Museumsschreiber Düsseldorf 2 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 2

Dietmar Dath. Kunsthalle Düsseldorf

ISBN: 978-3-934268-47-0
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Dietmar Dath

Sind wir bald da?

Kunsthalle Düsseldorf

1. Aussicht

Wenn ich es gescheit anstelle und nicht vorher verschmurgle, darf ich die Fertigstellung der Kunst noch erleben. Was danach als Erinnerungsstütze aufzubewahren allenfalls lohnen kann, passt bequem in die Kunsthalle Düsseldorf.

2. Arbeitsbeschreibung

Was treiben die Kunstschaffenden?

Sie pinseln Flötenspieler an die Innenwände von Grabkammern, sie gravieren Blütenmuster hinten auf Handspiegel, sie erzeugen nackte Männer aus Bronze, damit man sie anbetet, sie stellen Karyatiden und Sphinxe in die Gegend, damit die Sonne draufscheint, sie basteln Stelen und türmen Megalithen auf, sie zeigen Perspektive und Farbschlieren, machen großen Krach und produzieren kleine bemalte Holzstatuetten, protestieren gegen Hitler oder gegen die Einsamkeit, feiern den Krieg oder das schlechthin Rechteckige als solches, malen Pop, Päpste und faule Eier, treten auf und verstecken sich, sind für jedes Mysterienspiel, jede Aufklärung und überhaupt jeden Überbaujokus zu haben, der sich überhaupt in Kunst umsetzen läßt, fangen mitunter sogar während der geschilderten Tätigkeiten unvermittelt an zu denken wie etwa Brecht oder der peintre philosophe Poussin, betrachten manchmal, wie Flaubert, Proust und Millionen feuilletonistischer Bewunderer dieser beiden, jahrelang öffentlich ihre eigenen Hände, ohne je aus dem Staunen darüber herauszukommen, was die alles können; schließlich und endlich machen sie auch manchmal, wie John Cage in seiner besten Zeit, demonstrativ überhaupt nichts, weil das ja auch erledigt sein will und einen schönen, anschaulichen und lehrreichen Kontrast zum aufgezählten Rest abgibt.

Der Lohn ist unterschiedlich; ein bisschen Bitterkeit kann man den Kunstschaffenden aber unter gar keinen Umständen abgewöhnen, egal wie fürstlich man sie für die bei der Arbeit erlittenen psychischen und sonstigen Unannehmlichkeiten entschädigt.

Nicht alle, leider, drücken diese höchst berechtigte Grundbitterkeit so zierlich aus wie der große Marcel Broodthaers auf seiner berühmten Einladungskarte zur ersten eigenen Ausstellung 1964: „Auch ich habe mich gefragt, ob ich nicht etwas verkaufen und im Leben Erfolg haben könnte. Schon eine ganze Zeit bin ich zu nichts nutze. Ich bin vierzig Jahre alt. Mir ist die Idee gekommen, etwas Unaufrichtiges zu erfinden, und ich habe mich sofort an die Arbeit gemacht. Nach drei Monaten habe ich meine Produktion Ph. Edouard Touissant, dem Besitzer der Galerie Saint-Laurent, gezeigt. Aber das ist Kunst, sagte er, und ich werde das alles gerne ausstellen. Einverstanden, antwortete ich ihm. Wenn ich etwas verkaufe, wird er 30% behalten. Das sind scheinbar die normalen Bedingungen. Einige Galerien behalten 75%. Worum handelt es sich? Tatsächlich um Objekte.“ [...]

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