Das Literaturbüro NRW e.V. veranstaltet das Projekt "landschaften lesen"

Vorwort
Auftaktveranstaltung der Literaturreihe "landschaften lesen"
Die Entdeckung der Landschaft beim Wandern und Laufen
Vom Wasser
Im Hochgebirge
Ein Garten im Norden, einer im Süden
Virtuelle Welten in Literatur und Informatik
Veranstaltungsadressen


landschaften lesen 3.5.2002 - 21.7.2002 anlässlich der EUROGA 2002plus in Neersen, Düsseldorf, Monheim, Krefeld, Jüchen & Mönchengladbach

Vorwort

landschaften lesen - eine Einladung


Die Welt lesen zu können wie ein Buch, das ist ein Traum, der Wissenschaftler, Philosophen und Künstler seit Jahrhunderten bewegt. Längst weiß man: Wer die Welt liest, schreibt sie zugleich. Denn wie die Literatur gewinnt die Welt (die Natur, die Landschaft) ihre Bedeutung erst im Blick des Betrachters bzw. des Lesenden. Und jede Landschaft, jedes Buch hat so viele Bedeutungen wie Blicke - abhängig von der Perspektive, dem Vorwissen, dem Interesse und der Stimmung.

Wir haben anläßlich der EUROGA 2002+ Menschen eingeladen, die auf besondere Weise Erfahrungen mit und in Landschaften gemacht haben; Menschen, die die Welt auf ihre Art lesen - und schreiben. Je zwei von ihnen führen wir zusammen, um aus unterschiedlichen Perspektiven mehr über den Regenwald, das Hochgebirge, das Wasser, Gärten und andere natürliche und künstliche Landschaften zu hören. Sie werden aus ihren Büchern lesen, über ihre Arbeit und Erfahrungen berichten, diese im Gespräch vergleichen und einander gegenüberstellen. Hinzu kommt mit der Musik des notabu.ensembles eine Kunst, die in einer Sprache jenseits der Begriffe Landschaften liest und eben auch selbst schreibt.

Bei all dem, was sich hinter dem Titel "landschaften lesen" verbirgt, wünschen wir Ihnen viele Anregungen, ein wenig Fern- und etwas Heimweh, neue Sichtweisen, überraschende Einblicke und natürlich viel Vergnügen.

Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW in Düsseldorf
Dr. Thomas Hoeps, Projektleiter "landschaften lesen"

Fr., 3.5., 19 Uhr - Schloss Neersen
Auftaktveranstaltung der Literaturreihe "landschaften lesen":
Regenwald
mit "Sir Vival" Rüdiger Nehberg und Urs Widmer
Lesung, Dia-Vortrag und Gespräch
Musik: notabu.ensemble neue musik

Zum Auftakt der Reihe "landschaften lesen" treffen zwei Extremreisende aufeinander, die sich auf unterschiedlichste Weise mit Regenwaldlandschaften beschäftigt haben. Rüdiger Nehberg ist nicht nur seit Jahrzehnten Deutschlands bekanntester Survival-Spezialist in Wüsten, Regenwäldern, Meeren. Er ist auch engagierter Menschenrechtsaktivist, der sich schon 1980 für die Rettung der Yanomami-Indianer einsetzte und inzwischen die Organisation "Target" gründete, die u.a. für die Waiapí-Indianer im Amazonas-Regenwald eintritt.

In einem Dia-Vortrag wird Nehberg einen Einblick in das Leben und das Überleben im Regenwald geben, den er auf zahlreichen Reisen kennengelernt hat.Diese Erfahrung unterscheidet ihn von dem bekannten Schweizer Schriftsteller Urs Widmer. Der ist nämlich mit Haut und Haaren und auf ganz wundervolle Weise ein Abenteurer der Literatur: Wenn er seine Leser zu literarischen Reisen in die verschiedensten Winkel dieser Erde verführt, dann hat er diese in den seltensten Fällen vorher besucht. Ob er einen Liebeskranken auf den australischen Traumpfaden wandeln läßt oder aber tief in die afrikanischen Regenwälder eindringt: seine Geschichten sind nie literarisierte Reiseführer, sondern Expeditionen der Phantasie und führen zu den Orten der Sehnsucht.

Widmer, der u. a. mit dem Mülheimer Dramatikerpreis, dem 3sat-Preis, dem Heimito-von-Doderer-Preis und dem Bertolt-Brecht-Preis ausgezeichnet wurde, liest an diesem Abend aus seinem Roman "Im Kongo".

Das Gespräch zwischen ihm und Rüdiger Nehberg wird von Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW in Düsseldorf, moderiert.

Das renommierte ensemble notabu spielt Neue Musik zum Thema.

Mo.,13.5., 20 Uhr - Schloss Benrath, Düsseldorf
landschaften lesen:
Die Entdeckung der Landschaft beim Wandern und Laufen
Lesungen und Gespräche mit Sigrid Damm und Günter Herburger
Musik: notabu.ensemble

Wir kennen sie (u. a.) als einfühlsame Biographin von "Christiane und Goethe" - nun hat Sigrid Damm ein Portrait ganz anderer Art geschrieben. In "Tage- und Nächtebücher aus Lappland" beschreibt sie eine siebentägige Wanderung durch die einsame Bergwelt Nordschwedens, durch die Feuerfarben des Herbstes, kupferfarbene Birkenwälder, an schwarzblauen Bergseen mit gelb loderndem Ufergras entlang und vorüber an flammend roten Beerensträuchern auf weiten Hochebenen.

Günter Herburger, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, praktiziert seit 1983 die Verschmelzung von Laufen und Schreiben. Seine Erzählungen und Gedichte schildern immer wieder seine Erfahrungen als Extremlangstreckenläufer, so zuletzt in zwei unter dem Titel "Humboldt" erschienenen Reisenovellen über ungeheure Selbstversuche Ende der neunziger Jahre in den Westschweizer Alpen und in Mauretanien: einen vier Tage und 123 schwere Bergkilometer langen Lauf rund um den Montblanc und einen fünftägigen, 320 Kilometer langen Lauf durch die Wüsteneien Westafrikas.

Sigrid Damm und Günter Herburger werden aus ihren Büchern lesen und in einem von Michael Serrer moderierten Gespräch ihre Landschaftserfahrungen beim Wandern und Laufen vergleichen.

Dazu spielt das "ensemble notabu" passend zum Thema ausgewählte Neue Musik.

So. 26.5., 20 Uhr - Schelmenturm, Monheim
landschaften lesen:
Vom Wasser
Lesung und Gespräch mit Dr. Franz Alt und John von Düffel
Musik: notabu.ensemble

Natürliche Flußläufe und künstliche Wasserspiele zählen seit jeher zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln der Gartenkunst. Aber weit darüber hinaus ist Wasser das elementarste aller Elemente überhaupt: Ohne Wasser kein Leben. Es bestimmt über die erreichbare Lebensqualität von Mensch und Tier ebenso wie über die Beschaffenheit der Landschaft.

An diesem Abend im Marienburgpark treffen zwei Menschen aufeinander, die sich - politisch bzw. literarisch - mit der Kraft und Bedeutung des Wassers beschäftigt haben. Der bekannte, vielfach ausgezeichnete Fernsehjournalist und Naturschutz-Autor Dr. Franz Alt wirbt seit Jahren für einen anderen Umgang mit unserem Lebensmittel Wasser. "Weltweit sind drei Milliarden Menschen von Wasserknappheit bedroht", warnt er, selbst die an Wasser reiche Bundesrepublik stehe vor dem Wassernotstand. Nur eine neue Wasserpolitik, die schon beim Einzelnen einsetzt, so Alt in seinem Vortrag, könnte die Wasserkatastrophe verhindern.

In seinem Roman "Vom Wasser" erzählt John von Düffel die dramatische Geschichte einer Papierfabrikantendynastie, die durch Generationen vom Wasser zusammengehalten wird. Sie beginnt Ende des 19. Jahrhunderts, als der Ururgroßvater auf seinem Landgut zwischen den Flüssen Orpe und Diemel entdeckt, wie sich Wasser in Papier und Papier sich in Gold verwandeln läßt. Und sie endet mit dem Tod des Großvaters, den das Wasser zu sich holt. Für dieses Buch erhielt der 1966 in Karlsruhe geborene Autor u. a. den begehrten "aspekte"-Literaturpreis des ZDF.

Zusätzlich zu der Lesung John von Düffels, dem Vortrag von Franz Alt und dem Gespräch der beiden wird das renommierte "ensemble notabu" Neue Musik passend zum Thema "Wasser" spielen. Moderation: Michael Serrer.

Mi., 19.6., 20 Uhr - Museumsscheune Burg Linn, Krefeld
landschaften lesen:
Im Hochgebirge
Lesung und Gespräch mit Ranga Yogeshwar und Brigitte Kronauer
Musik: notabu.ensemble

Ob es die neurophysiologischen Abläufe im menschlichen Gehirn sind, die Geburt eines Sterns oder die Chaos-Theorie ist - seit Ranga Yogeshwar Fernsehsendungen wie "Globus" (ARD) und "Quarks & Co" (WDR) leitet und moderiert, verstehen wir eine Menge schwieriger Dinge ein wenig besser und staunen um so mehr.

Mit dem Thema "Hochgebirge" verbinden den vielfach (u. a. mit dem Helmut Schmidt-Journalistenpreis, Georg von Holtzbrinck-Preis für Journalistik, Essener Universitätspreis) ausgezeichneten Wissenschaftsjournalisten intensive persönliche Erfahrungen, denn 1985 kündigte er seinen damaligen Job im Kernforschungszentrum Jülich und ging für ein Jahr in den Himalaya. Er wohnte dort in einem Dorf, erfuhr, wie die Menschen im Gebirge (über-)leben, und lernte ihre Sprache, in der sich die Anforderungen dieser außergewöhnlichen Umwelt bis in die Vokabeln hinein niederschlagen.

Auch für die bekannte Schriftstellerin Brigitte Kronauer ist das Hochgebirge ein Ort besonderer Erfahrung. Als sie zum ersten Mal in diese Landschaft kam, fehlten ihr buchstäblich die Worte - und damit auch die Möglichkeit, das Gebirge in seiner ganzen Vielfalt wahrzunehmen. Inzwischen kennt Kronauer, die für ihr Werk unter anderem den Heinrich-Böll-Preis und den Fontane-Preis erhielt, die Bezeichnungen der verschiedenen Geröllballungen und Gesteinsstreuungen, und so konnte sie für ihren Roman "Teufelsbrück" ein beeindruckendes Hochgebirgskapitel schreiben, das sie an diesem Abend vorlesen wird.

In einem von Michael Serrer moderierten Gespräch werden sich Ranga Yogeshwar und Brigitte Kronauer über ihre Erfahrungen und deren sprachliche Verarbeitung unterhalten. Außerdem spielt das "notabu.ensemble neue musik" passend zum Thema ausgewählte Musik.

So., 14.7., 19 Uhr - Schloss Dyck, Jüchen
landschaften lesen:
Ein Garten im Norden, einer im Süden.
Lesung und Gespräch mit Ruth Maria Kubitschek und Michael Kleeberg
Musik: notabu.ensemble

Ruth Maria Kubitschek ist nicht nur eine der beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands, sie ist seit mehreren Jahren auch Malerin und Schriftstellerin. Sechs Bücher hat sie inzwischen veröffentlicht, in denen Natur und Garten immer wieder eine wichtige Rolle spielen, sei es in "Das Flüstern Pans", einem liebenswerten Dialog mit dem Gott der Natur, dem neuen Buch "Ein Troll in meinem Garten" oder in "Im Garten der Aphrodite". Hier erzählt sie die Geschichte ihres traumhaften Gartens, den sie vor wenigen Jahren am Bodensee aus 3000 qm Brachland geschaffen hat. "Wir alle brauchen eine Zeit der Stille, um wieder heil zu werden", hat sie einmal gesagt und dieses kleine Paradies, über das sie an diesem Abend berichten wird, ist der ideale Ort dazu.

Von einer Stätte der geistigen Erneuerung handelt auch der Roman "Ein Garten im Norden" von Michael Kleeberg. Der Berliner Schriftsteller, der lange Jahre in Paris lebte und u. a. den Anna-Seghers-Preis und den Lion-Feuchtwanger-Preis erhielt, wird einen Ausschnitt aus der Geschichte von Albert Klein vorlesen, einem Bankier, der sich in der Weimarer Republik vom Hasardeur zum humanistischen Mäzen wandelt. Mitten in Berlin legt er einen kunstvollen Park an, der zum Treffpunkt der klügsten Köpfe Europas wird. Briand und Stresemann, Thälmann und Lasalle treffen hier aufeinander, "Planetarische Archive" dokumentieren die Errungenschaften der Weltkulturen, und eine Stiftung namens "Zirkel um die Welt" vergibt Weltreise-Stipendien zur Bewußtseinserweiterung an junge Leute.

Nach ihren Vorträgen werden sich die beiden Autoren in einem von Michael Serrer moderierten Gespräch über ihre jeweiligen Vorstellungen von Gartenkultur unterhalten. Dazu spielt das "notabu.ensemble neue musik" passend zum Thema ausgewählte Musik.

So., 21.7., 20 Uhr - Schloss Wickrath, Mönchengladbach
Abschlußveranstaltung der Reihe "landschaften lesen":
Virtuelle Welten in Literatur und Informatik
Lesung und Gespräch mit Georg Klein und Bernd Lintermann
Musik: notabu.ensemble

Zum Abschluß der Reihe "landschaften lesen" treffen im Nassauerstall von Schloß Wickrath der bekannte Schriftsteller und Bachmann-Literaturpreisträger Georg Klein und der Informatik-Künstler Bernd Lintermann aufeinander.

Virtuelle oder auch Künstliche Welten zählen zum Interessantesten, was die Computertechnologie derzeit hervorbringt. Jeder, der einmal ein Computerspiel gesehen hat, ahnt, wie schwierig es sein muß, eine richtige Welt auf dem Bildschirm zu erschaffen. Der 1967 in Düsseldorf geborene Bernd Lintermann arbeitet seit Mitte der 90er Jahre als Künstler und Informatiker im Bereich Computeranimation und entwickelt u. a. Programme, in denen das Wachstum von Pflanzen simuliert wird. Sein besonderes Interesse gilt der Schaffung von künstlichen Räumen, die die reale Welt nicht nachahmen, sondern etwas Neues und Eigenes darstellen. Einige Beispiele werden an diesem Abend auf Video zu sehen sein.

Der 1953 geborene, u. a. in Berlin lebende Georg Klein gilt spätestens seit seinem Sieg beim Ingeborg-Bachmann-Preis als einer der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren. In seinem vielbeachteten Roman "Babar Rosa" gelingt es ihm - wie auch schon in seinem Debütroman "Libidissi" - auf ganz eigentümliche Weise, künstliche Lebensräume zu entwerfen. Eine gute halbe Stunde lang wird er uns mit seiner Lesung in diese zugleich modern und archaisch wirkenden Welten entführen.

Wie ähnlich sind sich die Ideen und Methoden, mit denen Schriftsteller und Informatiker versuchen, eine Welt zu schaffen? Wie nehmen die Vertreter des alten Mediums "Schrift" und des neuen Mediums "Computer" ihre Umwelt wahr und wie nutzen sie sie für ihre eigenen Schöpfungen? Das sind nur einige der Fragen, die der Moderator des Abends und Leiter des Literaturbüros NRW, Michael Serrer den beiden Gästen stellen wird.

Veranstaltungsadressen

Neersen: Schloß Neersen, Ratssaal, Hauptstaße 6
Düsseldorf: Schloß Benrath, Festsaal, Benrather Schloßallee 102
Monheim: Schelmenturm, Grabenstraße 30
Krefeld: Museumsscheune der Burg Linn, Albert-Steeger-Straße 5
Schloß Dyck, 41363 Jüchen
Schloß Wickrath, Nassauer Stall, 41189 Mönchengladbach

Eine Veranstaltungsreihe des Literaturbüros NRW in Düsseldorf e.V.

In Zusammenarbeit mit:
Stadt Willich, 02156/949226
Kulturamt Düsseldorf (Kontakt: Literaturbüro NRW)
Stiftung Schloß Benrath (Kontakt: Literaturbüro NRW)
Kulturamt Monheim, Tel. 02173/951111
Kulturbüro Krefeld, Tel. 02151/58360
Stiftung Schloß Dyck, Tel. 02182/8240
Amt für Stadtmarketing Mönchengladbach, Tel. 02161/252400
EUROGA 2002plus GmbH, Hotline 02131/928 3000

Gefördert vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW
Informationen unter: fon 0211 / 8284590, fax 0211 / 8284593 (Literaturbüro NRW)
Kartenvorverkauf bei den örtlichen Mitveranstaltern
Eintritt jeweils 8 EUR / Ermäßigungen von Ort zu Ort unterschiedlich
Konzeption Michael Serrer
Projektleitung Dr. Thomas Hoeps

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