Museumsschreiber Düsseldorf 12 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 12

Ingrid Bachér. Kunstsammlung NRW

ISBN: 9783944011035
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Rezension

"Für die Reihe ‚Museumsschreiber‘ hat die Schriftstellerin Ingrid Bachér die beiden großen Häuser der Kunstsammlung NRW … erkundet ... in einem persönlichen Rundgang. Sie erspürt dabei auch, wie sich das Zeitgefühl beim Museumsbesuch ändert.“ Rheinische Post, 14.06.13

 

auszug

Ingrid Bachér

Begegnungen

Kunstsammlung NRW

 

 

„… der Mensch soll die großen Wunder, so in ihm sind, suchen und zum Lichte bringen.“

Jacob Böhme

 

 

Begegnungen

Nirgendwo kann ich der unhaltbaren Zeit leichter entkommen als im Museum. Dorthin ziehe ich mich zurück, wenn mich wieder mal unser Geschwindigkeits- und Mehrwertswahn nervt, dieses Immer-Mehr und

Nie-Genug, dieser Pfeil ins Nichts, der uns hinauskatapultiert in eine unbestimmte Ferne, die voller Versprechungen ist und nie zu erreichen. „Wenn Zeit Geld ist,“ so der Philosoph Virilio, „dann ist Geschwindigkeit Macht.“ Sie bestimmt unser Leben, teilt uns Zeit zu und nimmt sie wieder fort. Ihr sind wir willfährig hörig, so als gäbe es nur die Beschleunigung vieler schon vorgegebener Berechnungen, der wir folgen müssen.

Im Museum bin ich frei davon, dort herrscht nicht die lineare Zeit, sondern die kreisende, sich in der Wiederholung erneuernde. Dort bin ich immer gegenwärtig im Raum vieler vergangener Zeiten und treffe in ihm Menschen, die der Zeitlichkeit gerade mal entgehen, indem sie sich versenken in Bilder der Vergangenheit und wie ich bemerken, dass diese auf vielfältige Weise anwesend sind und das Gelebte mit sich tragend, etwas aussagen über die Welt und uns. Die Kunstwerke sind Boten. Indem sie ihre eigene Zeit dokumentieren, nehmen sie oft prophetisch vorweg, was geschehen wird, und verweisen auf unsere Zeit, auf die Entwicklung von Leben, Tod und Wiederauferstehung. Keinen Fortschritt gibt es in der Kunst, nur Verwandlung.

Oft betrachte ich einzelne Bilder, gehe nur ihretwegen noch einmal ins Museum, so wie man Fremde oder Freunde besucht, um sie kennenzulernen und sie zu befragen, was sie erlebten und warum sie so wurden, wie sie sind, so heiter und verzweifelt zornig, genusssüchtig, lebensgierig oder todessatt. Jedes Bild hat eine eigene Geschichte, übersetzt in Farben und Linien. Ich kann in seine Zeit eintreten und staune, wie leicht sie meine öffnet. [...]

details

Picasso, Matisse, Beckmann, Fontana, Munoz, Boltanski, Hirschhorn u.a.

 

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