Einladung zu den Korrespondenzen8

Aller guten Dinge sind... Zum dritten und nun letzten Mal laden wir Sie ein, auf literarische Entdeckungsreise durch die Museen unseres Landes zu gehen. Weil das letzte Mal immer etwas Besonderes ist und uns seit langem sehr am Austausch mit unseren Nachbarländern gelegen ist, haben wir diesmal neben sechs nordrhein-westfälischen Museen auch je eines aus Belgien und den Niederlanden gebeten, sich an der Reihe Korrespondenzen8 zu beteiligen. Erneut haben Sie also an acht Tagen die Gelegenheit, Autoren und Autorinnen zu hören, deren Werke mit den Ausstellungen der Museen korrespondieren. Ob Wolf Wondratschek aus "Mozarts Friseur" zu "300 Jahre Schminken und Frisieren" liest oder Pawel Huelle die Geschichte des 170er Benz' seines Großvaters zum Thema "Das Auto in der Kunst" vorstellt - stets werden Sie als Besucher der Museen in der Literatur neue Perspektiven finden und als Besucher der Lesungen die Ausstellungen mit anderen Augen betrachten.
Ganz besonders möchten wir Sie natürlich zur Grenzüberschreitung einladen. Im belgischen Hasselt treffen mit Gerhard Seyfried und David van Reybrouck ein deutscher und ein flämischer Autor zum Thema Afrika aufeinander. Ein Ausschnitt aus Seyfrieds Roman "Herero" wird hierzu derzeit ins Niederländische übersetzt. Und in Arnheim treten mit Michael Lentz und dem Niederländer Jaap Blonk zwei international bekannte Lautpoeten auf.

Gute Unterhaltung und viele Entdeckungen bei den acht Korrespondenzen-Lesungen des Jahres 2003 wünschen Ihnen

Ilse Brusis
Präsidentin der Kunststiftung NRW

Michael Serrer
Leiter des Literaturbüros NRW in Düsseldorf

Dr. Thomas Hoeps und Maren Jungclaus
Projektleiter Korrespondenzen8

Korrespondenzen8 - Literatur in acht Museen
NRW - Belgien - Niederlande
18. September bis 22. November 2003

Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
Literair Museum Hasselt (B)
Kunstmuseum Ahlen
Preußen-Museum NRW Wesel
Gustav-Lübcke-Museum Hamm
Museum für Angewandte Kunst Köln
NRW Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf
Museum voor moderne Kunst Arnheim (NL)

Alle Termine und Adressen auf einen Blick

 

Donnerstag, 18.9. 20.00 Uhr
Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
Wolf Wondratschek
Mozarts Friseur

Er hat als Findelkind die Wüste überlebt, sich unter echten Matrosen auf richtigen Schiffen wie ein Fisch im Wasser bewegt, bei Barbieren in Triest und Venedig das Handwerk erlernt - und schließlich in der Wiener Griechengasse einen Friseursalon eröffnet. Der Held von Wolf Wondratscheks Erzählung "Mozarts Friseur" (Hanser) hat eine Menge erlebt, und so scheint es ganz natürlich, dass nicht nur lauter heutige Sonderlinge den Laden betreten, sondern plötzlich auch Mozart anklopft. Wolf Wondratschek, als straight-forward-Lyriker berühmt geworden, begeistert seit einigen Jahren das Publikum auch als Erzähler. Seine Geschichte über die Kunst des Haarschneidens, Mozarts Perücke und den Friseursalon als Ort der Verwandlung liest er anlässich der Ausstellung "Spieglein, Spieglein an der Wand... 300 Jahre Schminken und Frisieren". Bis zum 2. November sind im Kultur- und Stadthistorischen Museum Rasierapparate und Bartbinden, Massageroller und Sonnenbank, Antifaltencreme und Lifting, Lockenwickler und Dauerwellenapparat zu bewundern, kurzum: alles, was wir uns in Jahrhunderten haben einfallen lassen, um uns selbst und natürlich vor allem auch einander zu gefallen.

Donnerstag, 2.10. 19:30 Uhr
Literair Museum Hasselt (Belgien)

Gerhard Seyfried
Herero

David van Reybrouck
De plaag

Ein Deutsch-Belgisches Schriftstellergespräch
Moderator: Luc Renders

Wer über Afrika spricht, spricht zugleich auch meist von der Geschichte Europas in Afrika. Die Schriftsteller Gerhard Seyfried (Berlin) und David van Reybrouck (Brügge) haben Bücher geschrieben, die das eindrucksvoll belegen. In seinem 600-Seiten-Roman "Herero" (Eichborn) erzählt Seyfried vom Leben des Kartographen Carl Ettmann, der 1903 nach "Deutsch-Südwest" (Namibia), reist und in den großen Herero-Aufstand gegen die deutsche Kolonialmacht gerät. Viele Jahre hat Seyfried hierzu recherchiert. Genau wie van Reybrouck für sein Buch "De plaag" (Meulenhoff). Ein Plagiatsvorwurf gegen den flämischen Literatur-Nobelpreisträger Maurice Maeterlinck führt ihn nach Südafrika, doch seine historische Detektiv-Recherche wird bald überlagert von den gesellschaftlichen Krisen der Post-Apartheidszeit.
Ein Ausschnitt aus "Herero" wird extra für diesen Abend von Jan Gielkens (Utrecht) ins Niederländische übersetzt und von David van Reybrouck vorgelesen. Das Gespräch (auf Englisch) moderiert Luc Renders, Experte u. a. für niederländisch-afrikanische Literatur am Limburgs Universitair Centrum. Keinen besseren Ort kann es dafür geben als das Literair Museum in Hasselt, das sich neben dem flämischen Kinder- und Jugendbuch auch dem Thema der Kolonialliteratur im Kongo widmet.

Freitag, 17.10. 19.30 Uhr
Kunstmuseum Ahlen
Thomas Meinecke
Hellblau

In der Ausstellung "CollageWelten 2 - Die Utopie" stellt das Kunstmuseum Ahlen 160 Bildwerke von über 60 Künstlern aus, die aus vorhandenem Material neue Wirklichkeiten montieren. Gezeigt werden Collage auf Papier, Fotogramme, Bühnen- und Plakatentwürfe sowie Filme u.v.a. von Kurt Schwitters, Laszlo Moholy-Nagy oder John Heartfield, die als Attraktionsmontagen werbende Botschaften übermitteln, politische Ereignisse kommentieren oder zukünftige Planungen illustrieren.

Ahnlich verfährt Thomas Meinecke, Schriftsteller, Journalist, Musiker, Produzent und Discjockey, in seinem Roman "Hellblau" (Suhrkamp).
Auf der Insel Ocracoke vor der Küste North Carolinas forscht Tillmann über den deutschen U-Boot Krieg, zusammen mit Yolanda in Chicago schreibt er an einem Buch mit dem Arbeitstitel "Wasserflugzeug". Seine amerikanische Freundin Vermilion beschäftigt sich mit den Geschlechterkonstruktionen der chassidischen Juden in Williamsburgh, New York und in Berlin recherchieren Cordula und Heinrich über Bitburg, den Ort des von Ronald Reagan besuchten Soldatenfriedhofs mit Nazigräbern. Man begegnet sich hin und wieder, alle stehen aber in ständigem e-mail Kontakt miteinander, tauschen Dokumente und Gedanken aus, via fed-ex auch Platten und Bücher.
Thomas Meinecke, Schriftsteller, Journalist, Musiker, Produzent und Discjockey, vernetzt die Perspektiven seiner Denk-Figuren zu einem polyphonen Textgeflecht.

Samstag, 18.10. 21.00 Uhr
Preußen-Museum NRW Wesel
Matthias Schamp
Hirntreiben.eeg

Leidenschaftlich erfindet der Mensch Maschinen, die ihm die Arbeit abnehmen. Weil man obendrein nicht immer einen Spielpartner hat, gibt es Spielautomaten, und weil Musiker anderes zum Leben brauchen als billigen Steckdosen-Strom, gibt es Musikautomaten. Das Preußen-Museum NRW zeigt in der Ausstellung "Strauß meets Elvis" die schönsten und ungewöhnlichsten Musikautomaten aus zwei Jahrhunderten. Wo der ganze Maschinenbau eines Tages hinführen wird, erzählt Matthias Schamp auf witzige Weise in seinem Buch "Hirntreiben.eeg" (edition selene). Es ist ein kurioser Westernroman, aus dem er zur Museumsnacht liest. Statt Cowboys sind künstliche Brainboys die Helden, und anstelle von Rindern treiben sie eine Herde menschlicher Hirne (!) von West nach Ost. Die Brainboys - auf gutmütigen Reithirnen - sind stolz, perfekte Computer-Programme zu sein. Mitleidig blicken sie herab auf die unvollkommene Biomasse, und werden rot, wenn die Hirne ihren Trieben nachgehen. Aber irgend etwas scheint doch nicht zu stimmen: Nach und nach verschwinden einige der Brainboys, und Fragen wie die, ob es weibliche Programme gibt, sorgen am Lagerfeuer für Unruhe; und dann fehlt plötzlich für kurze Zeit der Himmel und die Berge laufen im Kreis...

Sonntag, 2.11. 11.30 Uhr
Gustav-Lübcke-Museum Hamm
Silke Gyadu
Die Geliebte des Tutanchamun

Ägyptische Motive auf Kunst- und Alltagsgegenständen bezeugen das "Tutanchamun-Fieber", das in den 20iger und 30iger Jahren nach der sensationellen Entdeckung seines Grabmales grassierte. Die Ausstellung Mythos Tutanchamun (12.10.2003-21.03.2004) gibt auch einen Überblick über das wachsende Interesse an Ägypten schon im 19. Jhd. bis hin zu der durch die Welttournee des Tutanchamun-Schatzes ausgelöste Ägyptomanie in den 60iger Jahren.
In ihrem historischen Roman aus dem pharaonischen Ägypten führt die in Bamberg lebende Schriftstellerin Silke Gyadu den Leser in die unruhige Zeit nach dem Tode Echnatons. Protagonistin ist das Mädchen Ta-mi, das seine Erlebnisse an der Seite des jugendlichen Pharaos Tut-anch-Amun im Stile von Memoiren erzählt.
Die Autorin zeichnet anhand einer Liebesgeschichte ein farbenprächtiges Bild des Lebens im alten Ägypten.

Mittwoch, 12.11. 18.30 Uhr
Museum für Angewandte Kunst Köln
Karen Duve
Dies ist kein Liebeslied

Das Museum für Angewandte Kunst Köln präsentiert vom 19. Oktober bis 14. Dezember die Sonderausstellung in. Femme fashion 1780-2004. Die Modellierung des Weiblichen in der Mode mit repräsentativen Exponaten namhafter Modedesigner.
Kleidung, insbesondere jene der Dame, war über die Jahrhunderte hinweg stets Ausdruck der eigenen Identität, spiegelte Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterkategorien oder signalisierte Protest- und Wunschvorstellungen.

Das Leben der Protagonistin des Romans Dies ist kein Liebeslied, Anne Strehlau, scheint ein einziger Kampf gegen dieses selbst zu sein. Ebensowenig wie mit ihrer Umwelt und deren Normen kommt sie mit sich selbst zurecht. Vor allem die eigene Körperlichkeit scheint das größte Hindernis für ein glückliches Leben zu sein. Anne fühlt sich wie ein fetter, hässlicher Troll, sie frisst und hungert und redet sich ein, wenn sie erst schlank wäre, "würde mein richtiges Leben beginnen", ein Leben in schwarzen Satinkleidern und knöchelengen Jeans.

Freitag, 14.11. 20.00 Uhr
NRW Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf
Pawel Huelle
Mercedes Benz

(gemeinsam mit der Übersetzerin Renate Schmidgall)
Zur Ausstellung: Auto-Nom. Das Automobil in der Kunst

Die 22 Künstlerinnen und Künstler, die sich vom 30. September bis zum 4. Januar an der Ausstellung Auto-nom im NRW Forum für Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf beteiligen, sehen das Auto als autonomes Material, das in seiner Konstruktion und Struktur begriffen wird. Mit ihren Skulpturen, Installationen, Bildern und Fotografien präsentieren sie eine neue Sichtweise auf das Zusammenspiel von Form und Inhalt.
Auch für Herrn Pawel, dem Protagonisten in dem Roman "Mercedes-Benz" (C.H.Beck) des großen polnischen Autors Pawel Huelle ist das Auto weniger ein Mittel zur Fortbewegung als ein Ort des Geschichtenerzählens. So erzählt er seiner reizenden jungen Fahrlehrerin seine komplette Familiengeschichte, die auch eine des Autos und nebenbei die Polens ist.
Der 1957 in Gdansk geborene Literaturwissenschaftler, Journalist, Lehrer, Redakteur, Fernsehintendant und Autor Pawel Huelle liest und erzählt gemeinsam mit seiner Übersetzerin Renate Schmidgall.

Samstag, 22.11. 15.00 Uhr
Museum voor moderne Kunst, Arnheim (NL)
Michael Lentz und Jaap Blonk
Lautpoesie international & live

Vor gut 100 Jahren entdeckte die europäische Kunst die "Negerplastik" - Objekte afrikanischer und ozeanischer Stammeskultur. Das Museum für Moderne Kunst in Arnheim widmet Carel van Lier, einem der wichtigsten niederländischen Galeristen der Vorkriegszeit und stark beteiligt an diesem Zusammenspiel der Kulturen, die Ausstellung "Negerplastieken en Moderne Meesters", in der neben Dokumenten und Fotos viele Stücke aus van Liers Sammlung zu sehen sind.
In der Verbindung von Archaik und Moderne fanden damals auch die Literaten - meist Dadaisten und Surrealisten - ein ungeheures Material von Sprachbildern und -klängen. Wir haben zwei der prominentesten Vertreter der aktuellen europäischen Lautpoesie eingeladen, zur Arnheimer Ausstellung ein Sprachkonzert zu veranstalten: den Arnheimer Jaap Blonk und den in Berlin lebenden Michael Lentz. Blonk ist sein eigenes, sensationelle Klänge produzierendes Musikinstrument. Sein Programm bietet abstrakte Stücke ebenso wie amüsante Sprachspiele. Lentz, deutscher Poetry Slam-Meister 1998 und Träger des Bachmann-Literaturpreises 2002, fasziniert mit witzigen Anagrammen und ständig variierten Sätzen, die er in unglaublicher Geschwindigkeit und phantastischem Rhythmus präsentiert.
In Kooperation mit dem Wintertuin, Nijmegen.

Alle Termine und Adressen auf einen Blick:

Donnerstag, 18.9 20.00 Uhr
Wolf Wondratschek.
Kultur- und Stadthistorisches Museum
Johannes Corputius-Platz 1
47049 Duisburg
fon: 02 03 / 28 32 656

Donnerstag, 2.10. 19:30 Uhr
Gerhard Seyfried / David van Reybrouck.
Literair Museum
Bampslaan 35
B-3500 Hasselt (Belgien)
fon: 0032 / 11 / 22 26 24

Freitag, 17.10. 19.30 Uhr
Thomas Meinecke.
Kunstmuseum
Weststraße 98
Ahlen
fon: 02382-91830

Samstag, 18.10. 21.00 Uhr
Matthias Schamp.
Preußen-Museum NRW
An der Zitadelle 14-20
46483 Wesel
fon: 02 81 / 339 960

Sonntag, 2.11. 11.30 Uhr
Silke Gyadu.
Gustav-Lübcke-Museum
Neue Bahnhofsstraße 9
Hamm
fon: 02381-175714

Mittwoch, 12.11. 18.30 Uhr
Karen Duve.
Museum für Angewandte Kunst
An der Rechtsschule
Köln
fon: 0221-221-26728

Freitag, 14.11. 20.00 Uhr
Pawel Huelle.
NRW Forum Kultur und Wirtschaft
Ehrenhof 2
Düsseldorf
fon: 0211-8926690

Samstag, 22.11. 15.00 Uhr
Michael Lentz / Jaap Blonk.
Museum voor moderne Kunst
Utrechtsweg 87
NL-6812 AA Arnheim (NL)
fon: 00 31 / 26 / 35 12 431
fon Wintertuin: 00 31 / 24 / 323 19 04

Eintrittspreise von Ort zu Ort unterschiedlich.

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