Metropolenschreiber 2005

Im 3. Jahr entsendet die Kunststiftung NRW gemeinsam mit dem Literaturbüro NRW zwei Autoren aus Nordrhein-Westfalen in eine europäische Metropole:

Im Juli/August wird Norbert Hummelt in Dublin leben und schreiben, im Oktober /November wird sich Barbara Köhler in London aufhalten. Die Erlebnisse der Autoren in den Metropolen Dublin und London können Sie mitverfolgen: Norbert Hummelt und Barbara Köhler werden uns kurze Berichte zusenden, die wir hier veröffentlichen.

Norbert Hummelt

geboren 1962 in Neuss, studierte bis 1990 Germanistik und Anglistik in Köln und lebt dort seither als Lyriker und freier Publizist. Er schrieb Essays u.a. zur Romantik und Moderne und übersetzte u.a. Inger Christensen und T.S. Eliot. Zuletzt erschienen die Gedichtbände singtrieb (Buch und CD, 1997), im März 2001 Zeichen im Schnee (Sammlung Luchterhand) und Stille Quellen (2004). Zudem arbeitete Hummelt mit an der Neuübersetzung der Werke von William Butler Yeats. Die Stimmen der Autoren, mit denen Hummelt sich in seinen Essays und durch seine Übersetzungen intensiv beschäftigt hat, beeinflussen seine eigene Schreibweise: das Schroffe und das Weiche, die klassisch strenge Form und spontan anmutende Sprachbewegungen, eingängliche Sprachbilder zeichnen seine Lyrik aus.

Barbara Köhler

wurde am 11. April 1959 in Burgstädt geboren, aufgewachsen ist sie im sächsischen Penig, besuchte die Oberschule in Plauen. Nach dem Abitur arbeitete sie zunächst als Altenpflegerin und in verschiedenen Funktionen am Theater in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. 1985 bis 1988 studierte sie am Institut für Literatur "Johannes R. Becher" in Leipzig. Nach der Wiedervereinigung war sie für verschiedene Zeitungen tätig. Barbara Köhler lebt heute in Duisburg. Barbara Köhler schreibt experimentelle Lyrik, Essays zu bildender Kunst, Katalogbeiträge und erarbeitete temporäre und ständige Textinstallationen für den öffentlichen Raum. Zuletzt veröffentlichte sie Tender Buttons. zarte knöpft (Suhrkamp 2004), ZEIT ZUM ESSEN. Eine Tischgesellschaft: food, objekts and portraits by Gertrud Stein (Edition Urs Engeler 2001). Unter vielen anderen Preisen erhielt sie den Lessing Förderpreis (2001), den Literaturpreis des Ruhrgebietes (1999) und den Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg (1996)

1. Brief aus Dublin / Von Norbert Hummelt

Es war gut, nicht zu fliegen, aber anstrengend war es auch. Vom Rheinland nachts ueber die Autobahn bis Hoek van Holland, mit der ersten Faehre bis Harwich an der englischen Ostkueste, drei Tage spaeter vom walisischen Kuestenort Holyhead hinueber nach Dublin: Wenn man so reist, behaelt man ein Gefuehl fuer den ueberbrueckten Raum, empfindet die Versetzung an einen fernen Ort nicht als Spuk wie etwa nach einem Transatlantikflug, wenn Gefuehl und klarer Verstand erst mit tagelanger Verspaetung in den zu rasch befoerderten Koerper zurueckkehren. Wir aber nahmen uns Zeit, entlegene Orte am Weg kennenzulernen, und so konnte ich mir meinen lang gehegten Traum erfuellen, den Garten von Burnt Norton zu sehen. Auf keiner Landkarte ist er zu finden, aber im Weltatlas der Poesie nimmt er einen besonderen Platz ein, seit der Dichter T.S. Eliot in diesem versteckten Winkel der huegeligen Cotswolds im Suedwesten Englands 1934 mit seiner Jugendliebe Emily Hale spazieren ging. Das erste seiner "Four Quartets" benannte er nach Burnt Norton, dem Anwesen der Familie Sanders, die seither damit leben muss, dass immer wieder Eliot-Enthusiasten aus aller Welt den im Gedicht beschriebenen Rosengarten und die leeren Bassins im verwilderten Park in Augenschein nehmen moechten. Da muss man schon hartnaeckig sein am Telefon, um von Lady Caroline durch den Garten gefuehrt zu werden - und dann erfahren wir sogar noch ein Geheimnis: Eliot kam nicht als geladener Gast, sondern als "trespasser" durch den Wald auf das Grundstueck und hat im Gegensatz zu uns die geraeumige Grosskueche der Sanders nie von innen gesehen.
Nicht ganz so fuerstlich, aber fuer die Beduerfnisse eines freischaffenden Paars mit zehnmonatiger Tochter luxurioes ist das Backsteinhaeuschen im Dubliner Stadtteil Drumcondra, in dem wir nun fuer zwei Monate wohnen. Drumcondra liegt im aermeren Norden der irischen Hauptstadt, noch fusslaeufig zur Innenstadt. Die David Road ist eine angenehm stille Sackgasse inmitten des ueberbordenden Metropolengetoeses, das man, mit verbundenen Augen hier ausgesetzt, einer weit groesseren Stadt als Dublin zuschreiben wuerde. Unsere Gasse stoesst auf den Royal Canal, den wir im Verdacht haben, eben jener Wasserweg zu sein, den die Pogues in ihrer unvergesslichen Hymne "Dirty Old Town" besingen, und dieser Ohrwurm faellt uns nun bei jedem Weg in die City an, "dream the dream by the old canal". Nachrichten aus Deutschland erreichen uns hier mit Verspaetung, so wussten wir tagelang nichts ueber den Ausgang von Schroeders Vertrauensfrage. Aber eben klingelte ein Lokalpolitiker der Fianna Fail-Partei an unserer Tuer und fragte, ob wir zufrieden seien - das hat man zu Hause auch nicht alle Tage. Wir koennen nicht klagen und bald haben wir auch das irische System der Muelltrennung verstanden, nach dem Papier und Blechbuechsen in dieselbe gruene Tonne wandern. Andere Laender, andere Zeichensysteme: Ein guter Ort, um Gedichte zu schreiben. Naechstens mehr.

2. Brief aus Dublin / Von Norbert Hummelt

Fuer irische Verhaeltnisse ist dies ein sehr guter Sommer. "Nice morning", das hoert man oft und es heisst nur, dass es nicht regnet, so grau und vergleichsweise kuehl der Tag auch ausschauen mag, und solche Tage haben wir hier oft. Wie gestern, als wir am Strand von Sandymount spazieren gingen, der im dritten Kapitel von James Joyce' "Ulysses" die Kulisse fuer den Monolog des Stephen Dedalus abgibt. Vom Tang und den Muscheln am Strand wandern seine Gedanken hin zum Leichnam eines Ertrunkenen, der neun Tage nach seinem Tod wieder angeschwemmt werden soll, wie es ein Aberglaube besagt. Einige Menschen sind in den letzten Tagen ertrunken an den Straenden Irlands, erfuhren wir aus den Abendnachrichten. Die Wege sind hier besonders kurz zwischen der Lektuere und der wirklichen Welt, und insbesondere der "Ulysses" ist im Alltag gar nicht zu uebersehen. Bronzene, ins Trottoir eingelassene Tafeln, wie ich sie neulich bei der O'Connell-Bridge fand, lassen den Besucher aus Deutschland unwillkuerlich an die Deportationsdaten juedischer Buerger denken, an die in unseren Grossstaedten in aehnlicher Form erinnert wird - hier aber gelten die Tafeln Textstellen aus dem "Ulysses", vornehmlich den Wanderungen Leopold Blooms. Joyce' Romanheld war uebrigens Jude, und er muss sich im "Zyklopen"-Kapitel antisemitische Sprueche anhoeren.
"Ulysses" als "Buch fuer die Stadt"? In Deutschland wohl undenkbar, aber hier in Dublin ist das ein Dauerzustand, sogar Kinder sollen schon an dieses Hauptwerk der klassischen Moderne herangefuehrt werden. Neu gelesen aber habe ich in diesen Tagen nicht den "Ulysses", sondern das "Portrait des Kuenstlers als junger Mann", das die Kindheit und Jugend von Joyce' Alter Ego Stephen Dedalus erzaehlt. Dieser immer noch beeindruckende Roman kommt sehr gut ohne die stilistische Spannbreite und das auftrumpfende Universalwissen des spaeteren Werkes aus, wenn er die Auseinandersetzung des Helden mit den beengten Verhaeltnissen seiner Herkunft schildert. Losgeloest von den formenden Kraeften des Elternhauses, des irischen Nationalismus und der katholischen Kirche macht sich Stephen am Ende des Buches auf den Weg ins Exil. Der lange geschmaehte Autor, der die Heimat im kritischsten Licht erscheinen liess, wird mittlerweile einhellig gefeiert, doch die von ihm abgelehnten Instanzen bestimmen, wenn auch in abgeschwaechter Form, weiter das Leben in Irland. Der Repubik Eire geht es gut in der EU, davon ist in den Strassen und zumal in den teuren Laeden der florierenden Innenstadt mehr zu spueren als vom immer noch labilen Friedensprozess der nationalen Konfliktparteien. Krawalle im Norden der Insel aber gab es neulich wieder wie jedes Jahr beim Marsch der Oranier. Die Kirche wirkt eher matt, zumindest strahlen die ohne Orgel und Gemeindegesang heruntergehaspelten Messen wenig Glanz aus - aber man sieht darin junge Leute, die sonntagsmorgens schon ihre Trikots tragen, in denen sie danach zum Hurling, einem irischen Schlagballspiel, ins Stadion ziehen. Die Rolle der Familie scheint sich am sichersten behauptet zu haben. Das zeigt nicht nur die Geburtenstatisik, sondern auch das Laecheln, das unserer kleinen Tochter unentwegt zufliegt, wenn wir sie durch die Strassen schieben. Naechstens mehr.

3. Brief aus Dublin / Von Norbert Hummelt

Kuerzlich war es wieder einmal so weit: eine Proklamation der IRA stellte das Ende des bewaffneten Kampfes in Aussicht, der Nordirland seit 35 Jahren traumatisiert. Die irischen Zeitungen waren in den folgenden Tagen voll mit bis zu zehnseitigen Dossiers. Aber man kann soviel lesen wie man will: Der politisch aufgeladene Glaubenskrieg bleibt in seinen komplizierten historischen Frontverlaeufen schwer zu begreifen. Auf einer Tagesfahrt ins zwei Zugstunden entfernte Belfast sprangen mir wie von selbst ins Auge: ein protestantisch missionierender "tea room" in der City, ein provisorisch an einem Zaun befestigtes Kruzifix in der Vorstadt (vielleicht kam an dieser Stelle ein Mensch ums Leben) und ein Plakat, in dem Opfer der "troubles" ermutigt werden, sich professionelle staatliche Hilfe zu suchen.
Im urbanen Treiben Dublins fehlen solche Zeichen, aber man stoesst umso leichter auf Staetten der Erinnerung an die Vorgeschichte des Konflikts. So kann ich nicht am General Post Office in der O'Connell-Street vorbeilaufen, ohne an den Osteraufstand von 1916 zu denken. Damals hatten 1600 Maenner und Frauen der Irish Republican Brotherhood, eines Vorlaeufers der IRA, mitten im Weltkrieg die britische Herrschaft fuer beendet erklaert und von diesem Postamt aus die Republik ausgerufen. Nach sechs Tagen war die Rebellion blutig niedergeschlagen, die Anfuehrer wurden hingerichtet. Der Dichter William Butler Yeats schrieb darueber eine Reihe von Gedichten, das bekannteste ist "Easter 1916" mit den vielzititierten Zeilen: "All changed, changed utterly - a terrible beauty is born" ("Alles aenderte sich vollstaendig - furchtbare Schoenheit entstand"). Nicht bloss diese Verse kann ich im Schlaf singen, denn ich habe mich drei Jahre lang mit einer vollstaendigen, neu uebersetzten Ausgabe der Gedichte von Yeats befasst, die jetzt erscheint. Auf seinen Spuren waren wir in den vergangenen Wochen auch im Westen der Insel unterwegs, in Sligo, wo Yeats bei seinen Grosseltern in die Feenwelt der irischen Mythologie eintauchte, und in dem alten Normannenturm in Galway, den er in den zwanziger Jahren bewohnte und bedichtete. Als Esoteriker mit politischem Geltungsdrang, als ewig in die stolze Revolutionaerin Maud Gonne verliebter Traeumer und Schoepfer eines kraftvollen und vielfaeltigen lyrischen Werkes ist der Nobelpreistraeger von 1923 ein Phaenomen, das in sich so komplex und widerspruechlich ist wie die Geschichte der "troubles" - denn Yeats gehoerte, wie viele Intellektuelle, der kleinen protestantischen Elite an und unterstuetzte doch den Freiheitskampf, der aus Irland die katholische Republik Eire machte.
Auch das Irische Nationaltheater, das Abbey Theatre in Dublin, geht auf seine Impulse zurueck. Das dramatische Gesamtwerk seines Weggefaehrten John Millington Synge wird derzeit im Olympia Theatre aufgefuehrt. 1907 sorgte der "Playboy of the Western World" im Abbey fuer Tumulte, da das Stueck um einen Vatermord ein Tabu beruehrte. Tumulte gibt es heute keine mehr, und doch geht immer noch ein Raunen durch den Saal, wenn der Held mit blutigem Spaten auf der Buehne erscheint. Naechstens mehr.

Literaturhinweis: "William Butler Yeats - Die Gedichte", hrsg. von Norbert Hummelt, erscheint Ende August im Luchterhand Literaturverlag. Die Gedichte wurden neu uebersetzt von Marcel Beyer, Mirko Bonné, Gerhard Falkner/Nora Matocza, Norbert Hummelt und Christa Schuenke.

4. Brief aus Dublin / Von Norbert Hummelt

Standbilder gibt es viele in Dublin, unter ihnen Heilige, Rebellen und Staatsmaenner. Einer, der auch ein Rebell war und von seinen Fans beinahe wie ein Heiliger verehrt wird, ist der Rockmusiker Phil Lynott, dessen Bronzeplastik kuerzlich in einer Stichstrasse der Grafton Street, im Shoppingparadies des Dubliner Suedens, enthuellt worden ist. Auf seine Bassgitarre gestuetzt und in einem Anzug, der fuer die Buehne etwas zu fein gewesen waere, steht dort der Chef der legendaeren Band Thin Lizzy und laesst sich geduldig mit den Touristen ablichten: "The boy is back in town", fast 20 Jahre nach seinem Tod. Wie es sich fuer einen irischen Helden beinahe gehoert, waren massiver Alkoholkonsum und andere Drogen Schuld an dem mehrfachen Organversagen, das ihn am 4. Januar 1986 fuer immer verstummen liess.
Das scheint nicht lange her, und doch wuerde Lynott die Stadt in vielem nicht mehr wiedererkennen, die seither, wie das ganze Land, einen gewaltigen Boom erlebte. "Die Leute sind nur noch hinter dem Geld her", meinte kuerzlich ein alter Herr aus der Nachbarschaft, waehrend sich ein junger Komponist, mit dem ich mich in einem Café unterhielt, noch gut erinnern kann, dass frueher laengst nicht alle Kinder in Irland feste Schuhe hatten. Dublin ist wohlhabender und wohl etwas langweiliger geworden in den letzten 20 Jahren, aermer auch an originellen Gestalten, wie Lynott eine war. Trotzdem scheint er mit seinen Songs das Lebensgefuehl der jungen Generation zu treffen, davon zeugen die Traeger von Thin Lizzy-T-Shirts in den Dubliner Strassen. Und wenn er in epischen Stuecken wie "Black Rose" die Helden der irischen Mythologie, Cuchulain und Queen Maeve, aufleben laesst, tritt er in ueberraschende Naehe zum Nationaldichter William Butler Yeats.
Zwei Monate Dublin liegen hinter uns: eine gute Zeit im Leben und im Schreiben. Wenn ich auch zugeben muss, dass mich Spielbergs "War of the Worlds" im Kino staerker beeindruckte als die Dichterlesungen im Arts Centre der Bank of Ireland, denen ich zuhoerte. Wenn ich auch sagen muss, dass mich die Ganggraeber, Dolmen und Tumuli aus der Steinzeit, die mittelalterlichen Hochkreuze und Klosterruinen im ganzen Land mehr fasziniert und angeregt haben als die Malls und Pubs der City. Aber der Royal Canal gefaellt mir, hier im Norden, wo die alte Stadt noch etwas schmutziger sein kann, wenn man Glueck hat. Und die Sirenen, die uns an New York erinnern. Und die naechtlichen Wege allein durch die Stadt. Sieben Gedichte fuer meinen naechsten Band sind hier entstanden, ferner die Uebersetzung eines langen Gedichts von William Wordsworth, etliche E-Mails und Briefe aus Dublin. Viel gelesen habe ich im "Penguin Book of German Verse", das mir im in einem Café-Antiquariat nicht in Dublin, sondern in Belfast zufiel, und wieder neu in den Gedichten von Seamus Heaney, der in den Siebzigern dafuer plaedierte, die Steinzeitgraeber am Boyne wieder zugaenglich zu machen. Nun haben wir uns davon ueberzeugt, dass man seinem Rat gefolgt ist, und schiffen uns beruhigt wieder ein.

1. Die Schauplätze/ Von Barbara Köhler

DAS ENDE DER WELT ist in Camden; aber gleich danach kommt man nach Kentish Town. Es gibt ja bekanntermaßen ein Eastend von London - gerade wer sich noch nicht hingetraut hat, hat bestimmt davon gehört - und es gibt das elegante, hippe, bunte, aufregende etc. Westend, das auch schon aus lauter Gemeinplätzen besteht, an denen keine wirklichen Menschen wohnen. Beide Enden sind für die Stadt noch lange kein Grund zum Aufhören.
Ein Southend gibt es in Gestalt von Southend-on-Sea an der Ostküste, nördlich der Themsemündung: wo Essex aufhört und auch sonst einiges, womit London wenig zu tun hat. Ob es aber einen Süden von London gibt und der irgendwo endet, erscheint seltsam zweifelhaft. Wohl existiert ein südliches Themse-Ufer, mit drei, vier (seit ca. 2000) gerne erwähnten Landmarken. Das London Eye gehört dazu, jenes Riesen-Riesenrad, das wahrscheinlich nur an diesem anderen Ufer steht, damit man es von Westminster besser sehen kann, und die Tate Modern, von der aus sich (neben in diesem Zusammenhang auch schmückender Kunst) die City mit St.Paul's Cathedral bewundern lässt. Blickfänge, Spiegel, Panoramen: man sieht durch sie, aber nicht hindurch. Schon in der Tudor-Zeit war die Southbank ja der Ort für Theater und Spektakel. Jetzt ist hier von einer "Waterfront" die Rede; dahinter hört für gewöhnlich die Wahrnehmung - und nicht nur die der Reiseführer - einfach auf.
Im Norden befindet sich, wie schon gesagt, praktischerweise gleich das Ende der Welt. Nördlich von Euston, St. Pancras und King's Cross, den drei großen Bahnhöfen und zugleich letzten Stationen der innenstädtischen Verkehrszone 1. Nördlich auch vom Regent's Park mit dem London Zoo, der unbedingt noch zur Welt gehört (wenn auch unklar sein dürfte, zu welcher). Vielleicht wird die Grenze markiert durch den Grand Union Canal, der East- und Westendähnliches miteinander verbindet, und durch Camden einen kleinen Nordbogen schlägt. "The World's End" ist nur ein paar Schritte vom Kanal entfernt und man wird direkt damit konfrontiert, wenn man an der Camden Town Station die U-Bahn verlässt. Einmal habe ich sogar versucht hinein zu gehen, aber das Ende der Welt war erfüllt von schon jenseitig laut wummerndem Hard Rock. Das muss man mögen. Und das Ende der Welt war voll von Leuten, die das augenscheinlich mochten. Inzwischen bevorzuge ich eher das lokale Lokal: "The Assembly House" an der Kreuzung neben der Kentish Town Station. Da hat man das Ende der Welt schon ungefähr anderthalb Kilometer hinter sich.
Kentish Town ist die Camden nächste Station auf der Northern Line - vorausgesetzt man erwischt den richtigen "Branch". Denn auf keiner der Londoner Linien kann man sein Ziel so gründlich und vielfältig verfehlen wie auf der Northern; es sei denn, dieses Ziel wäre Camden - oder tief in jenem ungewissen Süden, wo die Endstation Morden heisst. Die Linie verzweigt sich in Camden sowohl Richtung Norden, wobei ein "Egdware Branch" und ein "High Barnet Branch" entstehen und letzterer noch ein Ästchen nach Mill Hill East treibt, als auch Richtung Süden, um die innere Stadt einmal durch die City, via Bank, und einmal durch die Mitte, via Charing Cross, zu durchqueren. Dazu kommen unterschiedliche Endstationen, die irgendwie, irgendwo auf der Strecke, den vier Strecken liegen, die insgesamt "The Northern Line" bilden: eine gut genutzte Gelegenheit zum understatement.
Camden Town aber ist die Station, in der alle Möglichkeiten gekreuzt und gemischt werden. Und an der sich das Ende der Welt befindet. Vielleicht ist ja der Kanal, der auch "Regent's Canal" genannt wird (unter George IV. geplant von John Nash, dem Architekten des Regency Style), eine Art Styx, bei dessen Überschreiten man eine Anderwelt betritt. Vielleicht jenes sagenhafte Reich, auf das inselweit mit vielen Straßenschildern verwiesen wird, mit Pfeilen, die alle Richtung Himmel deuten, und der kryptisch wirkenden, abstrakten Bezeichnung THE NORTH. Vielleicht ist ja Kentish Town der südliche Vorposten jener Gegend, in der wilde, fremde Völker, Kelten, Pikten, oder gar die legendären Hyperboreer zu vermuten wären, jene Glücklichen, die sich die alten Griechen "jenseits des Nordwindes" dachten. Und neuerdings ein Ort namens Hogwarts. Falls dem so sein sollte, ist Kentish Town allerdings perfekt camoufliert; vielleicht ist aber doch nur eine Welt ohne Touristen gemeint, in der Alltag passiert. Ein auf den ersten Blick reizendes, mittelschichtiges Viertel, in dem viele junge Leute ab Mitte, Ende 20 leben, mit kleinen Kindern, die auf Dreirädern in den Seitenstraßen diesseits der Highstreet unterwegs sind, und wohlgenährten Eichörnchen. Die Eichörnchen sind grau und nicht wirklich putzig; ein bisschen rattig vielleicht. Die andere Seite der Highstreet ist eine andere Sache. Die Kinder sind an Halloween alle Vampire, Hexen und Gespenster, die Bosheiten androhen, so man ihnen nichts Süßes gibt. Aber sie tun das noch recht nett. Und man gibt ihnen Süßes.
Im "Assembly House" versammeln sich Abend für Abend Runden, die in Deutschland sofort als vorbildlich multikuturell gebrandmarkt würden; hier treffen sich bloß Leute verschiedener Herkünfte und Hautfarben, mit dem gemeinsamen, verbindlichen Merkmal "Mittelschicht"; eine Generation der Konsolidierung, für die Kontakte und Freundschaften wichtig sind. Manchmal spürt man ein kleines Beben, fährt ein Thameslink-Zug unter der Kreuzung vorbei. Die Musik ist dezent bis egal, nur am Wochenende wird aufgedreht. Am Wochenende fahren die jungen Familien ins Grüne, nach Kew oder Greenwich oder gleich mit dem Thameslink (der in Kentish Town hält, und nicht in Camden) nach Süden: nach Brighton, ans Meer, an den Channel, dem Gegenstück zum Canal, wo auch die exotischste Blüte des Regency, John Nashs "Royal Pavilion" zu finden ist. Und vielleicht befindet sich dort sogar das andere Ende dieser Welt, das eigentliche Southend von London. Näheres aber demnächst.

 


Barbara Köhler, Kentish Town, 02.11.2005

2. Das Nähere/ Von Barbara Köhler

Es gibt diesen weissen Streifen direkt an der U-Bahnsteigkante und in circa 30 cm Abstand parallel einen gelben. Dazwischen steht mit großen, deutlichen, weissen Buchstaben, in übersichtlichen Abständen wiederholt, mal für die Ein-, mal für die Aussteigenden lesbar, der Satz MIND THE GAP. Es gibt auch Stationen, an denen er ausserdem noch aus den Lautsprechern scheppert, wenn ein Zug hält; dort gibt es tatsächlich eine bemerkenswerte Lücke zwischen Zugtür und Bahnsteigkante, in der auch mehr als eine Monatskarte oder ein Schlüsselbund verschwinden könnte. Aber zu lesen steht MIND THE GAP prinzipiell an allen Bahnsteigkanten Londons, und je länger ich hier bin, desto gewisser erscheint mir, dass damit mehr, viel mehr gemeint ist als allein dieser eventuell unfallversicherungstechnisch relevante Spalt. Zum einen wäre da der Unterschied zu dem - in meiner Erinnerung eher in den USA gebräuchlichen - MIND (bzw. WATCH) YOUR STEP; dass mündige Bürger auf ihre Schritte achten, wird hier in England stillschweigend unterstellt. Und heisst es nicht tatsächlich auch jemandem zu nahe zu treten, wenn man ihn oder sie in aller Öffentlichkeit auffordert: Pass auf, wo du hintrittst?! Spricht daraus nicht schon der Vormund, unser alter Onkel Sam, der Fernsehprediger? Klingt das etwa nicht wie ein moralischer Appell, diese Warnung vor dem Fehltritt? Und auch der beabsichtigte Endeffekt scheint ja dem Satz schon eingeschrieben: ein versicherungstechnisches (und etwas gehässiges) "Selber Schuld!"
MIND THE GAP dagegen achtet auch gestisch auf Abstand, weist auf den Abstand hin, den es zu beachten gilt und wahrt ihn gleichzeitig. Indem gap nicht nur eine Lücke, sondern auch den Unterschied zwischen zwei Objekten, einen Leer- oder Freiraum sowie eine variable Entfernung bezeichnet, kann der Satz als generelle Gebrauchsanleitung für die Tube gelesen werden. Die sich morgens und abends zur rush hour in die Züge pferchen sind auf Abstand, vor allem als innere Haltung, in mind, angewiesen. Geübt in der Kunst, einander in den beengtesten Verhältnissen nicht zu nahe zu treten, höflich und auf eine hochkonzentrierte Weise abwesend. Lesen ist dafür eine bewährte und kultivierte Technik; schafft doch jedes Buch eine gap zwischen dem Hier und einem Anderswo, eröffnet sich die Möglichkeit eines Freiraums. Und die Londoner lesen mit augenscheinlicher Begeisterung, bei weitem nicht nur Zeitschriften und Zeitungen. Erstaunlich zum Beispiel, wie selten man auf einen Leser der "Sun" trifft, jenem berüchtigten Äquivalent zur Bildzeitung, die ja in Deutschland oft die einzige öffentliche Lektüre zu sein scheint; mehr als einen pro voll besetztem Wagon habe ich eigentlich noch nie erlebt, sodass ich schon grüble, wie die Auflagenhöhe zustande kommt. Etwas häufiger ist der "Evening Standard" vertreten, der direkt an den Eingängen der Tube-Stationen verkauft wird, auf der Titelseite meist nur eine riesige Schlagzeile, ein Foto und ein verschwindendes bisschen Artikel, innen ausführlicher. Da Montage immer so eine Sache sind und die Vogelgrippe auch am vergangenen Wochenende nicht auf der Insel landete, titelte der "Standard" an diesem Montag wiedermal mit 7/7: "TERROR DANGER ON OUR TRAINS"; ich bin an dem Tag einiges gefahren, aber niemandem begegnet, der seinen Mitreisenden diese Headline vor die Nasen gehalten hätte. Es gibt keine Papierkörbe auf den Bahnsteigen und in den größeren Stationen immer wieder Durchsagen, die beginnen "In the interest of security..." Wenn der Zug manchmal im Tunnel hält, kann man sehen, dass es nur 30 cm bis zur Wand sind und man kaum Chancen hätte, falls was passiert. Die Tube ist eine Art Mutterbauch von "Lady London": körperwarm, eng und furchtbar verletzlich. Die Dienstagsausgabe des "Evening Standard" kostete nur die Hälfte.
Sonst wird fast alles gelesen, vom Bestseller bis zur "History of the Domestic Horse, Donkey and Mule", Bücher in extremer Vielfalt, und Noten, durchaus komplizierte Partituren, Geschäftsberichte, mathematische Formeln habe ich gesehen, Mangas von Telefonbuchstärke im japanischen Original, dazwischen die Touristen mit ihren vielsprachigen Reiseführern und Stadtplänen. Merkwürdig war, dass eine Zeit lang immer neben der zweiten Tür rechts in Fahrtrichtung jemand Dan Browns "Da Vinci Code" las, ganz unterschiedliche Leute. Aber das hörte nach ungefähr einer Woche auf, als ich gerade begann ein Komplott zu argwöhnen. Sonst könnte man eher die Vielfalt für eine Verabredung halten; aber vielleicht ist auch das eine Form TO MIND THE GAP: der Differenz eingedenk zu sein. Nicht möglichst das Gleiche wie der Nachbar tun, haben oder sein zu wollen, sondern anderes, anders, eigen. Und am ersichtlichsten erscheint dies im England auf engstem Raum, in der Tube oder z.B. in den Vorgärtchen von Kentish Town, mit ihren drei bis zehn Quadratmetern, von denen keines dem anderen auch nur im entferntesten gleicht. Zwischen Betonwüste und Dschungel ist alles möglich: Müllkippe oder japanischer Kiesgarten mit Bambus, barocker Knotengarten oder buntes Country-Border (es ist erstaunlich, was hier im November noch blüht), Brennessel-Biotop oder Topfgarten auf schwarzweissen Fließen oder Sandsteinplatten, zwischen denen exakt 1 Löwenzahn sprießt, oder Mülltonnenstellplatz oder Kompakthecke oder Miniterassen-Anlage, Geißblattlaube, Rosenhag, Efeuhügel, Mooslandschaft, bunte Kitschkiste oder klassisch formaler Buchs…all das und noch viel mehr, unvermittelt nebeneinander: MIND THE GAP. Der Satz erscheint mir als das englische Mantra schlechthin und zunehmend unübersetzbar, auch eine gap zwischen den Sprachen bedeutend: mind lässt sich beispielsweise als Substantiv lesen, das keinen Unterschied macht zwischen den - im Deutschen so deutlich geschiedenen - mentalen Kräften von Erinnerung, Gefühl und Verstand. Oder das Ganze als eine Aufforderung, die generelle Lückenhaftigkeit des Daseins zu erwägen, in dem es ja auch keinen Süden von London gibt, dessen Postleitzahlen, nach Himmelsrichtungen geordnet, von W über NW, N, E bis SE und SW reichen. Oder aber die große gap zu bedenken, die Britannien vom Kontinent trennt, und was dieser Channel bedeutet. Weiteres dazu demnächst

von Barbara Köhler, Kentish Town, London NW5, 16.11.2005

3. Das Weitere/ Von Barbara Köhler

Es war der Süden. Ein Bilderbuchsüden mit blauem Meer und blauem Himmel, mit strahlendem Sonnenschein versteht sich; es war auf der Terrasse eines kleinen Strandrestaurants bei köstlichem Essen und Cappucino. Es war der 19. November und die einzigen Wolken, die zu sehn waren weit und breit, versahen das Meer am südlichen Horizont mit einer durchaus dekorativen, im Mittagslicht weiß leuchtenden Borde. Dort lag der Kontinent, lag unter einer dicken Wolkendecke, die von unten gesehen bestimmt ordentlich dunkelgrau wirkte, bis knapp über die Dächer reichte und tropfte oder gar ausflockte. Aber wir, wir waren in Brighton, wir hatten die Wintermäntel und Wollmützen längst abgelegt und die Pulloverärmel hochgekrempelt soweit es ging, wir waren beschäftigt mit diesen wirklich deliciösen Fishcakes und unterhielten uns über englisches Essen. Der Kellner erkundigte sich angelegentlich, ob everryting bene sei, was Ursula zu der Behauptung anregte, dass Italiener hier nur so lange gut kochen, wie sie die Sprache nicht verstehen; wenigstens nicht soweit, dass sie detaillierte Kundenwünsche an die Küche übermitteln könnten. Als Beispiel diente der Padrone unseres Restaurants, dem es offensichtlich seit anderthalb Jahrzehnten gelang, immer neue Clanmitglieder zu importieren und langfristig im Stande von - wie Ursula (sprich ca. Öhrsjulah) es nannte: "sprachlicher Unschuld" zu halten. Die Qualität des Fishcakes und der unbekümmert radebrechende Kellner sprachen für diese These. Vielleicht war es ja eine gewitzte Umkehrung der Folklorefalle zur Barrikade, mit der Eigenart verteidigt wurde; in Deutschland habe ich schon Kellner rumänischer oder türkischer Herkunft den Latin Lover mimen sehen ("Bellissima, Signora!"), was einer damit verscherbelten Einheitspizza zwar keine Würze, aber Öligkeit zufügte, an der es ohnehin nicht mangelte.
Das viel belästerte englische Essen also. Sicher, in der vorigen Woche hatte es diesen Lunch in den westlichen Docklands, gleich hinter der Tower Bridge, gegeben; das Restaurant schien mir irgendwie vertrauenerweckend, gut besucht und vor allem bezahlbar. Ich war weit gelaufen an diesem Vormittag und hungrig und ein wenig verfroren. Etwas Warmes; in einem Anfall von Abenteuerlust bestellte ich, was mir am seltsamsten klang: Bangers and Mash. Und ich muss sagen, ich bekam mein Abenteuer - vier Würstchen, nur wenig größer als die berüchtigten Frühstücks-Sausages, aber mit dem gleichen gefühlten Sägemehlanteil um die 70%, auf einem Haufen ungesalzenen Kartoffelbreis, ertränkt in einer dunkelbraunen Soße mit gedünsteten Zwiebeln, die seltsamerweise nach Weinbrand schmeckten. Das gibt es noch, dachte ich, gibt es trotz all der londoner Sternerestaurants, Koch-Shows im TV und Spitzenköche mit Kultstatus, trotz aller Plakatwände, die Appetit machen sollen auf "Jamie's Italy", trotz elaborierter Kochbücher, Wochenendbeilagen und Magazine voller rezeptwütiger Zelebritäten gibt es das noch... Ich aß mit Ehrfurcht.
Nun aber, am Strand von Brighton, mit Blick Richtung Kontinent, genauer: Richtung Frankreich, im Rücken ganz Großbritannien, England und diese verrückte Stadt mit dem Royal Pavilion, mäanderte das Gespräch um Essen, Architektur und Integration. Man kann an einem solchen strahlenden Tag am Meer nicht ausdauernd ernsthaft von nächtlichen Riots jenseits des Horizonts sprechen. Welches Wort würden die deutschen Medien verwenden? "Rassenunruhen" etwa? Die Sonne abstrahierte das zu novembergrauer Theorie und erhellte dafür Naheliegendes. Den Strandpavillon z.B., auf dessen Balkon wir saßen: ein echtes Kleinod der Neuen Sachlichkeit aus den 1930ern, wie Ursula erklärte, als man auf dem Kontinent nurmehr heroisch-monumental baute; nichts Spektakuläres, aber anmutig, leicht, transparent, für Ein- wie Aussichten gleichermaßen geeignet. Nichts an der Einrichtung legte nahe, dass es sich um ein italienisches Restaurant handele; die Servietten hatten das gleiche Blau wie der Himmel, sonst gab es Aluminium, Chrom, weisses Porzellan. Es gab den Akzent der Kellner und zwischen ihnen manchmal ein paar Sätze auf Italienisch, mit einer dem Wetter angemessenen Heiterkeit. Ich hatte auf einmal den Verdacht, das deutsche Multikultimodell könnte etwas zu viel mit Folklore und sentimentalen Urlaubserinnerungen zu tun haben. Diese Art kultureller Vereinnahmung hatte man hier länger schon hinter sich, wovon jener andere Pavillon, der im ersten Viertel des 19. Jhs mitten in die Stadt gepflanzte Royal Pavilion, Zeugnis ablegt. Nur zu deutllich erzählt er von der Sehnsucht anders und anderswo zu sein: von aussen eine kleinstädtischen Verhältnissen angepasste und ziemlich überbordende Tadj Mahal in Beige (beige!!), vollgestopft mit Zitaten aus den fernöstlichen Kolonien, ein wohnliches Sammelsurium mit gußeisernen Treppengeländern, die überzeugend Bambus imitieren, einem tonnenschweren Kronleuchter mit Drachen, der chinesischer als alle je chinesischen wirkt (jedenfalls auf Europäer), in der riesigen Küche dünne Säulen zu einem Palmwald stilisiert... Und nichts daran, hatte ich schon beim ersten Besuch vor Jahren mit wachsendem Staunen registriert, nichts was man als "authentisch" bezeichnen könnte; alles zitiert, nichts präsentiert wie Trophäen, wie Beute. Dafür delfter Porzellan, das chinesischem nachempfunden ist, und chinesisches, das wie delfter tut: eigenartige Kreuzungen, vielerlei Bilder, die man voneinander hatte, Brechungen der Blicke.
Das erinnerte mich, dass ich vor ein drei Tagen ein wirklich köstliches Full English Breakfast mit würzigen Würstchen, keineswegs angekohltem Toast, Schinken, Ei und schmackhaften Baked Beans hatte, in einem winzigen Diner in Holborn - vier schmale Tische zwischen beigen Kunstlederbänken - wo auch die Bauarbeiter von nebenan frühstückten; das Ambiente war hundert pro britisch, der Akzent diesmal portugiesisch, der Familienname Silva. Eine Ecke weiter nur - mind the gap - ein sehr "italienischer" Italiener, dem ein mutmaßlich bulgarischer Künstler eine gigantische Rialtobrücke auf die Wand gepinselt hatte. Holborn gehört schließlich zu Londons Touristen-District. Und es gibt, sagte Ursula, wie du weisst, ja auch noch Bangers and Mash.



Barbara Köhler, Kentish Town, London, Anfang Dezember 2005

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