KORRESPONDENZEN 8 - LITERATUR IN ACHT MUSEEN NORDRHEIN- WESTFALENS

Einladung zu den Korrespondenzen 8

Literatur entsteht weder, noch wirkt sie im luftleeren Raum. Natur, Kunst und Kulturgeschichte bestimmen die Literatur, und die Literatur wiederum ist es, die unseren Blick auf Natur, Kunst und Kulturgeschichte verändert. Dieses Wechselverhältnis wollen wir gerne nutzen, um Ihnen zum zweiten Mal in der Reihe "Korrespondenzen8 -Literatur in acht Museen Nordrhein-Westfalens" spannende und interessante Lesungen anzubieten. Erneut haben wir hervorragende Schriftsteller eingeladen, deren Werke in einem ästhetischen und/oder inhaltlichen Zusammenhang zu den Dauer- oder Sonderausstellungen der beteiligten Museen stehen.

Wir laden Sie also herzlichst zum doppelten Gewinn ein. Hören Sie gute Literatur und genießen sie zugleich die großartige Vielfalt der nordrheinwestfälischen Museumslandschaft zwischen Aachen und Dortmund und zwischen Duisburg und Wuppertal.

Dass diesmal mit den Wiener Autoren Christian Stuhlpfarrer und Tarek Eltayeb sowie dem niederländischen Schriftsteller Adriaan van Dis gleich drei Teilnehmer aus Nachbarländern kommen und auch die Ausstellungen der beteiligten Häuser oft international geprägt sind, zeigt, welche große Bedeutung wir in NRW dem kulturellen Austausch zumessen.

Gute Unterhaltung und anregende literarisch-künstlerische Begegnungen bei den acht Korrespondenzen-Lesungen des Jahres 2002 wünschen Ihnen

Ilse Brusis, Präsidentin der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW Michael Serrer, Leiter des Literaturbüros NRW in Düsseldorf
Dr. Thomas Hoeps, Projektleiter Korrespondenzen8

Mittwoch, 25.9. , 20 Uhr
Stefan Weidner / Tarek Eltayeb.
Ludwig Forum für Internationale Kunst
Jülicher Straße 97- 109 , 52070 Aachen,
fon 02 41/18 07 104
Eintritt: 4 Euro , erm. 2 Euro



Donnerstag, 26.9. , 19 Uhr
Michael Kleeberg.
Karl Ernst Osthaus-Museum
Hochstraße 73 , 58042 Hagen,
fon 0 23 31/ 20 73 138
Eintritt: 4 Euro , erm. 3 Euro



Sonntag, 29.9. , 12 Uhr
Stephanie Überall liest Brussig.
Kultur- und Stadthistorisches Museum
Johannes-Corputius-Platz 1
47049 Duisburg,
fon 02 03 / 28 32 656
Eintritt: 4 Euro



Samstag, 12.10. , 19.30 Uhr
Ralf Rothmann.
Preußen-Museum NRW
An der Zitadelle 14-20 , 46483 Wesel,
fon 02 81 / 339 960
Eintritt: 4 Euro



Freitag, 25.10. , 21 Uhr
Adriaan van Dis.
Völkerkundemuseum der Archiv- und
Museumsstiftung Wuppertal
Missionsstraße 9 , 42285 Wuppertal,
fon 02 02 / 89 004 226
Lesung im Haus der Vereinten
Evangelischen Mission,
Rudolfstraße 137,
42285 Wuppertal-Barmen
Eintritt: 5 Euro
(für alle Museen in der Museumsnacht)



Donnerstag, 31.10. , 20 Uhr
Feridun Zaimoglu.
Deutsches Textilmuseum
Andreasmarkt 8 , 47809 Krefeld
fon 0 21 51 /94 69 450
Lesung: Museumsscheune,
AIbert-Steeger-Straße 5 , 47809 Krefeld
Eintritt: 2,50 Euro



Sonntag, 10.11. , 11 Uhr
Christian Stuhlpfarrer.
Museum für Naturkunde
Münsterstraße 271 , 44145 Dortmund,
fon 02 31 / 50 24-856
Eintritt: 3 Euro , erm. 0,75 Euro



Sonntag, 10.11. , 17 Uhr
Andreas Neumeister.
K21 -Kunstsammlung im Ständehaus
Ständehaus,
Ständehausstraße 1 , 40217 Düsseldorf,
fon 0211 /8381-600
Eintritt: 6,50 Euro , erm. 4,50 Euro

Mittwoch, 25.9. 20 Uhr Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen

Stefan Weidner Eine kurze Geschichte der modernen arabischen Literatur

Tarek Eltayeb Städte ohne Dattelpalmen, Aus dem Teppich meiner Schatten

Das Ludwig Forum zeigt vom 6. September an eine Ausstellung der sogenannten FÜNF AUS DEN EMIRATEN, einer Künstlergruppe aus Dubai, die sich mit ihren Arbeiten auf Vorbilder der Konzept-Kunst beruft. Die verwendeten Materialien sind einfach: Sand, Steine und Holz. Sie verweisen auf eine Kultur, die in unmittelbarem Bezug zur umgebenden Natur stand. Stefan Weidner (Köln) ist seit Jahren einer der wichtigsten Vermittler arabischer Literatur in Deutschland. Er wirkt als Übersetzer (u. .a. von Adonis), Herausgeber (z. B. "Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung", C.H. Beck) und als Journalist (Die Zeit, NZZ). In Aachen wird er eine Einführung in die moderne arabische Literatur geben und den Autor des Abends vorstellen. Tarek Eltayeb, 1959 in Kairo als Sohn sudanesischer Eltern geboren, lebt seit 1984 in Wien. Seine literarischen Arbeiten erscheinen in Zeitschriften in London, Paris und der arabischen Welt. Viel Lob erntete er für seinen Roman "Städte ohne Dattelpalmen", der eindrucksvoll von der Flucht eines jungen Sudanesen vor der Armut nach Kairo und in die Städte Europas berichtet. Eltayeb wird hieraus und aus seinem neuen Gedichtband "Aus dem Teppich meiner Schatten" (beide Bücher: edition selene) lesen.

Donnerstag, 26.9. 18 Uhr (Führung) 19 Uhr (Lesung) Karl Ernst Osthaus-Museum Hagen

Michael Kleeberg Ein Garten im Norden

Vor genau 100 Jahren gründete Karl Ernst Osthaus das Museum Folkwang in Hagen - Ausdruck seines Bestrebens, den Fortschritt der Menschheit über Kunst voranzutreiben. Zu diesem Jahrestag der Folkwang-Idee veranstaltet das KEOM das Ausstellungsprojekt "Museotopia -Schritte in andere Welten". Für rund 120 Tage -bis zum 15.10. -werden 100 internationale KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus allen Disziplinen Modelle und Konzepte für unsere Zukunft präsentieren, um sie mit dem Publikum zu diskutieren. Neben der Ausstellung gibt es zahlreiche Veranstaltungen und einen Wissenschaftskongress (mehr unter www.keom.de). Von einer Stätte utopischen Denkens handelt auch der Roman "Ein Garten im Norden" (dtv) von Michael Kleeberg. Der Berliner Schriftsteller, der u. a. den Anna-Seghers- Preis und den Lion-Feuchtwanger-Preis erhielt, erzählt die Geschichte von Albert Klein, einem Bankier, der sich in der Weimarer Republik vom Hasardeur zum humanistischen Mäzen wandelt. Mitten in Berlin legt Klein einen kunstvollen Park an, der zum Treffpunkt der klügsten Köpfe Europas wird. Briand und Stresemann, Thälmann und Lasalle treffen hier aufeinander, "Planetarische Archive" dokumentieren die Errungenschaften der Weltkulturen, und eine Stiftung namens "Zirkel um die Welt" vergibt Weltreise-Stipendien zur Bewußtseinserweiterung an junge Leute. "Ein Garten im Norden" ist einer der ganz großen Romane unserer Zeit. Vor der Lesung um 19 Uhr bietet das Museum ab 18 Uhr eine Führung durch die Ausstellung an.

Sonntag, 29.9. 12 Uhr Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg

Stephanie Überall liest Thomas Brussigs "Leben bis Männer"

Am letzten Tag der großen Fußball-Ausstellung "Wir sind Zebras, SuperZebras! - 100 Jahre MSV Duisburg" läuft voller Spielfreude die Literatur in die Arena ein. Stephanie Überall, die unerreichte Mittelfeldregisseurin des kabarettistischen Weltmeisterinnen-Duos "Missfits", liest Thomas Brussigs Fußballtrainer-Monolog "Leben bis Männer" (S. Fischer).

In diesem wunderbar witzigen - und ein klein wenig traurigen- Text des "Sonnenallee" Autors Brussig spricht kein seriöser Nadelstreifen-Stratege a la Hitzfeld, kein neunmalkluger Fußballintellektueller, sondern ein bierbäuchiger Malocher aus dem Osten Deutschlands, der noch eigenhändig die Linien kalkt und die Eckfahnen in den Boden rammt. Kinder, Knaben, Schüler, Jugend, Junioren - bis Männer. Der Mann hat sie alle trainiert, Aber jetzt - nach verpaßtem Aufstieg - ist Schluß. Höchste Zeit zur ultimativen Abrechnung mit Feststellungen wie "Frauen und Fußball ist ein ganz finsteres Kapitel". Wenn das kein gefundenes Fressen für die herausragende Geschlechterkampf-Expertin Stephanie Überall ist, deren Oberhausener Herkunft zudem den unterhaltsamsten Ost-West- Transfer eines Trainers in der Geschichte des Fußballgeschäfts erwarten lässt.

Samstag, 12.10. 19.30 Uhr Preußen-Museum NRW Wesel

Ralf Rothmann Milch und Kohle

Die fünfziger Jahre waren nicht nur die Zeit der Nierentische und der ersten Busreiser nach Capri, sondern vor allem auch die Startphase für den endgültigen Siegeszug der Automaten. In Musikautomaten (Jukeboxes) stapelten sich die Rock 'n Roll-Singles, an Warenautomaten kaufte man nach Geschäftsschluß Nylons, und Spielautomaten luden zum Flippern und Daddeln ein. Das Preussenmuseum NRW zeigt -im Vorgriff auf eine große historische Automatenschau im nächsten Jahr -eine kleine Ausstellung über die Alltagskultur der 50er und 60er Jahre, in deren Mittelpunkt ein Dutzend interessanter Automaten stehen. In Ralf Rothmanns Roman "Milch und Kohle" erinnert sich der etwa 40jährige Simon an seine Jugend in den 60er Jahren jene Zeit, in der sich die Mütter mit "Tosca" parfümierten und die Väter nach "Sir" oder "Tabac" rochen, in der man alles für ein Nylon-Hemd tat und die Jeans beim Waschen angelassen wurden, damit sie besonders eng und knackig saßen. Sein Vater, einst Landar- beiter, schuftet nun im Bergwerk, seine Mutter bändelt mir dem italienischen "Gastarbeiter" Gino an, Simon knattert auf der Zündapp davon. Rothmann, der zuletzt mit dem Herrnann-Lenz-Preis ausgezeichnet wurde, hat ein Buch jenseits von nostalgischer "Kumpel-Romantik" geschrieben, das zwar detailgenau eine vergangene Welt schildert, zugleich weit darüber hinaus von der Sehnsucht nach einem richtigen Leben erzählt.

Freitag, 25.10. 21 Uhr Völkerkundemuseum der Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal Wuppertal Lesung im Missionshaus

Adriaan van Dis Indische Dünen

Einen Indonesien-Abend veranstaltet das Völkerkundemuseum der Archiv- und Museumsstiftung zur Wuppertaler Museumsnacht. Auf den Tag genau vor 170 Jahren wurde das erste Missionshaus in Wuppertal eingeweiht und zugleich -mit einer Reihe von ozeanischen Ethnographica -der Grund- stock zu den völkerkundlichen Sammlungen gelegt. Anlässlich dieses Jubiläums wurde Indonesien als Thema ausgewählt, weil die Insel Borneo zu den ersten Einsatzorten der Mission zählte. Indonesien, oder vielmehr die ehemalige Kolonie Niederländisch-Indien, ist auch Thema in Adriaan van Dis' großartigem Roman "Indische Dünen", ein Buch, das in mehrere Sprachen übersetzt (auf Deutsch bei Hanser /dtv) und mehrfach ausgezeichnet wurde. Van Dis zählt zu den beliebtesten Autoren Hollands. Viele seiner Bücher führen in weit entfernte Länder, und immer wieder kehrt der Autor dabei zu seiner eigenen Biographie zurück. In "Indische Dünen" erzählt er von seiner Familie, deren Schicksal eng mit der Geschichte Indonesiens verknüpft ist. Dort war der Vater, Nachkomme eines niederländischen Pflanzers und einer Indonesierin, ,Soldat in der Königlich-Niederländischen Indien-Legion. Und von dort aus wurde die Familie 1945 in die Niederlande "repatriiert". Das ferne Land aber bestimmt weiterhin die Gespräche und die Erinnerung.

Donnerstag, 31.10. 20 Uhr Deutsches Textilmuseum Krefeld Lesung in der Museumsscheune

Feridun Zaimoglu Liebesmale scharlachrot Kopf und Kragen

Das Deutsche Textilmuseum zeigt ab dem 13. Oktober eine ausgezeichnete Privatsammlung von anatolischen Kelims aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Die Teppiche, die in der großen Vielfalt ihrer Ornamente und ihren leuchtenden Farben faszinieren, sind Zeugnisse einer über 2000jährigen Kultur, in der sich Stammes-, Gruppen- und Familienzugehörigkeit auch über solche Textilien ausdrückt. Mit Feridun Zaimoglu, 1964 in Bolu / Türkei geboren, seit über 30 Jahren in Deutschland, kam die "Kanak Sprak" in die Literatur. Er schnappte sie in bis dahin unbeachteten Nischen auf. Es ist die Sprache der "Deutschländer", der in Deutschland lebenden jungen Türken -eine Sprache, die den Aufstand probt, eine des wütenden Protests und des Vergnügens an Veränderung. Eine Sprache voller Melodiösität und Rhythmik, barock, farbenfroh und zugleich hart und scharfkantig. Inzwischen hat der hinreißend vortragende Zaimoglu mehrere Bücher veröffentlicht, darunter den Briefroman "Liebesmale scharlachrot" Rotbuch und "Kopf und Kragen" (So Fischer), das Kompendium eines Kanak- Weltbürgers voller Reportagen und frei erfunden, unerbittlich-galanter Interviews, die ein außergewöhnliches Deutschlandbild zeichnen.

Sonntag,10.11. 11 Uhr Museum für Naturkunde Dortmund

Christian Stuhlpfarrer fisch. ein bericht.

Das Süßwasser-Aquarium des Museums für Naturkunde in Dortmund ist eines der wenigen großen, frei umgehbaren Schaubecken. Bei einem Wasservolumen von 75.000 Liter und 2,60 m Tiefe ziehen hinter 10 cm dicken Glasscheiben zahlreiche Schwarmfische ungstört ihre Bahnen. Im mit 28 C angenehm warmen Wasser tummeln sich Fische aus dem südamerikanischen Amazonas-Gebiet, hauptsächlich Buntbarsche, Saimler und Welse. Dieses Aquarium wäre zweifellos ein Traumdomizil für Ludwig Adalbert Unselig, den untergetauchten Held des wunderbaren Romans "fisch. ein bericht". Unselig -einst Wärter im Naturhisto- rischen Museum Wien, danach irgendwo in Albanien verschwunden -liebte es, im Wasser zu leben, und hatte darum seine Wohnung zu einem überdimensionalen Aquarium umgebaut. Sein Nachmieter findet in einer Sauerstoff- flasche die Aufzeichnungen Unseligs, be- ginnt zu recherchieren, und irgendwann lässt er schließlich selbst Wasser in das ge- kachelte Wohnzimmer einlaufen ... Auf witzige, poetische und groteske Weise taucht dabei in 236 Minikapiteln alles das auf, was das Meer zu bieten hat.

Sonntag, 10.11. 17 Uhr K21- Kunstsammlung im Ständehaus Düsseldorf

Andreas Neumeister Angela Davis löscht ihre Website

Die "K21 -Kunstsammlung im Ständehaus" zeigt ab 11. Oktober eine Ausstellung mit Werken Daniel Richters. Bevor er anfing zu malen, entwarf Richter Mitte der achtziger Jahre Plakate und Plattencover für Punkbands. Der Musik blieb er weiter verbunden, seine künstlerische Arbeit hat Richter selbst einmal mit Hip-Hop verglichen, auch bedient sie sich des "samplings" von vorgefundenen Bildzeichen und Motiven. Nach anfänglich rein abstrakter Ausrichtung integriert der 1998 mit dem Otto Dix-Preis ausgezeichnete Maler seit einiger Zeit figürliche Elemente in seine komplexen großformatigen Bilder, die im Kontext der zeitgenössischen Subkulturen, der Literatur, Geschichte und aktuellen Politik nach den Möglichkeiten einer künstlerisch-gesellschaftlichen Aussage forschen. Auch für den Münchner Schriftsteller Andreas Neumeister sind Musik und Politik wichtige Bezugspunkte seines Schreibens. Der u. a. mit dem Alfred-Döblin-Förderpreis ausgezeichnete Neumeister gilt spätestens seit seinem großen Musik-Buch "Gut laut" (Suhrkamp 1998 /Version 2.0: 2001) neben Thomas Meinecke und Rainald Goetz als einer der wichtigsten Autoren im Bereich des avancierten literarischen Pop-(Polit-) Diskurses. Jetzt hat er ein neues Buch gesampelt: "Angela Davis löscht ihre Website" heißt es und präsentiert die Welt entlarvend auf den Punkt gebracht in listen, Refrains und Abbildungen: "We will develop you!"

 

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