Museumsschreiber Düsseldorf 11 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 11

Barbara Köhler/ Michael Serrer. Museum Kunstpalast

ISBN: 978-3-934268-83-8
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Rezension

RP, 21.06.12:

Köhler erdichtet den Kunstpalast… Ein ansehnliches kleines Buch zum Thema… In den klugen Sprachspielereien berühren Mythen von der Antike bis zur Neuzeit.

auszug

 

Barbara Köhler

MUSEUM KUNSTPALAST

 

Es wird sich nicht anders machen lassen: ich werde »Ich«

sagen müssen und auch Sie, verehrte Lesende, werden unweigerlich

eine Rolle spielen in diesem Text, den Sie sich

da gerade anschicken zu lesen. Neugierig? Was weiß ich.

– Ich weiß z. B. , dass Sie in einer Einzahl lesen, auch ein

Leser sein könnten; falls Sie sich also als maskulin definieren,

fühlen Sie sich doch bitte mitgemeint – Sie können

»Lesende« ganz einfach als Plural lesen. Ich weiß auch,

dass ich etwas über ein – oder zu einem? – von einem? –

Museum schreiben soll; ich wurde als Museumsschreiber

nominiert, und weiß zudem, dass Präpositionen wie »zu«,

»von« und »über« die Räumlichkeit nicht nur im Satzbau

beeinflussen. Nicht, dass ich nichts wüsste. Ich weiß, dass

Sie das besagte Museum wahrscheinlich als einen fertig

eingerichteten, definitiven Bau wahrnehmen werden, in

dem nur gelegentlich die Ausstellungen wechseln – während

ich, während dieser Text entsteht, es an gleicher

Stelle mit einer Baustelle zu tun habe: ein Teil der Ausstellungsräume

befindet sich im Jetzt meines Schreibens im

Umbau. Was soll ich Ihnen davon erzählen? Was weiß ich,

was wird? Für Sie wird das Museum, weiß ich, sogar einen

anderen Namen tragen; während es auf meiner Satzbaustelle

noch museum kunst palast heißt, soll es nach

dem Umbau Museum Kunstpalast heißen. Deswegen er-

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scheint mir auch dieses »Ich« unvermeidlich, denn es hat

außer der persönlichen noch eine zeitliche und eine örtliche

Komponente – die wir gewöhnlich »Jetzt« nennen und

»Hier«: ein Punkt in der Zeit, ein Punkt im Raum – die Koordinaten

von Gegenwart. Damit kann ich eine Differenz,

kann Abstand herstellen zu Ihnen, zwischen Ihnen und mir

einen Raum eröffnen, der auch Ihnen ein persönliches

Hier&Jetzt gestattet, ohne darüber zu bestimmen, es meinerseits

zu vereinnahmen oder ausschließen zu wollen. [...]

 

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