Museumsschreiber Düsseldorf 1 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber Düsseldorf 1

Christoph Peters. Hetjens-Museum

ISBN: 978-3-934268-46-3
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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Christoph Peters

Im Besitz des Schönen

Hetjensmuseum

Sammeln ist eine Suchtkrankheit. Sie tritt in unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregraden auf, manche verschlingen Vermögen, andere kosten fast nichts. Man kann sich ihr bedingungslos hingeben − was leicht mit finanziellem Ruin, dem Bersten des Wohnraums und sozialer Isolation endet −, oder man versucht, sie in Grenzen zu halten, in dem man sich auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, wobei Beschränkung einerseits zum Wesen des Sammelns gehört, ihm andererseits ebenso fundamental entgegengesetzt ist wie Abgeschlossenheit. Der pathologische Sammler wird an einer vollständigen Sammlung bald das Interesse verlieren und entweder die Grenze verschieben oder sich neuen Schwerpunkten zuwenden.

Ich kenne die Krankheit gut und versuche seit über zwei Jahrzehnten, sie nicht existenzbedrohend werden zu lassen. Für Leute mit entsprechender Diagnose gibt es außer dem Gelöbnis totaler Besitzlosigkeit nur eine Alternative, nämlich in den Gebieten, die man eigentlich sammeln würde, das eine Stück zu suchen, das als „unum pro toto“ stehen könnte. Es ist ein Weg, der äußerste Sorgfalt und Selbstdisziplin erfordert und an dessen Rand tausend Gefahren lauern, denn es wird zwangsläufig zu Fehlkäufen kommen, die den Erwerb eines weiteren Stückes notwendig machen. Dann sind es schon zwei und damit beginnt die Sammlung. Ein berühmter Sammler hat mir einmal im Zusammenhang mit Büchern gesagt: „Entweder man hat nur EINS − die Bibel − oder man muss ALLE haben.“ Nimmt man das EINE oder den EINEN, der eine Ewigkeit für sich ist, ehe er zur unendlichen Vielgestaltigkeit der Welt wird, als Urbild dieses Antagonismus, ließe sich das Sammeln als Ausdruck des urmenschlichen Verlangens nach Aneignung und Ordnung ebendieser Welt, als Fortsetzung des Adam’schen Aktes der Namensgebung mittels Inbesitznahme deuten. Da die Dinge − die natürlichen ebenso wie die von Menschenhand − Gestalt gewordene Gedanken sind, spiegelt jede Sammlung einen Prozess des Nachdenkens beziehungsweise der geistigen Strukturierung wider und kann so − vorausgesetzt der Prozess hatte Sinn und Verstand − für den Betrachter ein begehbarer Pfad durch den Dschungel der unbegrenzten Möglichkeiten werden.

Betrachtet man die Sammlung, die Laurenz Heinrich Hetjens bei seinem Tod hinterließ − neben dem rheinischen Steinzeug, der Keimzelle des heutigen Keramikmuseums, hatte sie Schwerpunkte in den Bereichen Medaillen, Münzen, orientalische Teppiche, Gemälde, Graphiken und Kunsthandwerk, − erkennt man [...]

 

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