Der Autor und sein idealer Leser

Was ist Ihr ganz persönliches Lieblingsbuch? Welches Buch würden Sie mitnehmen auf die einsame Insel? Diese und ähnliche Fragen werden Prominenten immer wieder gestellt, und landauf landab werden bekannte Menschen des öffentlichen Lebens genötigt, aus ihren Lieblingsbücher vorzulesen. Jede und jeder ist frei, sich für ein Lieblingsbuch zu entscheiden, was aber ist mit den Autoren? Träumen sie nicht ebenso von idealen Lesern, wie Leser nach idealen Büchern suchen? Dieser Unausgeglichenheit möchten wir, das Literaturbüro NRW, mit dieser kleinen Reihe entgegentreten: Wir haben Autorinnen und Autoren aus Nordrhein-Westfalen gebeten, uns ihre idealen Leser zu nennen, und diese dann nach Düsseldorf eingeladen.

An vier Abenden werden im Dezember 2004 und im Januar 2005 Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit ihren Wunschlesern zusammentreffen und sich mit diesen in einem von Michael Serrer moderierten Gespräch über die eigenen Bücher zu unterhalten.

So wird der Wuppertaler Schriftsteller Hermann Schulz am 10. Dezember im Theatermuseum auf Holk Freytag, den Intendanten des Staatsschauspiels Dresden treffen und der Düsseldorfer Autor, Zeichner und Sprecher Martin Baltscheit wird sich am 12. Dezember mit dem Pantomimen Nemo im Rahmenmuseum F.G. Conzen über die Unterschiede zwischen schriftlicher, sprachlicher und gestischer Kommunikation unterhalten.

Fortgesetzt wird die Reihe am 30. Januar im Heinrich-Heine-Institut mit der Autorin Emine Sevgi Özdamar, die sich als Leserin die Politikwissenschaftlerin, Soziologin, Journalistin und Schriftstellerin Gabriele von Arnim gewünscht hat. Literatur meets Politik: Am 14. Februar trifft Karin Hempel-Soos, Autorin, Kabarettistin und Leiterin des Bonner Hauses der Sprache und Literatur auf Dr. Michael Vesper, den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen.

Sicher bescheren diese Wunschkombinationen - oder vielleicht Wahlverwandtschaften? - Ihnen, den AutorInnen und den LeserInnen vergnügliche und interessante Abende. Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!

Freitag, 10. Dezember 2004, 19.30 Uhr

Rahmenmuseum im "Alten Haus" F.G. Conzen
Bilker Straße 5
40213 Düsseldorf
Eintritt: 5,- €

Martin Baltscheit trifft Nemo

Den Auftakt der Reihe macht der Autor, Sprecher und Illustrator Martin Baltscheit, der sich als idealen Leser den Pantomimen Nemo gewünscht hat.

Nemo wird sich nicht nur mit Worten äußern, sondern auch mit Gesten: Während Baltscheit einen eigenen Text liest, wird der Pantomime Nemo diesen gestisch umsetzen. "Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse" heißt es in dem bekannten Saint-Exypery Zitat. Ob die Sprache der Gesten deutlicher ist als die der Worte, lässt sich vielleicht an diesem Abend klären!

Martin Baltscheit wurde 1965 in Düsseldorf geboren, studierte an der Folkwang-Schule in Essen Kommunikationsdesign und blieb der Stadt nach dem Studium erhalten. Der Träger des Literaturpreises der Landeshauptstadt verfasste zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele, Trickfilme, Bücher und Geschichten für Kinder und Erwachsene. Zu seinen Veröffentlichen gehören u.a. der Roman Die Zeichner (2000) und die Kinderbücher Die Pinabriefe (2003), Gold für den Pinguin (2004, zusammen mit Christine Schwarz) und Der kleine Herr Paul (2004)

Sprechen ohne Worte - das ist die Kunst, die der Düsseldorfer Pantomime Nemo perfekt beherrscht. Wenn er nicht gerade auf Festivals in Moskau oder in Korea, in Nicaragua oder in Kolumbien auftritt, dann beweist er den Düsseldorfern, dass Schritte und Gesten mehr sagen als tausend Worte.

Sonntag, 12. Dezember 2004, 19.30 Uhr

Theatermuseum Düsseldorf
Jägerhofstraße 1
40479 Düsseldorf
Eintritt: 5,-€

Hermann Schulz trifft Holk Freytag

Das Theatermuseum bietet den richtigen Rahmen für das Gespräch mit Hermann Schulz, der sich Holk Freytag als idealen Leser gewünscht hat: Auf die Bühne der weiten Welt bis an den afrikanischen Tanganjikasee schickt Hermann Schulz das Personal seiner Romane, während der Intendant des Dresdner Staatsschauspieles die weite Welt in die räumliche Enge einer Theaterbühne holt.

Hermann Schulz wurde 1938 als Sohn eines deutschen Missionars in Nkalinzi/Tansania geboren und verbrachte seine Kindheit in Deutschland. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler arbeitete er im Bergbau, bevor er sich auf eine Reise um die Welt begab. Bis 2001 leitete er den Wuppertaler Peter Hammer Verlag, in dem u.a. Johannes Rau zu seinen Kollegen zählte. Auf dem Strom, Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt oder Iskender sind einige der Titel, für die er mit dem Kunst- und Kulturpreis für internationale Verständigung ausgezeichnet wurde.

Holk Freytag, geboren 1943 in Tübingen, wuchs in Moers und in Köln auf, wo er nach dem Abitur Theater- und Musikwissenschaften studierte. Er leitete den Theaterkeller in Neuss und arbeitete als Chefdramaturg, Regisseur und stellvertretender Intendant am Stadttheater Hildesheim, bevor er 1975 das Schlosstheater Moers gründete, als dessen Intendant er von 1975-88 fungierte. Nach weitere Stationen an verschiedenen Bühnen ist er seit 2001 Intendant des Staatsschauspiels Dresden und Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein.

Sonntag, 30. Januar 2005, 12.00 Uhr

Heinrich-Heine-Institut
Bilker Straße 12-14
40213 Düsseldorf
Eintritt: 5,-€

Emine Sevgi Özdamar trifft Dr. Gabriele von Arnim

"Ich bin ein Mensch vom Weg, am liebsten ist mir, im Zug zu sitzen zwischen den Ländern" sagt die Autorin Emine Sevgi Özdamar von sich selbst. Auch in der Kunst überschreitet die Autorin Grenzen, die neben ihrer schriftstellerischen Arbeit auch als Theater- und Filmschauspielerin tätig ist. Grenzüberschreitend ist auch Dr. Gabriele von Arnim als Politikwissenschaftlerin, Soziologin, Journalistin und Buchautorin, die im Team des Literaturclubs beim Schweizer Fernsehen regelmäßig literarischen Sachverstand beweist.

Emine Sevgi Özdamar wurde in der Türkei geboren und kam 1965 nach Deutschland, wo sie zunächst in Berlin Deutsch lernte. Nach der Schauspielausbildung in Istanbul stand sie auf vielen bedeutenden Bühnen in Deutschland und in Frankreich. Für ihren Debütroman Das Leben ist eine Karawanserei, hat zwei Türen, aus einer kam ich rein, aus der anderen ging ich raus erhielt Emine Sevgi Özdamar u.a. den Ingeborg-Bachmann Preis. Sie wurde für ihr Gesamtwerk (u.v.a. Die Brücke vom Goldenen Horn, Mutterzunge) mit dem Künstlerinnenpreis des Landes NRW ausgezeichnet.

Gabriele von Arnim lebte nach dem Studium der Politik/Soziologie und ihrer Promotion zehn Jahre als freiberufliche Journalistin in New York und schrieb für renommierte deutsche Zeitschriften Sie initiierte 1992 den "Münchner Aufruf" gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit; 1994 gründete sie den Verein "Memento - Initiative KZ-Gedenkstätte Dachau". Gabriele von Arnim arbeitet für verschiedene Hörfunk- und Fernsehsender und ist weiter als freie Journalistin tätig. Ihr Buch Matilde, unverrückbar. (Erzählungen) erschien 1999.

Montag, 14. Februar 2005, 19.30 Uhr

Marionettentheater Düsseldorf
Bilker Straße 7
40213 Düsseldorf
Eintritt: 5 €

Karin Hempel-Soos trifft Dr. Michael Vesper, stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen

Literatur meets Politik heißt es an diesem Abend, an dem die streitbare Schriftstellerin und Leiterin des Hauses der Sprache und Literatur in Bonn, Karin Hempel-Soos, mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des größten Bundeslandes, Kulturminister Dr. Michael Vesper, zusammentrifft. Und welcher Ort könnte besser geeignet sein für ein solches Gespräch als das Marionettentheater, bei dem sicher auch diese Frage diskutiert werden wird: Wer zieht eigentlich die Strippen, die Literatur oder die Politik?

Karin Hempel-Soos, geboren in Dresden und aufgewachsen im thüringischen Meiningen, kam 1959 in die Bundesrepublik. Sie studiert Germanistik, Politische Wissenschaft und Wirtschaftswissenschaft in Dresden, Köln und Bonn und ist seit 1980 als freie Journalistin, Schriftstellerin, Kabarettistin und Kulturmanagerin tätig. In Bonn hat sie mit dem Haus der Sprache und Literatur eine vielbeachtete Einrichtung etabliert, die vor allem den Dialog zwischen Literatur und Politik fördert. Die Autorin veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände (u.a. Das Böse mehrt sich über Nacht (1989), Liebe in dieser Zeit (1992), Anabiose (2001) und ist auch als Herausgeberin tätig, u.a.: Was wir aufschreiben ist der Tod (1998), Unser Grundgesetz, Meine Verfassung (2003).

In Köln geboren, zieht Michael Vesper 1954 seiner Familie nach Düsseldorf. Nach dem Abitur 1970 studiert er zunächst Mathematik und Physik an der Universität zu Köln. Im Jahre 1973 beginnt er mit dem Studium der Soziologie an der Universität Bielefeld und promoviert 1982 zum Dr. rer. soc. Michael Vesper ist Gründungsmitglied der Partei DIE GRÜNEN und seit Juni 2000 Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport sowie stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen.

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