Museumsschreiber Düsseldorf 4 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 4

Tanja Dückers. Mahn- und Gedenkstätte

ISBN: 978-3-934268-58-6
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Rezension

RP, 11.03.08:

Ihr Essay und die illustrierenden Fotos widmen sich der jüdischen Familie Flechtheim/Klestadt.

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Tanja Dückers

Über das Erinnern

Mahn- und Gedenkstätte

Wie kann man in Deutschland sinnvoll an das im Nationalsozialismus Geschehene erinnern? Wie erinnert man die Älteren, wie interessiert und bewegt man zugleich die Jüngeren? Wie kann man Orte des kollektiven Erinnerns und Gedenkens schaffen, wenn Erinnern und Gedenken doch letztendlich sehr private Vorgänge beschreiben? Und wie vermeidet man, bei den Jüngeren nur das durch oftmals fehlgeleiteten Schulunterricht evozierte „Übersättigungssyndrom“ am Nationalsozialismus zu fördern? Im Folgenden möchte ich versuchen zu erklären, warum viele Formen der institutionalisierten Erinnerung ihr Ziel verfehlen und den Betrachter, der aus der Gegenwart zurückschaut, nicht erreichen. Gleichzeitig möchte ich deutlich machen, warum die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf den meines Erachtens einzig sinnvollen Weg heutiger Erinnerungskultur beschreitet, in dem sie die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Sie leistet eine Arbeit, die sich oft „hinter den Kulissen“ abspielt, für die Besucher nicht jederzeit sichtbar und dennoch unglaublich wichtig ist.

 

Die Kulturwissenschaftler Jan und Aleida Assmann haben zwei Begriffe geprägt, die das Verständnis unserer Erinnerungsformen erweitern: Sie unterscheiden zwischen „kulturellem“ und „kommunikativem“ Gedächtnis. Mit „kulturellem Gedächtnis“ bezeichnen sie eine Art „kollektives Gedächtnis“ – wobei sie darunter kein unbewusstes gemeinsames Wissen verstehen, wie C.G. Jung es in seinen Archetypen formulierte. Sie definieren das „kulturelle Gedächtnis“ als „Sammelbegriff für alles Wissen, das im spezifischen Interaktionsrahmen einer Gesellschaft Handeln und Erleben steuert und von Generation zu Generation zur wiederholten Einübung und Einweisung ansteht“. Das „kulturelle“ Gedächtnis ist der „jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümliche Bestand an Wiedergebrauchs-Texten, -Bildern und -Riten (...), in deren ‚Pflege’ sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, ein kollektiv geteiltes Wissen vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewusstsein von Einheit und Eigenart stützt.“

Im Vergleich zum „kulturellen Gedächtnis“ ist das „kommunikative Gedächtnis“ so etwas wie das Kurzzeitgedächtnis der Gesellschaft. Es ist an die Existenz der lebendigen Träger von Erfahrung gebunden und umfasst etwa 80-90 Jahre, je nach Alter der ältesten Kommunikatoren, also drei bis vier Generationen. Der Zeithorizont des „kommunikativen Gedächtnis“ wandert entsprechend mit fortschreitendem Gegenwartspunkt mit.

 

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