten.

Samstag, 18. November

"Leinen los!"
Hat eine Geschichte erst einmal angefangen, erzählt sie sich von selbst, man muss nur zuhören! Wir fahren aber erstmal raus aufs Meer zur Weininsel Susak, wo wir einen Weinkeller besuchen werden. Bei gutem Wetter wird an Bord gegrillt! Am Abend diskutieren wir, wie man den Kurs hält beim Erzählen, welche "Inseln" man "anläuft" und welche nicht.

Sonntag, 19. November
Gelegenheit zum Besuch eines katholischen Gottesdienstes im Franziskanerkloster oder in der Dorfkirche von Nerezine. Schreibzeit.
Am Nachmittag ist Zeit für Einzelgespräche mit Liane Dirks über den zu schreibenden Text und andere Projekte. Abends: "Das Geheimnis der Sprache" - über Liebe und Genauigkeit

Montag, 20. November

"Vor Anker gehen"
Den Vormittag widmen wir zunächst dem kreativen Umgang mit Blockaden, dann stimmen wir uns auf das Ende ein, der erzählte Raum schließt sich wieder. Anhand von drei Beispielen und Übungen planen wir das Ende unserer Geschichte.
Nachmittags Zeit zum Schreiben.
Abends Lesung: Jeder Teilnehmer trägt seinen überarbeiteten und erweiterten Text vor.

Dienstag, 21. November

"Ausblicke"
Nach dem Frühstück Diskussion der am Vorabend gelesenen Texte, offene Fragen werden erörtert, in welche Richtung könnten die Geschichten weiter gehen. Danach verschaffen wir uns einen grandiosen Ausblick, wir besuchen zunächst Cres, in venezianischer Zeit die Hauptstadt der Inseln, und danach die Höhensiedlung Lubenice, in spektakulärer Lage.
Mit solchen Aussichten kann man am Abend sehr gut Abschied feiern!

Mittwoch, 22. November

Auf Wiedersehen!
Nach Bus- und Fährfahrt Flug mit Hapag-Lloyd Express von Rijeka ( ) nach Köln/Bonn ( ).

(Änderungen in Programmablauf und -organisation vorbehalten.)

Reiseleitung vor Ort: Denni Boldin, Nerezine, Kroatien.

Liane Dirks, 1955 in Hamburg geboren, ist seit 1986 freie Schriftstellerin. Sie veröffentlichte bisher 5 Romane, zuletzt: Vier Arten meinen Vater zu beerdigen, 2002, Narren des Glücks, 2004 und Falsche Himmel, 2006, alle im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln.
Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Zuletzt erhielt sie den renommierten Preis der LiteraTourNord 2003. Liane Dirks leitete die Köln-Düsseldorfer Poetiklesungen und arbeitete als Literaturkritikerin im Deutschlandfunk, sie schrieb Drehbücher für den WDR und absolvierte eine Ausbildung an der europäischen Schule für Drehbuchautoren, SOURCES.
In den Sommermonaten lehrt sie u.a. creative writing in den USA.
Ihr zweiter Roman "Krystyna", neu aufgelegt als Paperback bei KiWi, enthält Passagen, die im heutigen Kroatien und in Norditalien spielen. Für weitere Informationen siehe auch: www.liane-dirks.de und www.kiwi-koeln.de

Teilnahme:
Es kann grundsätzlich jede und jeder an diesem Seminar teilnehmen, der Lust am Schreiben und Erzählen hat und Interesse am Austausch mit Anderen. Schreib-Erfahrene profitieren davon ebenso wie Anfänger.
Texte, die in Arbeit sind, können und sollen mitgebracht werden, um sie gemeinsam zu diskutieren. Teilnehmer mit konkreten Projekten und Schreiberfahrung sollten ein 2seitiges Exposé und max. 10 Seiten Text vorab bei der Autorin einreichen. Dies ist keine Teilnahmevoraussetzung.

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