Museumsschreiber Düsseldorf 5 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 5

Liane Dirks. Filmmuseum

ISBN: 978-3-934268-59-3
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Liane Dirks

Als das Licht das Träumen lernte

FILMMUSEUM DÜSSELDORF

Wie lang es her ist, lässt sich natürlich nicht genau sagen. Aber irgendwann vor vielen Hunderten oder eher Tausenden von Jahren muss es geschehen sehen: Das Licht fing an, sich zu langweilen. Es war die Tatsache, alles immer nur bescheinen zu müssen, einfach leid. Tag/Nacht, hell/dunkel, Schatten erzeugen und gelegentlich einmal etwas grandios aufleuchten lassen... das konnte doch nicht alles sein. Und schon gar nicht für die Ewigkeit, für die das Licht ja schließlich gemacht war. Mal ganz abgesehen davon, dass dem Licht durchaus bewusst war, dass es in Wahrheit die Dinge hervorbrachte und nicht nur beschien. Die Berge und Täler, die Flüsse und die Meere, die Pflanzen und die Tiere, na ja und uns Menschen eben auch.

Nun ist Langeweile per se nichts Schlimmes, doch da wir hier vom Licht sprechen, sprechen wir zugleich von der größten Langeweile aller Zeiten! Und weil, was sich langweilt, auch langsamer wird, war es in diesem Fall auch die bedrohlichste Langeweile aller Zeiten. Hätte sie angehalten, hätte sich das irisierende Verwischen der Teilchen und Wellen, die das Licht ausmachen, wiederholt oder gar etabliert, nicht auszudenken, wo wir heute wären. Es ist ganz einfach auszudenken: Wir wären gar nicht da.

Doch da die Gesetze des Kosmos ehern sind, was durchaus bedeuten kann: immer in Bewegung – es wird Zeit, dass wir uns an das Paradoxe gewöhnen –, da diese Gesetze ehern sind, hat auch die Langeweile ihre vorgeschriebenen Regeln, und eine davon lautet: Langeweile ist kreativ. Mit anderen Worten: Wer sich langweilt, wirklich richtig hartnäckig langweilt, dem fällt irgendwann etwas ein. Es geht gar nicht anders. Zum Glück ging es dem Licht auch so. Es zürnte zwar noch etwas, als es aus dieser merkwürdigen Stimmung der nichtsnutzen, öden Selbstvergessenheit wieder erwachte, es schüttelte sich gewissermaßen einmal durch, doch dann beschloss es, die ebene Gleichmäßigkeit seines Wesens wieder anzunehmen und weiterhin das zu tun und zu sein, was es war. Es soll hier erwähnt werden, dass bei dieser Gelegenheit, bei diesem Schütteln, die Nordlichter entstanden. Jene merkwürdig farbigen Himmelstücher, die derzeit das Schmelzen der Polkappen so romantisch illuminieren. Doch dies nur am Rand. Wichtiger war, dass das Licht eine Erkenntnis gewonnen hatte. Eine wahrhaft Bahn brechende Entdeckung hatte es gemacht, muss man wohl besser sagen. Erst der jetzige Stand der Forschung erlaubt es uns, andeutungsweise zu ahnen, wie weit voraus und gleichzeitig zurück diese Entdeckung tatsächlich geht, welchen Raum sie umfasst und was sie für das reale Leben hier auf diesem Planeten bedeutet. [...]

 

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