Museumsschreiber NRW 2 - Literaturbüro NRW e.V.

Museumsschreiber NRW 2

Marion Poschmann. Kunstquartier Hagen

ISBN: 978-3-944011-02-8
Seiten: 48
Preis: 9,90 €
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SCHWANENVERWANDLUNG

Jenseits

Hodlers »Auserwählter« muß sich erst noch befiedern. Junge Schwäne kommen bereits im Federkleid zur Welt, sie schlüpfen mit grauem Flaum, der später durch weißes Gefieder ersetzt wird. Der Knabe ist nackt, ein Nesthocker folglich, umringt von schwebenden Frauen. Sind es feminisierte Engelsgestalten? Sind es Schwanenjungfrauen? Sie deuten jedenfalls an, welchen Weg der Knabe vor sich hat: Es geht, wie beim Schößling, vor dem er kniet, in die Höhe – sofern die Schönheit, von der er umgeben ist, ausreicht.

Karl Ernst Osthaus hatte die Schönheit als pädagogisches Mittel betrachtet, mit dem er die Menschen, die Welt und sich selbst zu verbessern gedachte. Seinen Wohnsitz, den Hohenhof, ließ er als Gesamtkunstwerk anlegen, stimmte die Möbelstoffeauf die Farben der Gemälde ab, bauteRäume für Bilder, die dann ihre Aura auf die Menschen, die dort wohnten, übertragen sollten. Welche Vorstellung: ein Haus um Hodlers Bild herum zu bauen. Wie lebte es sich unter einem Dach mit Schwanenjungfrauen? Mit der ständigen Forderung, sich zu verwandeln? Wie lebte es sich in einem Gemälde?

Wie in einem Märchen? Im Märchen »Die sieben Schwäne« sind es sieben Brüder, die von einer bösen Stiefmutter in Schwäne verwandelt werden und von ihrer Schwester wieder erlöst werden müssen. Bis dies geschieht, sind sie unerreichbar,sind sie nicht mehr von dieser Welt. Die Schwanenverwandlung impliziert, daß der Betroffene nicht nur die Gestalt wechselt, sondern auch die Welt, in der er sich aufhält. Der Schwan ist ein Vogel, der seit dem Altertum als Jenseitsbote betrachtet wird, als [...]

 

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