Museumsschreiber Düsseldorf 8 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 8

George-Arthur Goldschmidt. Heinrich-Heine-Institut

ISBN: 978-3-934268-72-2
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Rezension

RP, 12.01.10:

Ein Glücksgriff... Es scheint, als hätte sich Goldschmidt an Heines Scharfsinn und Deutlichkeit ein Beispiel genommen.

auszug

Georges-Arthur Goldschmidt

Ein unbequemer Deutscher

Heinrich-Heine-Institut

 

Im Heine Museum in Düsseldorf ist neben anderen Manuskripten, Dokumenten und Erinnerungsstücken auch eine eigenhändige Gedichtabschrift von Heines Loreley aus dem Jahre 1838 ausgestellt. In der Volksschule von Reinbek in Holstein lernte man dieses Gedicht 1937 als von „Dichter unbekannt“, denn zur Zeit des absoluten Verbrechens, der totalen Kriminalisierung Deutschlands, galt es nicht nur, die Menschen jüdischer Angehörigkeit und Abstammung als solche zu eliminieren, sondern auch jede Spur, die von jüdischer Herkunft zeugen konnte, auszuradieren. Die Loreley jedoch, das deutscheste der Gedichte, und sollte es auch von einem „Juden“ stammen, wie Heine einer war, musste unbedingt bewahrt werden. Alle anderen Werke Heines aber wurden aus den Schul- und Lesebüchern von den Nationalsozialisten verbannt, wie es ein im Museum ausgestelltes Schulbuch bezeugt. Sogar im besetzten Frankreich tilgten und verbrannten die Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1944 sämtliche Werke Heines aus den Bibliotheken, so dass kein einziges Exemplar erhalten blieb. So ist es, wenn die Barbaren am Werke sind. [Abbildung: Heines Abschrift seines Loreley-Gedichts, 1838 und Loreley-Postkarte]

 

Es war für die Nationalsozialisten unerträglich, dass gerade die Loreley von einem Juden stammte. Heine verkörperte alles, was ihnen zutiefst zuwider war: deutsche Sensibilität, deutsche Tiefe und deutschen Witz. Außer Goethe und Nietzsche dürfte es kaum andere Autoren geben, die derart deutsch denken und derart deutsch empfinden konnten und gerade als Jude, dem man von Anfang an diese Zugehörigkeit zur deutschen Kultur absprach. Ein „judenreines“ Deutschland aber verliert seine Seele und wird unweigerlich kriminell, wie wir es erlebt haben.

Heinrich Heine war von jeher in Deutschland unbeliebt, weil er sich nicht an die Anweisungen der Obrigkeit hält und keine innere Zensur kennt. Er revoltiert gegen die „deutsche Misere“, die politische Impotenz und Passivität der nun belesen gewordenen deutschen Untertanen, nicht so sehr wegen seiner Herkunft, sondern weil er frei und vorbehaltlos denkt und schreibt. Er kritisiert unentwegt den Unterwerfungsgeist und die politische Rückständigkeit, die im Vergleich zu England und besonders zu Frankreich im Deutschland des Vormärz immer noch herrschen und noch mehr als ein gutes Jahrhundert herrschen werden. [...]

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